Tiere

Das Leid hinter dem teuersten Luxus-Kaffee der Welt

Die Kaffeebohnen für Kopi Luwak müssen erst einmal durch den Darm von Schleichkatzen wandern, die dafür in Käfigen gehalten werden. Mittwoch, 25 Juli

Von Rachael Bale

Der teuerste Kaffee der Welt wird aus Kot gewonnen. Genauer gesagt wird er aus angedauten Kaffeebohnen hergestellt, die von einigen Schleichkatzen ausgeschieden werden. Eine Tasse Kopi Luwak (auch „Katzenkaffee“) kann in den USA bis zu 80 Dollar kosten.

Die Kaffee-Schleichkatzen sind in Südostasien und Subsahara-Afrika verbreitet und haben einen langen Schwanz, an Waschbären erinnernde Gesichtszeichnungen sowie eine gefleckte und gestreifte Fellzeichnung. Die Tiere spielen eine wichtige Rolle in ihrer Nahrungskette: Sie fressen Insekten, kleine Reptilien und Früchte wie Kaffeekirschen und Mangos. Im Gegenzug stehen sie selbst auf dem Speiseplan von Leoparden, großen Schlangen und Krokodilen.

Zunächst schien der Kaffeehandel für die Katzen von Vorteil. In Indonesien gilt der Fleckenmusang, der sich über die Bäume auf kommerziellen Obstplantagen hermacht, oft als Ungeziefer. Mit dem Wachstum der Kopi-Luwak-Industrie wurden die Einheimischen aber dazu ermuntert, die Tiere aufgrund ihres wertvollen Dungs zu schützen. Die Verdauungsenzyme der Fleckenmusangs verändern die Struktur der in den Kaffeebohnen enthaltenen Proteine und scheinen auch einen Teil der Säuren zu entfernen.

Aufgrund der wachsenden Beliebtheit des Katzenkaffees und Indonesiens wachsender Attraktivität als Reiseziel, in dem Touristen auch wilde Tiere sehen wollen, werden immer mehr Schleichkatzen auf Kaffeeplantagen in Käfige gesperrt. Teilweise werden sie dort für die Kaffeeproduktion gehalten, aber auch, damit man Touristen, die unbedingt die berühmten „Kaffeekatzen“ sehen wollen, Geld abnehmen kann.

Forscher der Wildlife Conservation Research Unit von der University of Oxford und der Organisation World Animal Protection begutachteten die Haltungsbedingungen von fast 50 wilden Schleichkatzen, die auf 16 Plantagen auf Bali in Käfigen gehalten werden. Die Ergebnisse, die in „Animal Welfare“ erschienen, zeichnen ein düsteres Bild.

Von der Größe und Sauberkeit der Käfige bis hin zur Möglichkeit der Käfigbewohner, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachzugehen, fiel jede von den Forschern besuchte Plantage schon bei den grundlegendsten Anforderungen an das Tierwohl durch. „Einige der Käfige waren wirklich winzig – wir haben dazu Kaninchenstall gesagt. Sie waren über und über mit Urin und Fäkalien übersät“, erzählte Neil D‘Cruze, einer der Forscher.

Einige der Musangs waren abgemagert, weil sie nur mit Kaffeekirschen gefüttert wurden – den Früchten, in denen sich die Kaffeebohnen verbergen. Andere waren übergewichtig, weil sie sich nicht wirklich bewegen konnten. Manche waren durch das ganze Koffein aufgeputscht, sagte D‘Cruze.

Am verstörendsten fand er aber den Boden aus Metallgittern, auf dem die Tiere tagein, tagaus stehen, sitzen und schlafen mussten. „Wenn man die ganze Zeit auf so einem Drahtgitter steht, führt das zu Geschwüren und Schürfwunden. Sie können nirgends hin, um dem Boden zu entkommen“, so D‘Cruze. „Das verursacht unablässig Schmerzen und Unbehagen.“

Zudem hatten viele der Tiere keinen Zugang zu sauberem Wasser und keine Möglichkeit, mit Artgenossen zu interagieren. Außerdem waren sie dem Tageslärm des Verkehrs und der Touristen ausgesetzt, der für die nachtaktiven Tiere besonders verstörend ist.

WILDLEBEND ODER AUS KÄFIGHALTUNG?

All das für ein Luxusgut – noch dazu für ein zweitklassiges. Kopi Luwak ist unter anderem deshalb so besonders, weil die wilden Fleckenmusangs sich die besten Kaffeekirschen rauspicken. Wenn man sie in Käfigen hält und einfach nur mit den Früchten vollstopft, erhält man ein minderwertiges Produkt.

Außerdem ist Kopi Luwak laut einem Kaffeeexperten, der in einem Artikel für die Specialty Coffee Association of America zitiert wurde, schon von vornherein kein so tolles Produkt. Durch den Verdauungsprozess der Musangs wird der Kaffee zwar milder, aber dabei werden auch gute Säuren und Geschmacksstoffe entfernt, die den Charakter eines Feinkostkaffees prägen.

Es gibt keine Möglichkeit, um herauszufinden, ob eine Packung Kopi Luwak aus dem Kot wildlebender oder im Käfig gehaltener Musangs gewonnen wurde. Eine verdeckte Ermittlung der BBC im Jahr 2013 ergab, dass Kaffee, der von Musangs aus unsachgemäßer Käfighaltung stammt, am Ende als Kaffee wildlebender Musangs in Europa verkauft wurde.

Sogar Tony Wild – der Kaffeehändler, der Kopi Luwak im Westen eingeführt hat – warnt in einem Artikel des „Guardian“ davor. Ihm zufolge leidet die Kaffeesorte zunehmend unter der industrialisierten Produktion, der Misshandlung der Tiere und der falschen Deklarierung.

Derzeit existiert kein Zertifikat, welches sicherstellt, dass als „wild“ gekennzeichneter Kaffee eben dies auch ist. Andere Kaffeezertifizierer, die sich für umweltfreundlichen und nachhaltigen Anbau und Produktion einsetzen, weigern sich generell, Kopi Luwak zu zertifizieren.

Der Sustainable Agriculture Network Standard, kurz SAN, auf dessen Basis die Rainforest Alliance und andere bekannte Zertifizierer ihre Siegel vergeben, verbietet die Jagd und das Fangen wilder Tiere zur Haltung auf Plantagen. Das Verbot der Käfighaltung von Fleckenmusangs wird in den Richtlinien des SAN insbesondere für Indonesien aufgeführt.

Die UTZ-Stiftung, die ebenfalls nachhaltigen Kaffee (und andere Produkte) zertifiziert, verbietet die Käfighaltung von Wildtieren auf Plantagen und zertifiziert ebenfalls keinen Kopi Luwak.

Alex Morgan von der Rainforest Alliance erzählte, dass es einfach zu riskant sei, die Kaffeesorte zu zertifizieren. Es lasse sich nicht wirklich sicherstellen, dass die Bohnen zu 100 Prozent in der Wildnis gesammelt wurden.

„Mein persönlicher Rat ist, [Kopi Luwak] einfach ganz zu meiden“, sagte er. „Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt er aus Käfighaltung.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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