Auf Crashkurs im All: SpaceX-Raketenteil wird mit dem Mond kollidieren

Elon Musk ist mit seinem Unternehmen SpaceX aktuell auf ungewolltem Kurs zum Mond: Eine Raketenstufe, die 2015 half, einen Wettersatelliten ins All zu bringen, soll Anfang März als Weltraumschrott dort aufschlagen.

Nach erfolgreicher Mission werden die Bestandteile einer Rakete, die Treibstoff und Triebwerke enthalten, abgeworfen. Ein solcher Bestandteil der Falcon-9-Rakete fliegt aktuell unkontrolliert durchs All. (Symbolbild)

Foto von AdobeStock
Veröffentlicht am 27. Jan. 2022, 14:28 MEZ

Raketen helfen beim Transport von Menschen oder Satelliten ins Weltall, ihre Mission ist meist schnell erfüllt. Die Bestandteile der Rakete, die nur zum Antrieb dienen – sogenannte Raketenstufen – kehren dann zurück zur Erde und verglühen in der Erdatmosphäre. Doch nicht in diesem Fall: Die zweite Raketenstufe der Falcon-9-Rakete von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX treibt seit über sechs Jahren unkontrolliert durchs All – und wird bald mit dem Mond kollidieren.

Entdeckt wurde der bevorstehende Einschlag von Bill Gray, dem Entwickler der Guide astronomy software, die von Amateur- und Profi-Astronomen auf der ganzen Welt genutzt wird. Mit ihr werden erdnahe Objekte im All verfolgt und deren Umlaufbahnen berechnet. Die Raketenstufe der SpaceX-Rakete wird laut Grays Berechnungen am 4. März gegen 13:26 MEZ auf den Mond treffen.

Weltraumschrott auf Irrfahrt

Nach der SpaceX-Mission 2015, mit der ein Wettersatellit ins Weltall gebracht wurde, hatte die Raketenstufe nicht mehr genug Energie, um zur Erdatmosphäre zu gelangen. Ihre Umlaufbahn durchs All ist seither unregelmäßig und von wiederholten, plötzlichen Änderungen gekennzeichnet. Seit Gray seine Daten veröffentlicht hat, ist aber klar: Die Kollision mit dem Mond wird geschehen.

Gray betont allerdings, dass es wichtig sei, die Raketenstufe noch weiter zu beobachten. Laut seiner Software soll die Rakete am siebten und achten Februar auf seiner Umlaufbahn noch einmal nah an der Erde vorbeifliegen und schließlich nach einem größeren Bogen als auf seiner bisherigen Umlaufbahn auf den Mond treffen. Perfekt könne man die Umlaufbahn bei Weltraumschrott aber nie voraussagen. Beispielsweise kann sich Sonnenlicht auf die Objekte immer etwas anders auswirken als gedacht. „Wenn es Gestein wäre, wäre ich zu 100 Prozent sicher“, so Gray.

Weltraumschrott gibt es im Orbit mittlerweile schon jede Menge: 9.800 Tonnen an alten Satelliten, ausgebrannten Raketenstufen und anderem von Menschen gemachtem Müll fliegt schwerelos dahin. Dabei bewegen sich die Teile meist sehr schnell und sind somit eine Gefahr. Zum Beispiel für die Internationale Raumstation ISS, die regelmäßig Ausweichmanöver fliegen muss, weil ihr solche Trümmer gefährlich nahe kommen.

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Ungeplanter Einschlag

Laut Gray wäre die Kollision von Musks Raketenstufe der erste ungeplante Einschlag von Weltraumschrott auf dem Mond. Geplante Einschläge auf dem Mond hat die NASA allerdings bereits 2009 verursacht. Die Raumsonde Lunar CRater Observation and Sensing Satellite (LCROSS) schlug am 9. Oktober 2009 an zwei Stellen auf der Oberfläche des Mondes auf – zuerst die Raketenstufe und dann die Sonde selber. 

Die NASA-Mission sollte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Mondoberfläche liefern. Gray erhofft sich einen ähnlichen Nutzen vom Einschlag der SpaceX-Raketenstufe. „Ich drücke in jedem Fall die Daumen für einen Einschlag auf dem Mond“, schreibt er. Jetzt hofft er noch auf einen Einschlag, der von der Erde aus beobachtet werden kann. „Dafür müssten wir aber wirklich viel Glück haben“.

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