Umwelt

Klimawandel lässt lebenswichtige Fischbestände schrumpfen

Im Laufe der letzten 80 Jahre hat die Erwärmung der Meere weltweit wichtige Fischbestände in Mitleidenschaft gezogen – ein Trend, der sich wohl fortsetzen wird. Freitag, 1 März

Von Sarah Gibbens

Die Grundlage der weltweiten Fischereiindustrie sind die Fischgründe in unseren Meeren – jene Bereiche, in denen sich regionale Fischbestände sammeln und auf kostengünstige Weise gefangen werden können.

Eine aktuelle Studie, die in „Science“ erschien, umreißt die Folgen, die der wärmer werdende Ozean auf die kommerziell wichtigen Fischarten hat. Die Forscher fanden heraus, dass die Zahl der Fische in den bedeutenden Fischgründen der Welt seit 1930 im Schnitt um vier Prozent zurückgegangen ist.

Im Japanischen Meer und in der Nordsee waren die größten Rückgänge zu verzeichnen. Dort fiel die Zahl der Fische um bis zu 35 Prozent. Andere Fischgründe profitierten hingegen vom wärmeren Wasser: Ihre Population wuchs – aber Wissenschaftler warnen, dass dieser Anstieg einen nicht nachhaltigen Wettbewerb um Ressourcen zur Folge haben könnte.

„Wir waren überrascht davon, wie stark sich die Erwärmung bereits auf die Fischbestände ausgewirkt hat“, sagt der Hauptautor der Studie und Ökologe Chris Free von der University of California in Santa Barbara.

Fiebermessen im Meer

Um die Auswirkungen der Erwärmung und der Überfischung zu messen, sah sich Free zunächst Temperaturdaten aus den letzten 80 Jahren an und verglich sie mit der Produktivität der Fischgründe während überdurchschnittlich warmer Perioden. Das Team untersuchte dabei 235 Populationen von 124 Fischarten in 38 verschiedenen Regionen.

Das wärmere Wasser sorgte in manchen Fischgründen für Stoffwechselstress bei den Tieren und damit für ein Schrumpfen des Bestandes, da die Suche nach Nahrung und die Fortpflanzung erschwert wurden. Durch einen Temperaturanstieg kann auch das Zooplankton, das für Fische eine wichtige Nahrungsquelle darstellt, zurückgehen. Die Auswirkungen auf so kleine Organismen haben dann einen Kaskadeneffekt in der restlichen Nahrungskette zur Folge.

In der Nordsee und im Japanischen Meer, wo erhöhte Wassertemperaturen gemessen wurden, stellten die Wissenschaftler fest, dass Überfischung die Fischgründe zusätzlich belastete.

„Wenn sie durch die Fischerei ohnehin schon beeinträchtigt sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie mit steigenden Temperaturen schlecht klarkommen“, sagt der Co-Autor der Studie Malin Pinksy, ein Ökologe der Universität Rutgers in New Jersey.

„Als mir Chris diese Zahlen vorgelegt hat, war ich wirklich verblüfft. Wir wussten, dass die Tiere in neue Bereiche abwandern, aber ich hätte nicht gedacht, dass das bereits ihre Fähigkeit zur Reproduktion beeinträchtigt.“

Schadensbegrenzung

Die Ökologe Will White, der sich auf Fischbestände spezialisiert hat, war an der Studie von Free und Pinksy nicht beteiligt. Aber ihm zufolge unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung des Fischereimanagements.

„Wir haben an der Westküste [der USA] zahlreiche Fischbestände und hatten in der Vergangenheit auch ein ziemlich gutes Fischereimanagement. Dadurch haben wir eine gewisse Stabilität erzielt“, so White.

Von 2014 bis 2016 bekam die US-Westküste die tödlichen Auswirkungen eines großen Warmwasserbereichs zu spüren, der sich den Spitznamen „der Blob“ verdiente. Als sich der Pazifik erwärmte, starben Meeresorganismen wie Zooplankton, die wiederum die Nahrungsgrundlage für die heimischen Lachse bilden. Für Oregons lukrative Lachsbestände war das eine Katastrophe.

„Ich bin nicht sicher, ob wir das durch Management ausgleichen können“, sagt White über die Erwärmung der Meere. Dennoch findet er, dass der Temperaturanstieg beim weltweiten Fischereimanagement berücksichtigt werden sollten.

Pinksy warnt davor, die wachsenden Bestände mancherorts als positives Zeichen zu werten.

„Mit Fischen ist es ein bisschen wie mit Goldlöckchen“, sagt er. „Manchen ist es zu kalt, aber wenn es wärmer wird, ist es ihnen schnell zu heiß.“

Wachsende Fischbestände könnten zudem in das Verbreitungsgebiet anderer Arten eindringen. Vor der Küste von New England sind beispielsweise die Populationen von Schwarzen Zackenbarschen gewachsen.

„Wie sich herausstellt, fressen die gern Hummer“, sagt er. Wenn die Bestände weiterwachsen, könnte sich das auf die Population des Amerikanischen Hummers auswirken. „Das sind alles Dominoeffekte.“

Fisch für die Welt

Wenn das Bevölkerungswachstum im derzeitigen Tempo weiter steigt, werden wir die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis 2050 verdoppeln müssen. Schon heute sind Fische für Millionen von Menschen eine überlebenswichtige Proteinquelle.

Allein im Jahr 2016 wurden 171 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer entnommen. Prognosen zufolge wird diese Zahl innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 201 Millionen ansteigen.

„Die Ernährungssicherung ist ein großes Anliegen“, sagt Pinksy. Für etwa drei Milliarden Menschen ist Fisch die Hauptproteinquelle.

„Abgesehen davon wissen wir, dass das auf lokaler Ebene auch wichtige Folgen für all jene hat, die ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei verdienen.“

Er glaubt, dass durch besseres Management die Folgen der Erwärmung abgeschwächt werden können. Die Etablierung sogenannter no-take zones, in denen keinerlei Fische entnommen werden dürfen, ermöglicht es den Beständen beispielsweise, sich zu erholen und überfischte Populationen wieder zu vergrößern.

Letzten Endes verdeutlicht die Studie Free zufolge die weitreichenden Folgen der Produktion von Treibhausgasen. Sofern diese unvermindert weitergeht, werden wohl auch die Fischbestände weiter abnehmen.

„Wir werden uns einfach anpassen müssen“, sagt er. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht

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