Umwelt

Für den Schutz der Meere fast nackt durch die Subantarktis

Der Extremschwimmer Lewis Pugh trotzte den extremen Temperaturen, um für den Schutz der unberührten Meeresregion einzutreten.Freitag, 10. November 2017

Lewis Pugh schwimmt in der Gesellschaft von zwei Eisbergen in den eiskalten Gewässern der Antarktis.
Lewis Pugh schwimmt in der Gesellschaft von zwei Eisbergen in den eiskalten Gewässern der Antarktis.

Es ist bei Weitem nicht die erste Schwimmstrecke, die sich Lewis Pugh je vorgenommen hat, aber die gefährlichste.

Der ehemalige Anwalt, der mittlerweile Ausdauerschwimmer ist, schwamm im November letzten Jahres in den antarktischen Gewässern vor der Küste von King Edward Point in der Nähe von Grytviken, Südgeorgien. In dem eiskalten Wasser trug er dabei nichts als eine Schwimmunterhose. Er brauchte 19 Minuten, um einen Kilometer weit zu schwimmen.

Wäre das Wasser nicht so salzig, wäre es bei seiner Temperatur von 2 °C schon gefroren. Der 48-jährige Pugh riskierte bei seinem Unterfangen eine gefährliche Unterkühlung. Ohne Training ist es möglich, sich beim Schwimmen in diesen Gewässern ernsthafte Verletzungen oder Schlimmeres zuzuziehen.

Pughs Unterstützer kommentierten seinen Schwimmversuch live auf Twitter. Etwa auf der Hälfte der Strecke passierte Pugh zwei See-Elefanten, die bis zu 3.500 Kilogramm schwer werden können. Nachdem er diese potenzielle Gefahr hinter sich gelassen hatte, verringerte sich Pughs Geschwindigkeit. In derart kaltem Wasser sinkt die Körpertemperatur sehr schnell.

„Ich hasse es, in eiskaltem Wasser zu schwimmen“, sagte Pugh nach seinem Unterfangen bei einem Telefoninterview. Die Leute nehmen oft an, dass Pugh solche Schwimmversuche macht, weil er kaltes Wasser besonders gewohnt ist. „Ich schwimme im Wasser, um eine Botschaft zu vermitteln.“

Als Patron der Meere für die Vereinten Nationen widmet Pugh sein Leben der Aufgabe, auf die Bedrohungen für die Weltmeere aufmerksam zu machen.

Sein Schwimmversuch kommt zu einem Zeitpunkt, da die Regierung des Vereinigten Königreichs den Schutzstatus von etwa 500.000 Quadratkilometern des Meeres im Bereich der Südlichen Sandwichinseln prüfen will. Aktuell gilt die Region als Meeresschutzgebiet mit nachhaltiger Nutzung, was bedeutet, dass der Fischfang in gewissen Maßen gestattet ist. Aber im Verlaufe des Monats wird die Regierung darüber nachdenken, der Region einen vollen Schutzstatus zuzusprechen und jegliche Fischerei zu untersagen.

Simon Reddy ist der Leiter des Pew Bertarelli Ocean Legacy Project im Vereinigten Königreich, eines der Projekte, das für den vollen Schutz der Region eintritt. Ihm zufolge ist die Überprüfung eine Möglichkeit, die entlegenen Gewässer für die Zukunft vor einer möglichen Ausbeutung zu schützen. 

„Es ist eine der einzigartigsten und unberührtesten Lebenswelten der Welt“, sagt Reddy. Auf den Südlichen Sandwichinseln leben etwa zehn Prozent aller Pinguine der Erde, und in den umliegenden Gewässern leben zahlreiche Meeressäuger.

„Ich bin noch nie in einer Gegend mit so vielen wilden Tieren geschwommen“, merkte Pugh an. Er und sein Team waren sich nicht sicher, wie die Tiere auf ihn reagieren würden. Viele von ihnen hatten noch nie Kontakt zu Menschen. Sie hofften, dass die Tiere sich nicht provoziert fühlen würden.

„Es gibt nichts Beängstigenderes, als an einem Strand voller See-Elefanten und Antarktischen Seebären vorbeizuschwimmen. Ich habe gebetet, dass sie genau dort bleiben“, sagte der Schwimmer.

Pugh hat seinen Leben nicht zum ersten Mal riskiert, um auf Umweltbelange aufmerksam zu machen. Seine Art des Aktivismus wurde als „Speedo-Diplomatie“ bezeichnet. 2014 wurde er von National Geographic zum Abenteurer des Jahres ernannt.

Nach seinem Ausflug in das Meer vor Südgeorgien will er in das Vereinigte Königreich reisen, um sich mit den politischen Führern zu treffen, denen der Schutz dieser Region obliegt, die er als „die schönste, die ich je gesehen habe“ beschreibt.

„Das sollte nicht nötig sein“, sagte Pugh über seine Art, auf schutzbedürftige Meere aufmerksam zu machen. „Das Schwimmen kann hart sein, aber die [politischen] Verhandlungen können noch härter sein.“

Sarah Gibbens auf Twitter und Instagram folgen.

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