Tiere

Erstmals seit 100 Jahren: Schwarzer Leopard in Afrika dokumentiert

Das extrem seltene Leopardenweibchen hat Melanismus, durch den der Körper übermäßig viel dunkles Pigment produziert. Dies ist die erste wissenschaftlich dokumentierte Sichtung eines schwarzen Leoparden seit 1909. Freitag, 22 Februar

Von Jason G. Goldman

Dem Volksmund nach bringen schwarze Katzen Unglück, doch als Nick Pilfold hört, dass eine von ihnen sich in Zentralkenia herumtrieb, wusste er, dass er etwas ganz Besonderem auf der Spur war.

Der in Kenia lebende Biologe und sein Team installierten Anfang 2018 mehrere Kamerafallen im Buschland des Loisaba Conservancy. Kurze Zeit später fand er, was er gesucht hatte: Der unbestreitbare Beweis eines extrem seltenen, schwarzen Leoparden.

Das junge Weibchen wurde in Begleitung eines größeren, normal gefärbten Leoparden beobachtet, wahrscheinlich seiner Mutter.

Mit ihrer Veröffentlichung im African Journal of Ecology sind diese Fotos nun die erste wissenschaftliche Dokumentation eines solchen Tiers in Afrika seit etwa 100 Jahren.Melanismus ist das Gegenteil von Albinismus und ist unter anderem auf ein Gen zurückzuführen, das für die Überproduktion von Pigmenten in der Haut oder den Haaren eines Tieres verantwortlich ist, sodass dieses schwarz erscheint. Es wird schon seit Jahrzehnten immer wieder in und um Kenia von Leoparden mit Melanismus berichtet, doch der wissenschaftliche Beweis ihrer Existenz blieb zumeist aus.

Bis 2017 war nur eine einzige Sichtung belegt – durch ein Foto, das im Jahr 1909 in Addis Abeba in Äthiopien aufgenommen wurde und das in den Sammlungen des National Museum of Natural History in Washington, D.C. verwahrt wird. Die Verbreitung der Tiere über den ganzen Kontinent ist durch den Verlust von Lebensraum und Mangel an Beutetieren um mindestens 66 Prozent gesunken.

„Fast jeder der schon mal ein Exemplar gesehen hat, hat eine passende Geschichte dazu – es ist schon fast eine mystische Kreatur“, sagt Pilfold, der als Biologe für das San Diego Zoo Global Institute for Conservation Research.

„Selbst wenn man mit älteren Männern spricht, die vor vielen Jahren als Guides in Kenia gearbeitet haben, als die Jagd noch legal war [in den 1950er- und 1960er-Jahren], war es damals ein ungeschriebenes Gesetzt, keine schwarzen Leoparden zu jagen. Wenn man einen sah, ließ man ihn in Frieden.“

Ein Schattendasein

Von Afrika bis in den Osten Russlands gibt es neun Unterarten von Leoparden. Man geht im Moment davon aus, dass etwa 11 Prozent aller lebenden Leoparden schwarz sind, berichtet Pilfold, doch die meisten von ihnen leben in Südostasien, wo die tropischen Regenwälder viel Schatten spenden.

Eine Theorie besagt, dass der Melanismus in diesen Lebensräumen mehr Tarnung bietet und den Raubtieren so einen Vorteil bei der Jagd verschafft, erklärt Vincent Naude, Koordinator eines forensischen Forschungsprojekts, das sich mit den Genen von Leoparden beschäftigt. Es wird von der gemeinnützigen Organisation Panthera betrieben. Naude war an der Untersuchung in Kenia nicht beteiligt.

Aber in Kenia scheinen die schwarzen Leoparden, die manchmal auch als „schwarze Panther“ bezeichnet werden – ein Sammelbegriff für Schwärzlinge in allen Großkatzenarten – in dem halb-trockenen Buschland zu leben.

„Unsere Leoparden leben in savannenartigen Umgebungen, wo ihnen der Melanismus keine Vorteile bringt“, meint Naude. Allerdings schadet ein bisschen zusätzliche Pigmentierung bei ihrem nachtaktiven Lebensstil sicher auch nicht.

Dass das junge Weibchen mit seiner Mutter unterwegs war, deutet außerdem darauf hin, dass ihre einzigartige Färbung keine Auswirkung auf die Mutter-Kind-Bindung hat.

Lustiger Zufall

Nachdem sie von Pilfolds Sichtung erfuhren, reichten die Mitarbeiter des Ol Ari Nyiro Conservancy – knapp 50 Kilometer westlich von Loisaba – ein Foto in guter Qualität ein, das einen zweiten schwarzen Leoparden zeigte und im Mai 2007 aufgenommen worden war.

Da das Foto mehr als zehn Jahre älter war, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass es sich um ein anderes Tier handeln musste. Das wies darauf hin, dass schwarze Panther in Kenia häufiger vorkommen als in anderen afrikanischen Ländern.

Doch afrikanische schwarzer Panther sind immer noch so selten, dass die Wissenschaft nicht einmal weiß, ob die gleiche genetische Mutation für ihren Melanismus verantwortlich ist, wie bei den südostasiatischen Leoparden.

Pilfold findet es außerdem interessant, dass das fiktive Land Wakanda, die Heimat des Superhelden Black Panther in Ostafrika angesiedelt ist, ganz in der Nähe von Kenia.

„Es ist ein bemerkenswerter Zufall“, meint Pilfolf. „Der einzige Ort, an dem es schwarze Panther gibt, ist der, an dem dieser Schauplatz Marvel-Universum verwurzelt ist.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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