Sumpftiere sind nützlich – und auf unseren Schutz angewiesen

Das Klischee des gruseligen, modrigen Sumpfes könnte der Wahrheit nicht ferner sein.Freitag, 9. November 2018

Sümpfe haben ja mitunter einen schlechten Ruf als modrige, übelriechende Landschaften, in denen sich in geraumer Vorzeit – lange vor der Erfindung der Glühbirne – Wanderer verirrten und starben.

Tatsächlich sind sie aber unglaublich fruchtbare und produktive Orte. Die Sümpfe des Mittleren Ostens waren ein echter Segen für die Entwicklung der Landwirtschaft und der menschlichen Gesellschaft. Jener fruchtbare Halbmond, wie er auch genannt wird, gilt als Geburtsort der Zivilisation.

In den USA machen Sümpfe nur fünf Prozent der Fläche aus, „und trotzdem beheimaten sie fast ein Drittel aller heimischen Pflanzenarten“ und mehr als ein Drittel seltener Tier- und Pflanzenarten, schrieb der Biologe Mike Harding in einer E-Mail.

Aber was genau ist ein Sumpf? Welche Tiere leben darin und wie machen sie die Welt zu einem besseren Ort?

Was ist ein Sumpf?

Sümpfe sind Feuchtgebiete, „die sich durch eine Gehölzvegetation mit Bäumen oder Sträuchern auszeichnen“, erklärt Elliot White, Jr., ein Doktorand am Watershed Ecology Lab der University of Florida. White erforscht Küstensümpfe im Norden des Golfs von Mexiko.

In älteren Sümpfen, die nie abgeholzt oder trockengelegt wurden, fühlt man sich „mitunter wie in einer Kathedrale, weil die Bäume so hoch sind“, sagt er. Sie wachsen mit großen Abständen, „wie die Säulen in einer großen Kirche“.

In den Sümpfen des Manatee Springs State Park in Florida ist es beispielsweise immer kühl und dunkel, selbst an sonnigen Tagen, wie White sagt.

Gerade ihre Dunkelheit und die ganzen Krabbeltierchen, die dort leben, sind wohl aber auch einer der Gründe für den eher schlechten Ruf der Sumpflandschaften.

Zuflucht für Bären

Der Louisiana-Schwarzbär „wurde von der Weltnaturschutzunion früher als gefährdet eingestuft“, sagt White. Seitdem die Sümpfe wieder in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt wurden, hat sich der Bestand erholt.

Die Sümpfe „waren ein Ort, an dem sie frei umherziehen konnten, ohne eine Straße überqueren zu müssen oder andere gefährliche Begegnungen mit Menschen hatten“, so White.

Auch Hirsche und Enten tummeln sich oft in Sümpfen, da sie dort sicher vor Jägern sind.

Allzweckreiniger

„Sumpfmikroben verbessern die Wasserqualität“, schrieb die Umweltschutzbiologin Christine Angelini von der University of Florida in einer E-Mail. Sie entziehen dem Wasser überschüssigen Stickstoff, wie sie erklärt.

Und Louisianamoos, das oft in Sümpfen wächst, filtert Partikel aus der Luft und reinigt diese so. Außerdem leben in Sümpfen Tiere wie Fledermäuse und Spinnen, die die Populationen von Krankheitsüberträgern wie Stechmücken und Kakerlaken in Schach halten. 

Die Feuchtgebiete bieten auch Schildkröten ein Heim, die Aas vertilgen, so zum Beispiel die Tropfenschildkröte, die an der US-Ostküste und in der Region der Großen Seen heimisch ist.

Auch Filtrierer wie Muscheln leben am Grund der Sümpfe und „säubern das Wasser von umherschwebendem organischen Material“, sagt Harding.

Bau-Boom

Der Ebenezer Swamp in Alabama ist auf Biber angewiesen, „deren Dämme Staugewässer erzeugen, in denen viele andere Organismen leben können“, erklärt Harding, der auch das Wetlands Research and Interpretive Program für den Ebenezer Swamp leitet.

Durch den Dammbau in Flüssen erzeugen Biber Teiche. So entsteht auch eine „Freiwasserkomponente“, die an Orten wie Texas, die jüngst extreme Dürreperioden erlebt haben, besonders wichtig sei, wie White betont.

Diese Teiche „werden für die Wildtiere der Umgebung eine Wasserstelle“.

Insekten, die ihre Eier im Wasser ablegen – beispielsweise Libellen –, liefern Nahrung für Vögel, Fische, Amphibien, Fledermäuse und andere Insekten.

Und schlussendlich sind Feuchtgebiete auch keine hässlichen, Unheil verkündenden Orte, sondern „warten mit einer Fülle an natürlicher Schönheit auf, die beruhigend auf die gebeutelte Psyche des typischen modernen Menschen wirken kann“, sagt Harding.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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