Rettung der Regenwälder: „Tourismus ist die einzige Chance“

Die fortschreitende Zerstörung der tropischen Regenwälder bedroht unsere eigene Zukunft. Gibt es Hoffnung? Im Gespräch: Regenwald-Experte, Fotograf und Autor Dieter SchonlauMittwoch, 18. Dezember 2019

Herr Schonlau, zusammengerechnet haben Ihre Frau und Sie über zehn Jahre im Regenwald verbracht. Was hat Sie in all den Jahren am meisten begeistert?

Jede Reise ist einzigartig und voller unvergesslicher Momente. (überlegt) Wenn ich nur ein einziges Erlebnis schildern dürfte, wäre das wahrscheinlich die Begegnung mit einer Orang-Utan-Mutter und ihrem Jungen auf unserer ersten Reise in Sumatra vor über 30 Jahren.

Gerade Sumatra und Borneo stehen sinnbildlich für die dramatische Abholzung der Regenwälder ...

Ja. Und besonders erschreckend ist, dass diese wundervollen Wälder in Südostasien teilweise 140 Millionen Jahre existierten, bis der Mensch kam und sie zunehmend zerstört. Auf unseren Reisen erleben wir hautnah, wie diese einzigartigen Lebensräume immer mehr schwinden.

Sie selbst engagieren sich unter anderem für das Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramm SOCP. Was macht das Projekt so besonders?

Meine Frau und ich haben immer ein Projekt gesucht, hinter dem wir hundertprozentig stehen können. Der Orang-Utan begleitet uns seit über 30 Jahren in freier Wildbahn. Und er steht sinnbildlich für die fortschreitende Zerstörung der asiatischen Regenwälder, die vor allem zur Holzgewinnung und für Palmöl-Plantagen gerodet werden. Das Programm kämpft für den Schutz des Lebensraums dieser großartigen Menschenaffen und kümmert sich um die Wiederauswilderung.

Gibt es denn überhaupt Hoffnung für die letzten Regenwälder?

Hoffnung machen mir die kommenden Generationen. Im Austausch mit den Menschen vor Ort merken wir immer wieder, dass die jungen Leute so nicht mehr weitermachen wollen. Sie wollen die Natur erhalten. Sie wollen wieder von und mit dem Wald leben.

Was können wir hier in Europa aktiv tun?

Wir müssen als Verbraucher noch kritischer werden, vor allem angesichts der Flut an Palmölprodukten in den Supermärkten. Unser Konsumverhalten entscheidet maßgeblich darüber, was mit den Wäldern in Südostasien und anderswo geschieht. Letztlich dreht sich alles ums Geld. Umso wichtiger ist es, dass sich die Menschen vor Ort alternative Einnahmequellen erschließen können.

Wie schätzen Sie hierbei die Rolle des Tourismus ein: Schadet oder nutzen Reisen dem Regenwald?

Natürlich sind Flüge nicht gut für Umwelt und Klima. Aus meiner Sicht bietet der Tourismus aber letztlich die einzige Chance, die Regenwälder zu retten. Denn er ermöglicht den Einheimischen eben diese verlässliche Einnahmequelle. Das muss natürlich auf eine sanfte und ökologisch verträgliche Art und Weise geschehen. Etwa, indem man in kleinen Gruppen reist und dabei von fachkundigen einheimischen Guides begleitet wird. Die Bevölkerung muss also unbedingt eingebunden werden, auch damit klar ist: Das Leben vom und im Wald ist auf lange Sicht eine bessere und sinnvollere Einkommensquelle als Palmöl, Soja oder Tropenholz.

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Was bringt Sie persönlich weiter voran?

Auf unseren Reisen entdecken und erleben wir ständig etwas Neues. Auch der Austausch mit den Menschen, die unsere Vortragsreihen besuchen, treibt uns an. Dass wir andere Menschen mit unseren Geschichten, Filmen und Fotos für den Regenwald begeistern können, dass wir sie dazu motivieren können, sich für den Schutz dieses einzigartigen Lebensraums einzusetzen: All das ist der Motor, der uns weiter voran bringt.

Über Dieter Schonlau und Sandra Hanke

Seit über 30 Jahren reisen Dieter Schonlau (*1963) und seine Frau Sandra Hanke (*1968) rund um den Globus, um die Faszination der Regenwälder zu studieren, fotografieren und zu ihrer Erhaltung beizutragen. Mehr als zehn Jahre haben sie zusammengerechnet in der Wildnis verbracht. Mit ihren Fotos, Vortragsreihen und Seminaren möchten sie die Begeisterung für die Schönheit und Artenvielfalt der Regenwälder wecken und zugleich bewusst machen, wie wichtig es für die Menschheit ist, diese Regionen aktiv zu schützen. Schonlau und Hanke leben in Paderborn. Mehr Infos unter: www.wildlifephoto.de

Jens Voss

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