Wissenschaft

Was stand in der allerersten Ausgabe des National Geographic Magazins?

Vor 130 Jahren wurde die erste Ausgabe des Magazins veröffentlicht – und die las sich noch sehr anders als die heutigen Hefte.Friday, January 12

Von Kristin Romey
Die erste Ausgabe des National Geographic Magazins erschien 1888, enthielt keinerlei Bilder und kostete 50 Cent.

Vor 130 Jahren veröffentlichte die National Geographic Society die allererste Ausgabe ihres Magazins – nur acht Monate nach der Gründung der Gesellschaft mit dem Auftrag, „geografisches Wissen zu mehren und zu verbreiten“.

Die Ausgabe Nummer eins, die in New Haven in Connecticut gedruckt wurde und damals 50 Cent kostete, war eine biedere Angelegenheit. Der kastanienbraune Papierumschlag hatte noch nicht den charakteristischen gelben Rand (der kam erst 1910) und auf den 98 Seiten gab es nicht ein einziges Foto (damit fing man erst 1905 an).

Die sechs Artikel in dieser Ausgabe waren eigentlich Abhandlungen, die zwischen Februar und Mai 1888 bei den zweiwöchigen Treffen der Gesellschaft vorgestellt worden waren. Anfangs traf man sich in der Columbia Universität in New York, später dann im Cosmos Club in Washington, D.C.

“McGees erster Artikel für das Magazin war eine akademische Abhandlung darüber, wie man geografische Phänomene einordnet, die er anscheinend mit großer Freude lang und breit aufzählte.”

Wie bei jeder neuen Magazinveröffentlichung einer Mitgliederorganisation wurde der Inhalt größtenteils „hausintern“ geschrieben. Die Artikel für die erste Ausgabe steuerten fünf der 33 Gründungsmitglieder der Gesellschaft bei (unter denen sich auch drei aktuelle oder zukünftige Präsidenten der Gesellschaft befanden). Obwohl der Ton durchweg sehr akademisch war, vermittelten die Artikel dennoch den Enthusiasmus für Wissenschaft und Exploration, den das Magazin auch noch 130 Jahre später zelebriert.

Das sind die Highlights aus der ersten Ausgabe des National Geographic Magazins.

SEITE 3 „EINLEITENDE ANREDE“

Der erste Präsident der National Geographic Society, Gardiner G. Hubbard“, gesteht ein, dass er „kein sehr wissenschaftlicher Mann“ ist. „Ich hege nur das gleiche allgemeine Interesse an dem Thema der Geografie, das jeder gebildete Mann verspüren sollte“, fügt er hinzu.

SEITE 11: „GEOGRAFISCHE METHODEN DER GEOLOGISCHEN ERFORSCHUNG“, VON W. M. DAVID.

William Morris Davis, der als der Vater der amerikanischen Geografie gilt, stellte eine einflussreiche Theorie über den Erosionskreislauf vor („junge“ und „alte“ Landschaften), die er in der ersten Ausgabe umfangreich erklärt.

Davis nimmt sich auch die Zeit, den Mangel an geografischen Kenntnissen in der breiten Öffentlichkeit zu beklagen. „Es dauert einen, über die Gelegenheit des geistigen Vergnügens nachzudenken, die Aufgrund des Versäumnisses der Bildung in dieser Hinsicht verloren geht.“

SEITE 27: „DIE KLASSIFIKATION GEOGRAFISCHER FORMEN NACH IHREM URSPRUNG“, VON W. J. MCGEE.

Der künftige Präsident der Gesellschaft (1904 – 1905) John McGee arbeitete für den Geologischen Dienst der USA als Geologe und als Chefethnologie für das Bureau of American Ethnology.

McGees erster Artikel für das Magazin war eine akademische Abhandlung darüber, wie man geografische Phänomene einordnet, die er anscheinend mit großer Freude lang und breit aufzählte: „Vulkane, Krater, Calderas, Lavafelder, Tufffelder, Kalktuffwände, Tafelberge“ und „Moränen, Drumlins, Gebirgskämme, Rundhöcker, Felsbecken, Kessel, lakustrischen Ebenen“ und so weiter.

SEITE 37: „DER GROSSE SCHNEESTURM VOM 11. – 14. MÄRZ 1888“

Der Große Schneesturm von 1888 gilt als „der tödlichste, schneereichste und ungewöhnlichste Wintersturm in den amerikanischen Annalen“. In Teilen New Yorks lagen bis zu 1,5 Meter Schnee und 400 Menschen starben.

“Greely hat die drei Jahre währenden Anstrengungen in der Arktis überlebt, darunter zwei fehlgeschlagene Versorgungsversuche, den Tod von zwei Dritteln seiner Crew und den Vorwurf des Kannibalismus.”

Die dreiseitige Zusammenfassung der Ausführungen des Gründungsmitglieds Adolphus Greely charakterisieren den Sturm allerdings als „mitnichten so heftig wie andere, die im Osten der USA auftraten“. Danach listet der Artikel kurz und bündig Berichte darüber auf, wie der Sturm über das Land hinweggezogen ist.

Der Brigadegeneral Greely hatte jedoch schon deutlich Schlimmeres erlebt. Als Anführer der Lady Franklin Bay Expedition von 1881 hatte Greely die drei Jahre währenden Anstrengungen in der Arktis überlebt, darunter zwei fehlgeschlagene Versorgungsversuche, den Tod von zwei Dritteln seiner Crew und den Vorwurf des Kannibalismus.

SEITE 40: „DER GROSSE SCHNEESTURM VOR DER ATLANTIKKÜSTE DER USA, 11. – 14. MÄRZ 1888“, VON EVERETT HAYDEN

Hayden, ein weiteres Gründungsmitglied der National Geographic Society, leitete die Abteilung für Meeresmeteorologie im Hydrografischen Büro der US-Navy. Sein Bericht über den Sturm ist wohl die lebhafteste Erzählung der Ausgabe:

„An Bord zahlreicher Schiffe, von kleinen Fischerschoonern und Lotsendampfern bis zu den großen Transatlantikschiffen, wird ein Kampf auf Leben und Tod mit den Elementen ausgetragen. Der Heldenmut dennoch echt, denn der Kampf wird zur Selbstverteidigung ausgefochten, und er ist dennoch bewundernswert, da er der Katastrophe nicht immer entgehen kann.“

SEITE 59: „DIE VERMESSUNG DER KÜSTE“, VON HERBERT G. OGDEN

Eines der „unbekanntesten“ Gründungsmitglieder, Ogden, arbeitete für die U.S. Coast and Geodetic Survey, den Vorläufer der heutigen National Geodetic Survey. Deren Aufgrabe besteht darin, ein Koordinatensystem zu pflegen, welches das Gebiet der USA definiert.

“Wenn die Geschichte ihr Urteil über unser Volk fällt, wird keine Seite in der Galaxie ehrenvoller sein als jene, die das Genie der amerikanischen Wissenschaft in der Arbeit der Küstenvermessung würdigt.”

HERBERT OGDEN GRÜNDUNGSMITGLIED, NATIONAL GEOGRAPHIC SOCIETY

Ogdens Artikel ist eine Zusammenfassung der Geschichte der Coast and Geodetic Survey, von der er offensichtlich eine extrem hohe Meinung hatte. Am Ende schließt er mit dem Satz: „Wenn die Geschichte ihr Urteil über unser Volk fällt, wird keine Seite in der Galaxie ehrenvoller sein als jene, die das Genie der amerikanischen Wissenschaft in der Arbeit der Küstenvermessung würdigt.“

SEITE 78: „DIE VERMESSUNG UND KARTE VON MASSACHUSETTS“ VON HENRY GANNETT

Das Gründungsmitglied und der künftige Präsident der Gesellschaft (1910 – 1914) Henry Gannett wurde als „Mann der Gutachten“ und als „literarisches Hammerwerk“ bezeichnet, dessen „Schriften es an einer persönlichen Note mangelt“.

Gannett, der als Vater der topografischen Kartierung gilt, steuerte einen Artikel über den Prozess der topografischen Kartierung des Bundesstaates Massachusetts bei, der zweifelsfrei ein Produkt seiner „Gutachten“ ist. Wir erfahren, was in der Kartierung berücksichtigt wurde (Postämter, öffentliche Wasserstraßen), was ausgelassen wurde (Zäune, diverse Anbauflächen), wie die Daten für die Vermessung erfasst wurden (mit verschiedenen Messtischen) und die durchschnittlichen Kosten der Vermessung pro Quadratmeile (13 Dollar).

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