Steht das nächste Massenaussterben durch die Erderwärmung bevor?

Das fatale Massenaussterben am Ende des Perm ist bis heute die größte Biodiversitätskrise der Erde. Forschende haben nun herausgefunden, dass das Ereignis nicht ohne Vorwarnung stattfand: Zuvor erwärmte sich die Erde – in einem ähnlichen Tempo wie heute.

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 13. Sept. 2022, 10:02 MESZ
Symbolbild Massenaussterben: Ein Vulkan mit Magma im Vordergrund.

Vor rund 252 Millionen Jahren ereignete sich das bisher größte Massenaussterben der Erdgeschichte. Angekündigt wurde dieses Ereignis allerdings schon vorher: durch eine signifikante Erwärmung der Erde.

Foto von Scheidle-Design /Adobe Stock

Vor etwa 252 Millionen Jahren ereignete sich auf der Erde ein dramatisches Ereignis der Superlative: Drei Viertel der Landlebewesen und ganze 95 Prozent der im Wasser lebenden Organismen verschwanden innerhalb weniger Tausend Jahre – das bisher größte Massenaussterben der Erdgeschichte. Ein einschneidendes historisches Ereignis am Ende des Perm, das den Übergang in ein neues Zeitalter, das Trias, markiert. 

Seit Jahrzehnten untersuchen Forschende diese sogenannte Perm-Trias-Grenze und das Massenaussterben, für das hauptsächlich starke vulkanische Aktivitäten im heutigen Sibirien verantwortlich waren. Die Vulkanausbrüche setzten große Mengen an Treibhausgasen wie Methan aus den Meeresböden frei – und sorgten daraufhin dafür, dass Milliarden von Lebewesen starben. 

Doch das gigantische Artensterben fand nicht plötzlich statt – es kündigte sich wahrscheinlich bereits über Jahrtausende an. Ein Forschungsteam des Museums für Naturkunde in Berlin (MfN), des GeoForschungszentrums Potsdam (GFZ) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersuchte in einer neuen Studie, die in der Zeitschrift Palaeontology erschien, einen nicht zu unterschätzenden Faktor, der auch heute wieder ein Warnsignal für eine zukünftige Biodiversitätskrise darstellen kann: den Einfluss der Erderwärmung.

Perm-Trias-Ereignis: Das größte Massenaussterben
Fünf Massenaussterben gab es in der Geschichte der Erde. Das größte fand vor etwa 252 Millionen Jahren statt – am Übergang vom Perm zur Trias. Szenen aus One Strange Rock – Unsere Erde.

Muschelkrebse als Thermometer

Vor über 250 Millionen Jahren war es schon einmal unsagbar heiß auf unserem Planeten. Die Temperatur erhöhte sich damals um rund 12 Grad Celsius und begünstigte so das Artensterben – vor allem im Wasser. Entgegen verbreiteter Annahmen fand auch die damalige Erwärmung der Erde schleichend statt, erklären Erstautorin Jana Gliwa, Paläoökologin an der Freien Universität Berlin, und das Forschungsteam in ihrer Studie. Bei ihren Untersuchungen zur Klimaentwicklung in der späten Permzeit stellten sie fest, dass sich die Temperatur damals allmählich, über Jahrtausende hinweg, erhöhte – und zwar bereits lange vor dem Höhepunkt der Erwärmung: dem Massensterben. 

Mithilfe eines neuen Paläothermometers – einer Methode, mit der Forschende die Umgebungstemperatur zum Zeitpunkt der Bildung eines natürlichen Materials einschätzen können – konnte das Forschungsteam nachweisen, dass die Erderwärmung bereits sehr lange vor dem großen Artensterben begann: rund 300.000 Jahre eher. Mit dem Ereignis des Massenaussterbens erreichte dann auch der Temperaturwert seinen höchsten Punkt: Die Erderwärmung gipfelte in den schweren Vulkanausbrüchen, die Milliarden Organismen das Leben kosteten.

Als Paläothermometer dienten den Forschenden Kalkschalen winziger Muschelkrebse aus der Perm-Zeit, die im Nordosten des Irans, in Kooperation mit Wissenschaftlern der Ferdowsi University Mashhad, gefunden wurden. Mithilfe einer Ionensonde untersuchte das Forschungsteam die Sauerstoffisotope in diesen Kalkschalen genauer. Anhand ihrer Messungen konnten sie schließlich ableiten, wie warm das Meerwasser zu Lebzeiten der Tiere gewesen sein muss.

„Die winzigen Kalkschalen der Muschelkrebse waren für ihr Alter erstaunlich gut erhalten. Dadurch konnten wir sie als Thermometer für die damalige Meerwassertemperatur verwenden“, erklärt Gliwa. So konnten die Forschenden nachweisen, dass die Erderwärmung, die letztendlich zur starken Übersäuerung der Ozeane führte und damit das Massensterben der Meerestiere begünstigte, graduell verlief. 

Die Erderwärmung: Vorbote des Massensterbens

Die Erkenntnisse der Forschenden lassen Rückschlüsse auf unsere heutige Situation zu. Wolfgang Kießling vom Lehrstuhl für Paläoumwelt der FAU gibt zu bedenken, dass die Faktoren, die damals zum Massenaussterben führten, sehr an unsere heutige Situation erinnern: „Massive Klimaerwärmung, Ozeanversauerung und Sauerstoffknappheit sind gut belegt. Was uns heute noch von damals trennt, ist das Ausmaß.“ 

Der Wissenschaftler warnt vor diesen frühen Vorboten des Massenaussterbens, die in einigen Jahrhunderten zu einer erneuten Biodiversitätskrise führen könnten – diesmal mit der Hilfe des Menschen.

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