Wissenschaft

Exklusiv: Schillerndes Opal-Fossil offenbart neuen Dinosaurier

In einer australischen Mine wartete ein wahrhaft außergewöhnlicher Fund. Mittwoch, 5 Dezember

Von John Pickrell

Ein schillerndes Fossil aus einer Mine im australischen Wee Warra gehört zu einer kürzlich formal benannten Dinosaurier-Art, die zuvor unbekannt war: Weewarrasaurus pobeni. Das Tier, das etwa die Größe eines Labrador Retrievers hat, lief auf seinen Hinterbeinen und hatte sowohl einen Schnabel als auch Zähne, um seine pflanzliche Kost zu zerkleinern.

Der Weewarrasaurus gehört zur Gruppe der Ornithopoda, die zum Schutz in kleinen Gruppen oder Herden gelebt haben könnten. Das Fossil ist eines von vielen, die immer deutlicher zeigen, dass die pflanzenfressende Fauna der südlichen Hemisphäre sich zur Kreide beträchtlich von den Pflanzenfressern Nordamerikas unterschied, zu denen beispielsweise zahlreiche Verwandte des gehörnten Triceratops und die Hadrosaurier zählten.

Das auffälligste Merkmal des Fossils ist aber vielleicht, dass es in Opal eingeschlossen ist. Der wertvolle Edelstein wird in New South Wales abgebaut.

„Als Paläontologe interessiere ich mich im Grunde für die Anatomie – die Knochen und in diesem Fall die Zähne“, sagt Phil Bell von der University of New England in Armidale, New South Wales. Er ist der Hauptautor der Studie, die in „PeerJ“ erschien.

„Aber wenn man in Lightning Ridge arbeitet, kann man einfach die Tatsache nicht ignorieren, dass einige der Fossilien in spektakulärem Opal erhalten wurden, der in allen Farben des Regenbogens schillert.“

Ein weltweit einzigartiger Ort

Hunderte kleine Minen durchziehen die trockene Landschaft etwa 725 Kilometer nordwestlich von Sydney. Dinosaurierfossilien werden dort aber nur selten gefunden, deshalb grenzt es für Bell an ein Wunder, dass dort ein versteinerter Kieferknochen samt Zähnen gefunden wurde.

„Das ist eine wahrhaft einzigartige Region“, erzählt er. „Es gibt auf der ganzen Welt keinen anderen Ort wie diesen, wo Dinosaurier in solch wunderschönem Opal erhalten sind.“ Das fast 100 Millionen Jahre alte Exemplar wurde aus dem schillernden Mineral herausgehauen, das sich im Laufe von Äonen in Sedimenten mit kieselsäurehaltigen Flüssigkeitseinschlüssen bildete.

Das Fossil wurde 2013 von dem Opalhändler Mike Poben gefunden, nach dem die neue Art benannt wurde. Er hatte einen Sack mit Rohopalen von Bergarbeitern gekauft und ihn, wie gewohnt, nach Fossilien durchsucht. Ein besonders ungewöhnliches Stück erregte dann seine Aufmerksamkeit.

„Eine Stimme in meinem Hinterkopf sagte: Zähne“, erinnert er sich. „Ich dachte: Mein Gott, wenn das hier Zähne sind, dann ist das ein Kieferknochen.“

Poben behielt das Stück für sich und gab die restlichen Opale einem sogenannten Runner mit, dessen Job es ist, Lightning Ridge auf der Suche nach einem Käufer zu durchkämmen. Nach neun Tagen kehrte der Runner erfolglos zurück. Poben nutzte die Gelegenheit, um sich die restlichen Steine nochmals anzusehen.

„Ich habe noch ein weiteres Knochenfragment gefunden, ein kleineres mit Aushöhlungen, und da ging mir dann wirklich ein Licht auf“, sagt er. „Als ich die Fragmente aneinanderreihte, sah ich, dass ich zwei Teile desselben Kieferknochens hatte.“

Der Paläontologe, der den Dinosaurier später formal beschrieb, erzählt, dass ihm sein eigener Unterkiefer herunterklappte, als er das wertvolle Fossil mit den markanten Zähnen 2014 zum ersten Mal sah. Poben spendete den Fund schließlich an das Australian Opal Centre, ein Museum in Lightning Ridge, welches die weltweit größte Sammlung von Opal-Fossilien beherbergt.

Die Dinosaurier des südlichen Superkontinents

Der Weewarrasaurus ist nur einer der zahlreichen neu entdeckten Dinosaurier aus dem östlichen Teil des südlichen Superkontinents Gondwana. Bisher gibt es weniger als 20 offiziell beschriebene und benannte australische Dinosaurier, aber W. pobeni ist schon die vierte Art, die seit 2015 beschrieben wurde. Bei den anderen drei handelt es sich um den Savannasaurus, einen Ankylosaurier namens Kunbarrasaurus und einen weiteren kleinen Ornithopoden, Diluvicursor.

Was heutzutage eine trockene, staubige Umgebung mit vereinzelten Sträuchern ist, könnte zu Zeiten des Weewarrasaurus deutlich anders ausgesehen haben. Während der mittleren Kreide war Lightning Ridge eine üppige Landschaft mit Seen und Flüssen am Rande des prähistorischen Eromanga-Meers.

Damals befand sich die Region auf dem 60. südlichen Breitengrad und war damit deutlich näher am Südlichen Polarkreis. Tatsächlich wäre Lightning Ridge damals ungefähr so nah am Südpol gewesen wie Helsinki heutzutage am Nordpol. Das Klima war gemäßigt und die Temperaturen fielen nur selten unter 4,5 °C. Allerdings gab es lange, dunkle Winter, in denen die Sonne teils nur für kurze Zeit über dem Horizont hervorlugte.

„Die Fossilien aus der Region helfen dabei, ein Licht auf die Fauna des östlichen Gondwana zu werfen“, das damals, vor 96 bis 100 Millionen Jahren, etwa ein Fünftel der weltweiten Landmasse ausmachte, sagt der Paläontologe Ralph Molnar vom Museum of Northern Arizona in Flagstaff.

Wenn es um die Kreidezeit geht, denken die Leute oft an Dinosaurier, die damals im Westen Nordamerikas lebten. Aber „diese Tyrannosaurus-Ceratops-Hadrosaurier-Fauna“ schien eher für Nordamerika und Asien charakteristisch zu sein, erklärt Molnar, der früher am Queensland Museum gearbeitet hat. Dort war er 1981 an der Entdeckung des Muttaburrasaurus beteiligt, dem berühmtesten Dinosaurier Australiens.

Im Gegensatz dazu setzte sich die Dinosaurierfauna der südlichen Hemisphäre ganz anders zusammen. Auch die Unterschiede zwischen Südamerika (das westliche Gondwana) und Australien werden langsam immer deutlicher, wie er sagt.

„Ein konkreter Unterschied zu Südamerika ist die Vielfalt an kleinen Ornithopoden in Australien.“

Eine Fülle an Ornithopoden

Bruchstücke von Fossilien zeigen, dass es rund um Lightning Ridge bis zu drei Arten kleiner Ornithopoden gab, wie Bells Team in der Studie erläutert. Vier weitere Arten sind aus dem Bundesstaat Victoria bekannt.

In Nordamerika lebten die kleinen Ornithopoden neben den größeren, gehörnten Ceratopsia und den Hadrosauriern, die „auf der obersten Stufe der evolutionären Leiter stehen, was den Verzehr der Vegetation angeht“, so Bell. Kleine Ornithopoden wie der Thescelosaurus hatten es daher womöglich schwer, Fuß zu fassen, und spielten für die nordamerikanischen Ökosysteme nie eine tragende Rolle. Aber der Triceratops, seine Verwandten und die Hadrosaurier breiteten sich nie bis auf das Gebiet des heutigen Australien aus.

„Da konnten die kleinen Ornithopoden sich demnach frei bewegen, so viele Pflanzen fressen, wie sie wollten, und sich zu vielen verschiedenen Arten entwickeln“, postuliert Bell.

„Die neuen Entdeckungen können uns dabei helfen, die Beziehungen, eventuellen Wanderungen und Verwandtschaftsverhältnisse der kleinen, zweibeinigen, pflanzenfressenden Saurier Südamerikas, der Antarktis und Australiens während der Kreide zu verstehen“, sagt Penélope Cruzado-Caballero. Die Expertin für pflanzenfressende Dinosaurier arbeitet an der National University of Río Negro in Argentinien.

Unsere heutigen Kontinente, die einst Gondwana bildeten, hatten damals schon begonnen auseinanderzudriften. Der Umstand, dass ihr Team Fossilien miteinander verwandter Ornithopoden in der Antarktis und Argentinien gefunden hat, „sagt uns, dass es dort während der Kreide Landbrücken gegeben haben muss, die diese beiden Kontinente mindestens zeitweise miteinander verbunden haben“, sagt sie. „Wanderten die südamerikanischen Tiere über die Antarktis bis nach Australien und läuteten dort den Aufstieg der australischen Ornithopoden ein? Oder war es andersherum?“

Neue Fossilien könnten dabei helfen, diese Wissenslücken zu schließen. Bell und sein Team arbeiten aktuell an einer Reihe anderer Opal-Fossilien, die in den kommenden Jahren wahrscheinlich als neue Arten beschrieben werden.

 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.