Tiere

Erstes „goldenes“ Zebra in der Wildnis dokumentiert

Die Bilder bestätigen, dass Albinozebras in der Wildnis überleben können, wie Forscher sagen. Freitag, 29 März

Von Natasha Daly

In der Nähe eines Wasserlochs in einem ruhigen Tal des Serengeti-Nationalparks in Tansania hoffte der Fotograf Sergio Pitamitz am 17. Februar auf ein paar Aufnahmen der vorbeiziehenden Zebras. Als etwa ein Dutzend der Tiere langsam auf die Lichtung trotteten, entdeckte Pitamitz inmitten der Herde etwas Ungewöhnliches: einen Goldschimmer.

„Ich dachte erst, das sei ein Zebra, das sich im Staub gewälzt hat“, erzählt der Fotograf. Aber als er beobachtete, wie das Tier ins Wasser lief und zu trinken begann, fiel ihm auf, dass sich der „Staub“ nicht abwusch. Aufgeregt begann er, Bilder von dem Sonderling zu machen.

Das goldfarbene Zebra hat vermutlich eine Form von Albinismus. Unter Zebras ist das Phänomen äußerst selten, wie mehrere Wissenschaftler bestätigen, darunter auch Greg Barsh, ein Genetiker des HudsonAlpha Institute for Biotechnology.

Das auffällige Tier produziert deutlich weniger Melanin als seine Artgenossen – ein natürliches Pigment, das in der Haut gebildet wird. Aus diesem Grund wirken seine Streifen blasser.

„Über Albinismus bei Zebras weiß man überhaupt nichts“, schrieb Barsh in einer E-Mail. Trotz einiger Berichte über Sichtungen in der Wildnis scheinen Albinozebras so selten zu sein, dass man bisher nur Fälle von betroffenen Tieren in Gefangenschaft dokumentieren konnte. In einem Privatreservat im Nationalpark Mount Kenya leben ein paar Dutzend Zebras mit einer solchen Melaninsynthesestörung. Ein weiteres blondes Zebra namens Zoe wurde in einem hawaiianischen Zoo geboren und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2017 in einem Schutzzentrum.

Die Entdeckung des Zebras in Tansania deutet Barsh zufolge darauf hin, dass die Genvariante für diese Störung in und rund um Kenia weiter verbreitet ist als angenommen.

Teil der Gang

Pitamitz’ Fotos „bestätigen, dass Tiere mit dieser Störung in der Wildnis überleben können und von ‚normalen Zebras‘ anscheinend akzeptiert werden“, so Barsh.

Brenda Larison, eine von der National Geographic Society geförderte Biologin der University of California in Los Angeles, verweist darauf, dass sich die blonden Zebrahengste in dem kenianischen Privatreservat ganz normal verhalten und jeweils eine Herde von mehreren Stuten haben.

In der Wildnis werden auch Zebras mit anderen untypischen Fellzeichnungen (von gepunkteten Tieren bis hin zu Zebras, die zusätzliche schwarze Streifen zu haben scheinen) von der Herde akzeptiert, wie Barsh sagt. Auch diese Tiere paaren sich, drücken ihre Zuneigung zu Herdenmitgliedern aus und machen eben ganz normale Zebradinge.

Die soziale Akzeptanz scheint zwar kein Problem darzustellen, aber Barsh und Larison zufolge sei es denkbar, dass Albinozebras in der Wildnis andere Schwierigkeiten haben könnten. Derzeit ist noch nicht bekannt, welche konkrete Funktion die Streifen der Tiere erfüllen (es gibt beispielsweise keine Belege dafür, dass sie der Tarnung dienen und Raubtiere verwirren). Allerdings sieht es ganz so aus, als würden sie Bremsen abwehren.

Der Evolutionsbiologe Tim Caro von der University of California in Davis hat sich eingehend mit der Beziehung zwischen den lästigen Insekten und den Zebrastreifen beschäftigt. Ihm zufolge sei es möglich, dass die helleren Streifen des Albinozebras die Bremsen nicht so gut abwehren wie normale, schwarze Streifen.

Wir wissen nicht genau, wie dunkel Zebrastreifen sein müssen, um gegen die Insekten zu wirken – aber der Umstand, dass es in der Wildnis so wenige goldene Zebras gibt, deutet darauf hin, dass dieses Merkmal auf irgendeine Art einen Nachteil darstellt, sagt Caro.

Goldenes Geheimnis

Albinismus bei Menschen und Haustieren wie Mäusen, Pferden und Meerschweinchen ist mittlerweile gut erforscht. Aber dieses Wissen ist oft nicht hilfreich, wenn man verstehen will, welchen Einfluss Albinismus auf das Überleben in der Wildnis hat, erklärt Barsh.

Die Herausforderung bestehe ihm zufolge darin, eine solche Abweichung bei einem Tier zu ergründen, dem wir uns kaum nähern können. Die kenianische Population, die in dem Privatreservat lebt, reiche zwar aus, um die Genetik hinter dem Merkmal zu erforschen, aber auch diese Tiere sind äußerst scheu, weshalb es schwer ist, ihnen Blutproben zu entnehmen.

Für Sergio Pitamitz, dessen Fotos einen Beitrag zu unserem Wissen über Albinismus bei wilden Zebras geleistet haben, war die Begegnung mit dem goldenen Tier wie ein zweiter Lottogewinn. Vor zwei Jahren hatte er schon mal ähnlich viel Glück und entdeckte in Kenia einen schwarzen Serval.

„Bei der Wildtierfotografie geht es um Leidenschaft [und] Geduld“, sagt Sergio. „Aber manchmal hilft auch einfach Glück!“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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