Warum hatte der T.rex so kurze Arme?

Er ist der wohl bekannteste Raubsaurier der späten Kreidezeit. Dennoch wird bis heute über seine kurzen Arme gerätselt. Jetzt hat ein Wissenschaftler eine neue mögliche Erklärung gefunden.

Veröffentlicht am 5. Apr. 2022, 09:52 MESZ
Skelett eines T.rex in einer Ausstellung des Royal Ontario Museums.

Trotz seiner kurzen Arme sieht man dem T.rex an, dass er zu seiner Zeit einer der Top-Prädatoren war. Doch warum haben sich die vorderen Extremitäten des Dinosauriers so extrem zurückgebildet?

Foto von Narciso Arellano / Unsplash

Er durchstreifte die Erde etwa 2,5 Millionen Jahre lang – vor rund 66 bis 68 Millionen Jahren – und ist bis heute einer der wohl berühmtesten Dinosaurier: Der Tyrannosaurus Rex. Trotz seines Rufs als furchteinflößender Top-Prädator erntet der T.rex heutzutage oft auch Spott – wegen seiner kurzen Arme. Paläontologen fragen sich schon lange: Wieso waren die Arme des T.rex so kurz? Und wozu waren sie gut?

Theorien gibt es viele. So wurde bereits gemutmaßt, dass der Dinosaurier sich mit den kurzen Ärmchen beim Sex besonders gut an der Partnerin festhalten konnte oder dass die Arme dazu dienten, Beute fester greifen zu können. Heute ist aber klar: Die Arme waren zu kurz, um andere Dinosaurier oder Beutetiere überhaupt zu erreichen. Nicht mal bis zu ihrem eigenen Mund konnten die Prädatoren ihre Arme strecken.

Um der Lösung des Rätsels endlich näher zu kommen, hat sich Kevin Padian von der University of California in Berkeley die kurzen Armen des T.rex noch einmal ganz genau vorgenommen und die vielschichtigen Informationen, die es zu dem Prädator gibt, analysiert. Dabei entwickelte er einen ganz neuen Ansatz: Die Arme des T.rex haben sich zum eigenen Schutz zurückgebildet – weil ihre Artgenossen diese sonst versehentlich abgebissen hätten.

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Kurze Arme als Lebensversicherung 

Tyrannosaurus Rex ist nicht der einzige Dinosaurier mit kurzen Armen. Die Gattung der Tyrannosaurier gehört zu der Gruppe der Theropoden, zu der auch Megalosaurus oder Velociraptor gehören. Ihnen allen gemein ist der zweibeinige, aufrechte Gang – und die kurzen, aber muskulösen Arme. Außerdem sind die meisten von ihnen Fleischfresser. 

In seiner Abhandlung entfernt sich Padian direkt eingangs von vorherigen Ansätzen, die nach dem Sinn der kurzen Arme fragten: „Wir stellen die These auf, dass die Arme großer Tyrannosaurieden nicht aus einem Grund verkürzt waren, der in einem funktionellen Zusammenhang mit den Armen selbst stand“, schreibt er. Ihm zufolge bildeten sich die Arme vielmehr zurück, weil sie im Weg waren: „Sie stellten eine Gefahr für das Überleben von Individuen dar, die groß genug waren, um sich gemeinsam von einem Kadaver zu ernähren.“

Grund dafür sei der besonders stark ausgebildete Kiefer und der massige Schädel des Raubsauriers. „Diese Merkmale boten ihm alle notwendigen Mechanismen, die ein Prädator braucht“, so Padian. Sobald es dann zu einem Szenario kam, bei dem mehrere Tiere zusammen eine Beute rissen, könnten ihnen dann aber genau jene zum Verhängnis geworden sein: „Während des gemeinsamen Fressens konnten die Arme abgebissen, amputiert und verletzt werden, was zu Schwäche, Krankheit und manchmal zum Tod führte.” Die Arme waren also ganz einfach im Weg.

Reduktion mit Sinn

Laut Padian gibt es bereits Hypothesen, die vermuten, dass die Arme des Tyrannosaurus so kurz waren, weil er sie schlichtweg nicht benutzte. Doch diese würden mit seiner These, dass längere Arme die Tiere in Gefahr brachten, nicht in Konflikt geraten. „Außerdem erklärt Nichtgebrauch allein eine Reduktion nicht“, schreibt er.
 

Doch auch Padian weiß: Es braucht noch mehr Studien, bis sein Ansatz bewiesen werden kann. Er betont deshalb vor allem, dass es wichtig sei, die Frage nach den Armen auch von diesem neuen Blickwinkel – der nicht nur darauf schaut, welche Funktion die Arme gehabt haben könnten – beleuchtet würde.

„Die Arme großer Tyrannosauriden wurden aus einem bestimmten selektiven Grund auf im Wesentlichen funktionslose Strukturen reduziert“, schreibt er. „Dabei ist es möglich, dass wir durch das falsche Ende des Teleskops geschaut haben.“ 

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