Wissenschaft

10 Fakten über unsere Milchstraße

Porgs mögen vielleicht in einer weit entfernten Galaxie leben, aber unser sternenreiches Zuhause hat genügend eigene wundersame Merkmale. Montag, 15 Januar

Von Nadia Drake

Hinweis der Redaktion: Eine frühere Version des Artikels besagte, dass die Milchstraße einen Durchmesser von durchschnittlich 100.000 Lichtjahren hat. Der Artikel wurde am 28. Mai angepasst, um die neusten Forschungsergebnisse zur Größe unserer Galaxie einzubeziehen.

 

Wenn wir in den Nachthimmel blicken, ist jeder Stern, den wir sehen, ein Teil der Milchstraße – unserer heimatlichen Spiralgalaxie. Dort befindet sich jeder außerirdische Planet, der je von Menschen entdeckt wurde, und vermutlich noch Milliarden weitere. (Lesenswert: 10 Fakten über unsere Milchstraße)

In dunklen Nächten zieht sich die Milchstraße wie ein helles Band über den Himmel. Und in besonders dunklen Nächten – an Orten, die von der Lichtverschmutzung verschont bleiben – erstrahlen so viele helle Sterne in diesem Band, dass man sogar die dunklen Gaswolken im Weltall erkennen kann, die das Licht schlucken. Diese Wolken sind so markant, dass die Aborigines in Australien in ihrer Form einen Emu erkannten. (Lesenswert: Der imposante Weg der Milchstraße am australischen Nachthimmel)

Unsere galaktische Heimat ist eine von Billionen von Galaxien im ganzen Universum. Astronomen befassen sich nun seit fast einem Jahrhundert mit ihnen – seit Edwin Hubble entdeckt hat, dass es sich bei Andromeda nicht nur um einen benachbarten Nebel handelte, sondern um eine eigene Galaxie. Dennoch versucht die Menschheit noch immer, die Geheimnisse ihrer eigenen Galaxie zu entschlüsseln und ihren Platz im großen Bildteppich des Universums zu erkennen.

„Ich würde mit der Zeit gern einen Film über die Zusammenkunft der Milchstraße sehen“, sagt Jay Lockman vom Green-Bank-Observatorium. Er stellte beim 231. Treffen der American Astronomical Society in Maryland die neuesten Beobachtungen über unsere Galaxie vor.

Hier präsentieren wir euch ein paar der spannendsten und seltsamsten Fragen, die wir über die 13,6 Milliarden Jahre alte Galaxie hatten, in der wir zu Hause sind.

DIE MILCHSTRASSE IST (GRÖSSTENTEILS) FLACH

Unsere Galaxie hat einen Durchmesser von bis zu 200.000 Lichtjahren, ist aber nur etwa 1.000 Lichtjahre dick. In dieser flachen (und etwas verzerrten) Scheibe befindet sich unsere Sonne samt ihren Planeten in einem gebogenen Arm aus Gas und Staub etwa 26.000 Lichtjahre vom turbulenten Zentrum unserer Galaxie entfernt. Dort zentrieren sich Staub, Gas und Sterne in einem heißen, hellen Kern, den man als Bulge bezeichnet.

DIE ERDE IST 18 GALAKTISCHE JAHRE ALT

Unser Sonnensystem rauscht mit circa 800.000 km/h durch den interstellaren Raum. Selbst mit dieser Geschwindigkeit vergehen ungefähr 250 Millionen Jahre, bis es einmal um die gesamte Milchstraße gereist ist. Als unser 4,5 Milliarden Jahre alter Planet das letzte Mal am aktuellen Punkt in der Galaxie war, waren unsere Kontinente noch anders angeordnet, die Dinosaurier kamen gerade erst auf, Säugetiere gab es noch nicht und das größte Massenaussterben der Erdgeschichte war gerade im Gange.

IM ZENTRUM UNSERER GALAXIE BEFINDET SICH EIN GEWALTIGES SCHWARZES LOCH

Das supermassereiche Schwarze Loch namens Sagittarius A* hat vermutlich die Masse von vier Millionen Sonnen. Wir können dieses Objekt nie direkt sehen, da es sich hinter dichten Wolken aus Staub und Gas verbirgt. Aber Astronomen konnten die Umlaufbahnen von Sternen und Gaswolken in der Nähe des galaktischen Zentrums verfolgen und so auf die Masse des kosmischen Schwergewichts schließen, das sich dort befindet. Man vermutet, dass sich im Zentrum der meisten Galaxien supermassereiche Schwarze Löcher befinden. Manche von ihnen verschlingen die Materie in ihrem Umfeld so gierig, dass sie intensive Strahlungsströme ausstoßen, die noch in vier Millionen Lichtjahren Entfernung sichtbar sind.

In diesem animierten Video kann man sich die Abläufe im galaktischen Zentrum der Milchstraße in einer 360°-Sicht ansehen.

 

DIE MILCHSTRASSE WIRD NICHT EWIG EXISTIEREN

In etwa vier Milliarden Jahren wird die Milchstraße mit ihrem nächsten Nachbarn zusammenstoßen, der Andromedagalaxie. Die beiden Spiralgalaxien rasen derzeit mit ungefähr 400.000 km/h aufeinander zu. Wenn sie schließlich aufeinanderprallen, wird das nicht so katastrophal, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Erde wird wahrscheinlich überleben und nur sehr wenige Sterne werden zerstört. Stattdessen wird die neu entstandene Megagalaxie einen spektakulären Nachthimmel mit einer Mischung aus neuen und altbekannten Sternen und Nebeln bieten. (Lesenswert: Die Milchstraße - süchtig nach neuen Sternen)

UNSERE SONNE IST EIN STERN UNTER MEHREREN HUNDERT MILLIARDEN

Es gibt einhundert Milliarden Sterne in der Milchstraße. Oder sind es dreihundert Milliarden? Vierhundert Milliarden? Tatsächlich wissen wir nicht, wie viele Sterne es in unserer Galaxie gibt. Viele von ihnen sind eher dunkle Sterne von geringer Masse, sie sich über große kosmische Entfernungen nicht so leicht entdecken lassen. Zudem verdecken gewaltige Gas- und Staubwolken die Sicht auf die Sterne, die Sagittarius A* am nächsten liegen. Astronomen schätzen die Gesamtzahl der Sterne basierend auf der Masse und Helligkeit der Milchstraße auf 250 Milliarden ± 150 Milliarden.

WIR SIND VON EINEM DUNKLEN HALO UMGEBEN.

Die Milchstraße wird von einem hypothetischen Gebilde aus Dunkler Materie umgeben und durchdrungen, das mehr Masse besitzt als die Galaxie selbst. In den späten 1960ern schloss die Astronomin Vera Rubin auf das Vorhandensein sogenannter Dunkler-Materie-Halos um Galaxien: Sie beobachtete, dass Sterne am äußeren Rand der Andromedagalaxie sich mit solcher Geschwindigkeit um das Zentrum drehten, das sie ins All geschleudert werden sollten. Dennoch blieben sie am Rande der Galaxie, was bedeutete, dass irgendeine Art kosmischer „Kleber“ sie dort festhielt. Derzeit geht man davon aus, dass es sich bei diesem Kleber um Dunkle Materie handelt. 

SEHENSWERT: DIE MILCHSTRASSE – SÜCHTIG NACH NEUEN STERNEN

WIR WANDERN ZUSAMMEN MIT URALTEN STERNEN

Die Milchstraße wird von über 150 Gruppen uralter Sterne umgeben, von denen einige zu den ältesten im Universum gehören. Diese Kugelsternhaufen befinden sich ebenfalls im Halo der Milchstraße und sind in der Anziehungskraft ihres galaktischen Zentrums gefangen. In jedem Haufen befinden sich Hunderttausende von Sternen. Außerdem befinden sich auch Dutzende Satellitengalaxien im Umkreis der Milchstraße. Die meisten davon sind schwer zu entdecken, aber die Kleine und die Große Magellansche Wolke glitzern am südlichen Nachthimmel. (Lesenswert: Neue Bilder der Milchstraße)

DIE GALAXIE IST EINE INSEL IN EINEM FLUSS AUS STERNEN

Die Milchstraße verschlingt Galaxien, die ihr zu nahe kommen. Im Laufe der Jahre haben Wissenschaftler an den Ausläufern der Galaxie etwa zwei Dutzend schwache Sternbänder entdeckt, die Überreste früherer Galaxien darstellen. Diese geisterhaften stellaren Flüsse entstehen, wenn die Gravitation der Milchstraße kleinere Galaxien auseinanderreißt und nur diese funkelnden Strähnen übrigbleiben. Beim AAS-Treffen verkündete das Dark Energy Survey Team, dass es elf weitere solche Bänder entdeckt hat, von denen einige Namen in der Sprache der Aborigines erhielten.

DAS GALAKTISCHE ZENTRUM STÖSST HEISSE LUFT AUS

Die Milchstraße stößt gewaltige Blasen heißer Luft und energiegeladener Teilchen aus. Diese sogenannten Fermi-Blasen, die sich weit ober- und unterhalb der Galaxieebene erstrecken, kommen direkt aus dem Zentrum und werden von Winden gespeist, die auf eine Geschwindigkeit von 3,2 Millionen km/h kommen. Sie wurden erst 2010 entdeckt und ihre genaue Entstehungsweise ist derzeit noch nicht vollumfänglich erforscht. Wissenschaftler vermuten allerdings, dass die mit den zahlreichen Sternen in Zusammenhang stehen könnten, die im Umkreis von Sagittarius A* zerstört werden und entstehen.

GASWOLKEN VERLASSEN DAS SONNENSYSTEM

Mit dem Green Bank Telescope wurde vor Kurzem beobachtet, wie mehr als hundert Wasserstoffwolken mit 1,2 Millionen km/h von Zentrum der Milchstraße her Richtung Galaxierand rasen. Den Wissenschaftlern zufolge, die diesen Schwarm untersuchen, können die Wolken als eine Art Leuchtspur für die Prozesse dienen, die auch die gewaltigen Fermi-Blasen erzeugen.

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