Umwelt

Wassermangel wird immer bedrohlicher

Naturbasierte Lösungen könnten eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Wasserversorgung spielen.Montag, 19. März 2018

Von Jens Voss
Wassernot in Kenia: Ein Samburu-Hirte mit einem Tierkadaver.

Schon heute leben nach Angaben des aktuellen Weltwasserberichts der Vereinten Nationen 3,6 Milliarden Menschen in Gebieten, in denen mindestens in einem Monat pro Jahr das Wasser knapp wird. Das entspricht fast der Hälfte der Weltbevölkerung. 2050 werden es UN-Prognosen zufolge bis zu 5,7 Milliarden sein. Der Bericht zeige, dass so genannte naturbasierte Lösungen wie Wiederaufforstung, Nutzung von Feuchtgebieten und gezielte Grundwasseranreicherung eine wichtige Rolle bei der Verbesserung von Wasserversorgung und -qualität spielen können. Die UNESCO hat den Weltwasserbericht 2018 am 19. März beim 8. Weltwasserforum in Brasilien vorgestellt.

KONFLIKTE UMS WASSER

„Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigender Konsum machen deutlich: Wir brauchen neue Lösungen für die Wasserbewirtschaftung“, forderte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden bis 2050 mehr als fünf Milliarden Menschen unter Wassermangel leiden. Auch drohen Konflikte ums Wasser. Für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung brauchen wir Reformen und Innovationen. Wir müssen dabei auch natürliche und naturähnliche Prozesse viel stärker als bisher nutzen.“ Zwar seien die Investitionen in naturbasierte Lösungen zuletzt stark angestiegen, sie machten aber immer noch weit unter ein Prozent der Investitionen in die Wasserbewirtschaftung aus.

Sauberes Trinkwasser ist schon heute vielerorts ein rares Gut. In den nächsten Jahrzehnten wird die Nachfrage weiter deutlich steigen.

GRÜNE LÖSUNGEN FÜR LANDWIRTSCHAFT UND STÄDTE

Als naturbasierte Lösungen begreifen die Autoren des Weltwasserberichts Formen der Wasserbewirtschaftung, die von der Natur inspiriert und unterstützt sind, die natürliche Prozesse nutzen oder diese imitieren. Durch solche Verfahren könne die landwirtschaftliche Produktion schätzungsweise weltweit um etwa 20 Prozent erhöht werden. Im indischen Bundesstaat Rajasthan beispielsweise sei nach einer schweren Dürre 1986 der Grundwasserspiegel durch gezielte Wiederaufforstung und Bodenbearbeitung um mehrere Meter gestiegenen. Die landwirtschaftliche Produktivität habe sich verbessert.

Auch für die Städte versprechen sich die Autoren neue Chancen durch naturbasierte Lösungen. So sollen dem Bericht zufolge etwa 16 chinesische Städte bis 2020 ihre Böden und Feuchtgebiete so bewirtschaften, dass sie 70 Prozent des Regens speichern und somit die Wasserversorgung der Menschen unterstützen.

Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird jährlich durch die UNESCO und deren World Water Assessment Programme (WWAP) erstellt. Dazu arbeiten 31 UN-Organisationen mit der UNESCO zusammen. Von 2003 bis 2012 erschien der Bericht alle drei Jahre. Seit 2014 wird er jährlich mit einem Themenschwerpunkt herausgegeben. Am 22. März ist Weltwassertag.

Zur deutschen Kurzfassung des Weltwasserberichts

Jens Voss

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