Von Karate-Kakerlaken und anderen tierischen Tretern

Für Kängurus, Kiwis und andere Tiere ist ein kräftiger Tritt oft die beste Verteidigung.Dienstag, 13. November 2018

Oft denkt man wohl zuerst an scharfe Krallen und spitze Zähne, wenn es um tierische Verteidigungstaktiken geht. Für einige Lebewesen sind jedoch ihre Beine ihre stärkste Waffe – und selbst winzige Tiere können überraschend heftige Tritte verteilen, wenn es um Leben und Tod geht.

Der Kakerlaken-Überlebenskick

Kakerlaken haben nicht gerade viele Fans, aber wenn sie von einer Juwelwespe überwältigt werden, kann man gar nicht anders, als sie für ihr Schicksal zu bemitleiden.

Die Juwelwespe versetzt dem Krabbeltier zwei Stiche: Der erste paralysiert die Vorderbeine der Kakerlake, der zweite Stich geht direkt ins Gehirn und verwandelt sie praktisch in eine Art Zombie, sodass sie an ihren Antennen herumgeführt werden kann.

Die Wespe „hat Sensoren an ihrem Stachel, die ihr dabei helfen, das Gehirn zu finden“, schrieb der Neurobiologe Kenneth Catania von der Vanderbilt University in einer E-Mail.

Im Anschluss führt die Wespe ihre Zombie-Kakerlake in ein Erdloch mit einem Wespenei und lässt sie dort zurück. Dann verschließt sie das Loch, sodass die Kakerlake bei lebendigem Leib von der Wespenlarve gefressen wird.

Im Rahmen einer neuen Studie, die in „Brain, Behavior and Evolution“ erschien, hat Catania nun festgestellt, dass sich die Kakerlaken nicht kampflos in ihr Schicksal ergeben.

Zunächst nehmen sie eine Verteidigungshaltung ein, indem sie sich aufrichten und ihren Körper von der Wespe weglehnen, um zum zweiten Teil ihrer Strategie überzugehen: Mit ihren stacheligen Hinterbeinen versetzen sie der Wespe einen oder mehrere schnelle Tritte gegen den Kopf.

Man sollte meinen, dass die Wespe einfach wegfliegen könnte, aber „die Kakerlaken-Kicks sind enorm schnell“, sagt Catania. „Vermutlich kann die Wespe nicht schnell genug ausweichen, wenn der Angriff erst mal begonnen hat.“

Als nächstes versucht sich die Kakerlake auf die Flucht vorzubereiten. Dafür wendet sie ihren Körper beispielsweise von der Wespe ab, drückt die Wespe mit ihren stacheligen Hinterbeinen von sich, hält sie mit Hilfe ihrer Beine auf Abstand und beißt ihr in den Hinterleib.

Insgesamt hat Catanias Team 55 Auseinandersetzungen zwischen Juwelwespen und Kakerlaken beobachtet. Die Kakerlaken, die sich verteidigt haben, entkamen in 63 Prozent aller Fälle – im Rahmen des Experiments bedeutete das, dass sie nach drei Minuten in einer Kammer mit einer Wespe nicht gestochen wurden. Kakerlaken, die sich nicht verteidigten, hatten nur eine 14%ige Überlebenschance.

Tierische Tret-Parade

Aber auch viele andere Tiere schwingen das Bein für einen wohl platzierten Tritt.

Strauße „können einen Löwen mit einem kräftigen Tritt außer Gefecht setzen“, sagt Don Moore, der Direktor des Oregon Zoo.

Auch kleinere Vögel haben es in den Beinen.

Kiwis, die hühnergroßen, neuseeländischen Cousins der Strauße, „können Äste und Baumstämme entzwei treten, um dort nach Insekten zu suchen“, sagt Moore. Außerdem vertreiben sie Raubtiere wie Opossums, die „Jagd auf Kiwi-Küken machen könnten, wenn die Kiwi-Väter nicht so verdammt aggressiv wären“.

Dann gibt es da noch die Sekretäre, die ihre Beute zu Tode treten. Mit einem einzigen Tritt können diese Vögel binnen 15 Millisekunden mit der Kraft ihres fünffachen Körpergewichts zutreten.

Sekretäre: Ganz besondere Vögel

Kamele hingegen bekommen vermutlich den Preis für Beweglichkeit, da sie nach vorn, nach hinten und zur Seite austreten können. Männliche Kängurus teilen bei Kämpfen um Weibchen Tritte aus, die Knochen zertrümmern können.

Frösche nutzen ihre kräftigen Schenkel eher zum Wegspringen, aber Moore zufolge treten einige von ihnen auch, um sich zu verteidigen. Der kleine Glasfrosch Hyalinobatrachium valerioi, der im Englischen auch als ninja frog bezeichnet wird, kann potenzielle Angreifer mit kräftigen Tritten vertreiben, während er sein Gelege beschützt.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Wei­ter­le­sen