Umwelt

Was macht den Feuervulkan in Guatemala so gefährlich?

Beim jüngsten Ausbruch des Volcán de Fuego starben viele Menschen, während der Kīlauea auf Hawaii hauptsächlich Sachschäden verursacht. Dienstag, 5 Juni

Von Sarah Gibbens

Einer von Guatemalas berüchtigten Vulkanen macht seinem Namen alle Ehre. Der Volcán de Fuego – der Feuervulkan – brach am vergangenen Sonntag aus. Videoaufnahmen zeigen Aschewolken, die sich rasant ausbreiten und einen deutlichen Kontrast zu der langsam vorankriechenden Lava des hawaiianischen Vulkans Kīlauea bilden, die im letzten Monat in den Medien präsent war.

Die unterschiedliche Art der Ausbrüche erklärt teils auch, warum durch den Ausbruch des Feuervulkans zwei Dutzend Menschen ihr Leben verloren, während sich der Schaden auf Hawaii hauptsächlich auf Bauwerke beschränkte.

Der Kīlauea ist ein Schildvulkan, der sich bei Ausbrüchen durch große Mengen dünnflüssiger, langsam fließender Lava auszeichnet, die aus Ritzen und Spaltet austritt. Im Gegensatz dazu ist der Fuego ein Schichtvulkan, der dazu neigt, rasante Ströme aus Lava, Asche und Schlamm auszuspeien.

Die verschiedenen Ausbruchsarten kommen durch die unterschiedlichen geologischen Prozesse zustande, die ihnen zu Grunde liegen, erklärt Janine Krippner von der Concord University.

„Das jeweilige Magma unterscheidet sich ziemlich. Das Magma des Kīlauea ist recht dünnflüssig, was bedeutet, dass die Gase leicht entkommen können. Beim Fuego ist das Magma klebriger und zäher.“

Durch seine Konsistenz schließt dieses Magma mehr Luft ein und baut Druck auf, bis es zu einem explosiven Ausbruch kommt. In seltenen Fällen kann dadurch sogar ein neuer Krater entstehen. Der aktuelle Ausbruch des Fuego ereignete sich jedoch im bestehenden Hauptkrater des Vulkans.

Die verheerendsten Auswirkungen haben jedoch die Kettenreaktionen, die der feurige Ausbruch in Gang setzt.

Nach der Explosion im Krater des Fuego lagern sich loses Gestein und andere Trümmer an den Hängen des Vulkans ab. Magma und Steine werden durch die Hitze zu Asche zerrissen, die in heißen Pyroklastischen Strömen die Hänge hinunterrast.

„Sie sind extrem heiß und extrem tödlich“, sagt Krippner.

Nachdem sich die Aschewolken aufgelöst haben, bleiben Gesteinstrümmer zurück. Da Guatemala tropisches Klima aufweist, regnet es dort oft und heftig. Wenn das Wasser sich mit dem vulkanischen Schutt vermengt, können gefährliche Schlammströme entstehen, die man als Lahare bezeichnet. Bei wenig Regen bewegen sich diese Lahare wie feuchter Beton vorwärts. Nach heftigen Regenfällen können sie sich jedoch in schlammige Sturzfluten verwandeln, die ganze Täler unter sich begraben.

In der Region um den Vulkan hat sich zudem die Luftqualität verschlechtert – eine häufige Begleiterscheinung von Vulkanausbrüchen. Das Einatmen von Vulkanasche kann zu Atemproblemen führen, weshalb Experten dazu raten, sich nicht draußen aufzuhalten.

Der Volcán de Fuego ist nur einer von drei Schichtvulkanen in der Region. Obwohl sie sich alle über einem geologisch aktiven Gebiet befinden, gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Ausbruch des Fuego auch einen Ausbruch der anderen Vulkane auslösen könnte, wie Krippner sagt.

Obwohl der Fuego als einer der aktiveren Vulkane in der Region gilt, gab es einen solchen Ausbruch zuletzt 1902, als infolge einer Eruption Tausende Menschen starben. Im Jahr 1974 zerstörte ein anderer großer Ausbruch umliegendes Ackerland, es wurden allerdings keine Todesopfer vermeldet.

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