NASA liefert erstes Bild aus einem dunklen Mondkrater

Das hochauflösende Kamerasystem ShadowCam macht die unerforschten dunklen Gebiete des Mondes erstmals sichtbar. Seine erste Aufnahme zeigt das permanent im Schatten verborgene Innere des Mondkraters Shackleton.

Erstmals konnte die dauerhaft in Schatten gehüllte Bodenregion des Shackleton-Kraters abgebildet werden. 

Foto von NASA/KARI/Arizona State University
Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 20. Jan. 2023, 15:03 MEZ

Die Band Pink Floyd benannte einst ein ganzes Album nach ihr: Die mysteriöse ‚dunkle Seite des Mondes‘ hat schon so manchen Künstler inspiriert. In Wahrheit besitzt der Erdtrabant allerdings gar keine unbekannte dunkle Rückseite – dafür aber in permanenter Dunkelheit liegende, bislang weitestgehend unerforschte Regionen an den Polen. 

Genau diese Gebiete sind für die Wissenschaft von besonderem Interesse, weiß man bisher doch nichts über ihre Beschaffenheit oder mögliche Eisvorkommen. Kameraaufnahmen konnten die Regionen in der Vergangenheit aufgrund des fehlenden Lichts nicht abbilden. Das wird sich nun ändern: Die hypersensible NASA-Kamera ShadowCam am südkoreanischen Mondorbiter Danuri soll die Böden der dunklen polnahen Mondkrater in Zukunft ablichten. Ihr erstes Bild stammt aus dem bislang unbekannten Inneren des Kraters Shackleton am Südpol des Mondes. 

Erstes Bild aus den schattigen Tiefen des Shackleton-Kraters

Die ShadowCam ist der 200-mal sensitivere Nachfolger des hochauflösenden Kamerasystems LROC, das an der NASA-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter befestigt ist und aus drei Kameras besteht. LROC hat in den letzten Jahren fast den gesamten Mond auf den Meter genau erfasst – mit Ausnahme der permanent in Dunkelheit gehüllten Regionen. Am Shackleton-Krater konnte das ältere Kamerasystem beispielsweise nur den gut beleuchteten Kraterrand abbilden. 

Der Randbereich des Shackleton-Kraters, aufgenommen mit der LROC. Das Kraterinnere, die dunkle Zone links im Bild, konnte damals noch nicht sichtbar gemacht werden.

Foto von NASA/GSFC/Arizona State University

Ins vier Kilometer tiefe Kraterinnere, in das aufgrund der geringen Neigung der Drehachse des Mondes von 1,5 Grad nie Sonnenlicht gelangt, blickt nun zum ersten Mal die ShadowCam. Ihr Ziel ist es, potenzielle Eisvorkommen auf dem Mond ausfindig zu machen, saisonale Veränderungen der dunklen Regionen zu beobachten und ihr Terrain zu erkunden. Vor allem der Südpol des Mondes mit seinen extrem kalten, schattigen Kratern liegt dabei im Fokus. 

Auf der ShadowCam-Aufnahme sieht man die hügelige Bodenregion des Kraters sowie eine Spur von einem Felsen (markiert mit dem Pfeil). 

Foto von NASA/KARI/Arizona State University

Die erste Aufnahme der ShadowCam umfasst einen 2.400 Meter breiten Ausschnitt des Shackleton-Kraters. Darauf erstmals zu sehen: das untere Ende der Shackleton-Steilwand und der Kraterboden. Der Geologe Mark Robinson von der Arizona State University erklärt, dass die Spur am oberen Bildrand von einem Felsen herrührt, dessen Durchmesser circa fünf Meter beträgt. Er sei vermutlich mehrere hundert Meter die steile Kraterwand heruntergerollt. Auf den ersten Blick sei den Forschenden jedoch kein Unterschied zu beleuchteten Kratern aufgefallen. 

Informationen für zukünftige Mondmissionen

Die Forschungsteams hoffen, mithilfe der ShadowCam in Zukunft potenzielle Landeplätze für die Artemis-Missionen auskundschaften zu können. Dazu soll sie Informationen über die Geländebeschaffenheit und die Lichtverhältnisse bestimmter Regionen sammeln. Zusätzlich soll sie das Ressourcenvorkommen in den dunklen Mondregionen dokumentieren, das für Langzeitaufenthalte auf dem Erdtrabanten nützlich werden könnte. Darüber hinaus könnten die Daten der Kamera Forschende künftig dabei unterstützen, die Entwicklung des Mondes und unseres Sonnensystems besser nachvollziehen zu können.  

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