Studie: Kaffee wird künftig knapp

Der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Landwirtschaft. Forscher haben sich nun mit dem Anbau von Arabica-Bohnen befasst – mit beunruhigenden Ergebnissen für Kaffeetrinker.

Veröffentlicht am 31. Jan. 2022, 16:04 MEZ
Ein Kaffeebauer präsentiert seine Arabica-Ernte.

Ein Kaffeebauer präsentiert seine Arabica-Ernte.

Foto von Adobe/gudkovandrey

Fast 170 Liter Kaffee im Jahr werden hierzulande pro Kopf getrunken, meist gebrüht aus Arabica-Bohnen. Laut einer neuen Studie aus Zürich könnte das Getränk weltweit aber zukünftig ein rares Gut werden. Denn die Klimaerwärmung wirkt sich negativ auf die Anbaugebiete der beliebten Bohne aus. Nach Angaben der Forschungsgruppe Geography of Food an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wächswil, wird ihre Fläche bis 2050 bis zu 60 Prozent schrumpfen.

In der Studie, die im Fachmagazin Plos One veröffentlicht wurde, untersuchten die Forscher Anbaugebiete für Avocados, Kaffee und Cashews. Die landwirtschaftlichen Flächen für Arabica-Kaffeesträucher sind den Ergebnissen zufolge am stärksten vom Klimawandel betroffen, weil die Pflanze besonders anfällig für Temperaturveränderungen ist.

Die Wissenschaftler erzeugten für ihre Untersuchungen drei unterschiedliche Emissionsszenarien, die in 14 Testmodellen künftige Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflanzen aufzeigen. Dazu wurden die Gewächse unterschiedlichen klimatischen Faktoren ausgesetzt. Sie simulierten lange Trockenzeiten, niedrige Mindesttemperaturen und Jahresniederschlägen. Alle Teststrecken führten zu niedrigen pH-Werten des Bodens sowie ungünstigen Bodentexturen und Erosionen – eine wortwörtliche Steilvorlage für dramatisch erschwerte Anbaukonditionen.

Die fragile Zukunft der Arabica-Bohne

Nach Einschätzungen der Schweizer Forscher wird es die Böden des größten Arabica-Produzenten Brasilien am härtesten treffen: Dort könnten 97 Prozent der aktuellen Anbauflächen bis 2050 nicht mehr geeignet sein. Selbst wenn bis dahin Emissionen erfolgreich reduziert werden sollten und die Forscher von einem niedrigen Treibhausgasausstoß ausgingen, würde das größte Arabica-Anbaugebiet der Welt den Berechnungen zufolge um 76 Prozent schrumpfen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass weitere große Regionen wie Indonesien, Vietnam und Kolumbien ebenfalls einen erheblichen Rückgang an geeigneten Flächen verzeichnen werden. Die Länder müssten sich auf die Veränderung einstellen, schreiben die Forschenden. Maßnahmen wie Kalkdüngung, Bewässerung oder andere standortspezifische Maßnahmen könnten der Entwicklung entgegenwirken. Eine weitere Alternative: Statt der empfindlichen Arabica-Pflanzen könnte auf Robusta-Bohnen umgestellt werden.

Sicher ist, dass bei fortlaufender Entwicklung der Kaffee nicht nur knapper wird - sondern auch deutlich teurer. Erst im vergangenen Jahr erreichten die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt ein neues Rekordhoch.

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Bessere Aussichten für Avocado und Cashew

Weniger erschreckend sieht es hingegen bei Avocados und Cashews aus. Zwar deutet die Studie auch hier auf zukünftig deutlich erschwerten Anbau hin – bei Avocados zum Beispiel in der Dominikanischen Republik, in Peru und Indonesien. Dennoch hätten beiden Pflanzen gute Chancen, auf anderen Böden dieser Welt zu gedeihen. Beide Kulturen könnten sogar von steigenden Temperaturen in höheren Lagen profitieren. Als neue Anbaugebiete kommen laut der Forschenden die Vereinigten Staaten, Argentinien, China und Ostafrika in Frage.

Alle drei untersuchten Nutzpflanzen sind Plantagenkulturen mit langer Lebensdauer, deren Anbau einer langfristigen Planung bedarf. Der Vorschlag der Wissenschaftler lautet: Anpassungen mit lokalen Akteuren vor Ort ausarbeiten. Dabei müsse jedoch darauf geachtet werden, dass neue Anbaugebiete nicht ökologisch wertvolle Flächen zerstören – und der schädliche Kreislauf somit unendlich fortgeführt wird.

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