Gefährliche Aktivität? Vulkan in der Eifel unter Beobachtung

13.000 Jahre sind seit der letzten Eruption im heutigen Gebiet der Eifel vergangen. Nun wird dort ein Vulkanfeld so genau wie nie untersucht.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 21. Sept. 2022, 09:18 MESZ
Aufnahme des Laacher Sees in der Vulkaneifel mit Bergen im Hintergrund.

Rund um den Laacher See in der Vulkaneifel stehen nun 350 Geofone, die eine Antwort auf die Frage liefern sollen, wie aktiv die Vulkane in der Eifel heute noch sind.

Foto von mojolo / Adobe Stock

10.000 Jahre Stille – so lange ist der Zeitraum, in der ein Vulkan ​​​inaktiv sein muss, bis er als erloschen gilt. So auch in der Eifel. Vor rund 13.000 Jahren brachte das Vulkansystem dort mit seiner bislang letzten Eruption allerlei Verwüstung über Europa. Aschewolken und -regen zogen über große Teile des Kontinents, pyroklastische Stürme begruben die Region rund um den Vulkan unter einer bis zu 60 Meter dicken Schicht aus vulkanischem Gestein.

Die mehrtägige Eruption erreichte die Stufe 6 des Vulkanexplosivitätsindex. Danach wurde es ruhig um die Vulkanfelder der Eifel – zumindest an der Oberfläche. Denn unterhalb des Laacher Sees, der sich in der Caldera des Vulkans gebildet hat, tut sich etwas. Unter der Leitung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) sollen diese Vorgänge nun mit einer groß angelegten Messkampagne so genau wie nie zuvor untersucht werden. Dafür kommen Mitarbeitende des GFZ, des Landeserdbebendiestes Rheinland-Pfalz, der Universitäten Kiel, Frankfurt, Mainz und Köln in der Eifel zusammen, um dem Vulkanismus im größten Vulkangebiet Mitteleuropas auf die Spur zu kommen.

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Umfangreiche Messkampagne

Die Kampagne zur genaueren Messung der Aktivität unterhalb und rund um den Laacher See heißt „Large-N". Der Name ist auf die große Anzahl an Messinstrumenten zurückzuführen, die dafür zum Einsatz kommt. Rund dreißig Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen waren an der Installation der insgesamt 350 sogenannten Geofone – einer Art Seismometer – beteiligt. Verteilt wurden diese in einem Radius von etwa zehn Kilometern um den Laacher See herum, einige davon sogar auf Privatgrundstücken. Die genauen Standorte dafür wurden bereits in der Planung des Projekts festgelegt. 

Die Geofone werden etwa ein Jahr lang sämtliche Erdbeben messen, die sonst nicht spürbar sind. Dabei kann das große Netz an Messinstrumenten ein genaueres Bild über die unterirdischen Prozesse liefern. Mögliche Veränderungen der Strukturen im Gestein oder etwaige vulkanische Aktivitäten tief unter der Erde können so genauestens analysiert werden. Um die Überwachung des Gebiets insgesamt zu verbessern, hofft Projektleiter Torsten Dahm, dass einige der Standorte auch nach Ablauf des Experiments dauerhaft erhalten bleiben. 

Planungsskizze Large-N: Die lila Markierungen zeigen die Geografen und ihre Positionierung rund um den Laacher See an.

Foto von Deutsches Geoforschungszentrum

Unter der Eifel brodelt es noch immer

Gründe für ein solch umfangreiches Projekt gibt es ebenso viele wie Anzeichen für eine anhaltende vulkanische Aktivität. Ohne Messgeräte und sogar mit bloßem Auge sind beispielsweise die sogenannten Mofetten am Ostufer des Laacher Sees erkennbar. Kleine CO2-Blasen bringen hier das Wasser in Ufernähe in Bewegung. „Die CO2-Mofetten sagen uns, dass es aktuell magmatische Prozesse gibt – vor allem im Oberen Erdmantel. Die hier austretenden Gase kommen nachweislich aus großer Tiefe und sind magmatischen Ursprungs“, so Dahm. Auch in der direkten Umgebung könnten erhöhte Werte an Kohlenstoffdioxid nachgewiesen werden, beispielsweise in Senken.

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Vulkansystem nicht erloschen ist, ist laut Dahm die Tatsache, dass sich die Region noch über die Fläche der Vulkanfelder hinaus anhebt. Zwar befinden sich diese jährlichen Hebungen im Millimeterbereich, dennoch seien sie messbar. „Diese sind über ein größeres Gebiet verteilt – größer als die Vulkanfelder selbst – und korrelieren in etwa mit dem Bereich, der sich auch im Erdmantel nach oben bewegt“, so Dahm.

Außerdem werden seit der Installation eines erweiterten Netzwerkes von Seismografen im Jahr 2013 regelmäßige Tiefenbeben in der Region festgestellt. Vor Ort in der Eifel werden diese Beben in einer Tiefe von bis zu 45 Kilometern hervorgerufen. „Das sind die tiefsten Beben, die wir in Deutschland überhaupt messen können. Dass sie auch im oberen Erdmantel auftreten, ist sehr ungewöhnlich“, sagt Dahm. Vergleichsdaten anderer vulkanischer Aktivitäten lassen vermuten, dass aufgeschmolzenes Mantelgestein dafür verantwortlich sein könnte – wenn es sich etwa in einem Reservoir an der Kruste-Mantel Grenze ansammeln würde.

Genauere Erkenntnisse über die Vorgänge des Eifelvulkansystems kann das Large-N-Projekt in spätestens einem Jahr liefern. Dann werden Projektleiter Torsten Dahm und sein Team mit den Auswertungen des vollständigen Datensatzes beginnen. Mit einem Ausbruch in naher Zukunft sei dennoch nicht zu rechnen. Das Forschungsexperiment diene eher dazu, die Prozesse tief im Erdmantel unter der Eifel besser zu verstehen.

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