Neue Studie: Diese Medikamente helfen am besten gegen Migräne

Jeden Tag kommt es in Deutschland zu schätzungsweise 350.000 Migräneattacken; Betroffene sind oft hilflos. Wer am meisten leidet, warum die Behandlung der Migräne so schwierig ist und welche Medikamente dennoch helfen können.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 8. Dez. 2023, 16:21 MEZ
Frau sitzt im Bett und hält sich ihren Kopf.

Migräneanfälle können den Alltag Betroffener erheblich beeinflussen. Manche Patient*innen leiden bis zu 15 Tage im Monat an den Attacken.

Foto von pitipat / Adobe Stock

Fast jeder zweite Mensch in Deutschland hat zumindest hin und wieder Kopfschmerzen. Etwa 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer trifft es besonders schlimm: Sie leiden an Migräne. Die Krankheit wird charakterisiert durch dumpfe, drückende und pochende Kopfschmerzattacken, die mehrere Stunden oder gar mehrere Tage anhalten können. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind für die Migräne außerdem gleich mehrere Begleitsymptome typisch: Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchsüberempfindlichkeit. 

Bisher kann man Migräne nicht heilen, sondern nur die Symptome lindern. Doch welche Mittel eignen sich am besten dafür?

Welche Medikamente helfen gegen Migräne?

Das hat ein Forschungsteam der American Academy of Neurology nun erforscht. Im Rahmen ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Neurology erschien, untersuchten sie mehrere bekannte Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol sowie sogenannte Triptane – spezielle gefäßverengende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkstoffe – auf ihre Wirksamkeit bei Migräneattacken. Dazu nutzten sie Daten, die 300.000 betroffene Menschen über einen Zeitraum von sechs Jahren in einer App hinterlegten. Die Menschen gaben dabei jede Migräneattacke an, die sie in dieser Zeit hatten, inklusive ihrer Dauer, Intensität und Behandlungsversuche.

Die Suche nach der richtigen Medikation ist für Migränepatient*innen teilweise eine Odyssee. Viele Medikamente helfen nur bedingt oder gar nicht.

Foto von Yuliia / Adobe Stock

Dabei stellte sich heraus: Gleich mehrere Medikamente sind wirksamer als das beliebte Ibuprofen. Dazu gehören die Triptane, die ganze 5,4-mal wirksamer sind, sogenannte Ergoline, die dreimal effektiver sind, und Antiemetika, die gegen Übelkeit und Brechreiz eingesetzt werden. Diese sind bei Migräneattacken laut Studie 2,5-mal wirksamer als Ibuprofen. Außerdem ist eine Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Koffein gleich 69 Prozent wirksamer als Ibuprofen. Letzteres war nur in 42 Prozent der Fälle, in denen es angewendet wurde, hilfreich.

„Wir hoffen, dass diese Studie Menschen, deren akute Migräne-Medikamente nicht wirken, zeigt, dass es viele Alternativen gibt, die bei Migräne funktionieren. Und wir ermutigen die Menschen, mit ihren Ärzten darüber zu sprechen, wie sie diese schmerzhafte und schwächende Krankheit behandeln können“, sagt Chia-Chun Chiang, Neurologin mit Spezialisierung auf Kopfschmerz und Hauptautorin der Studie. 

Was ist die Ursache von Migräne?

Obwohl die Fallzahlen der chronischen Migräne steigen, ist die Migräne selbst keine neue Erkrankung. Bereits 3.000 v. Chr. finden sich in mesopotamischen Texten mögliche Hinweise auf Migräneanfälle. Darin wird von einer „Augen- und Kopfkrankheit“ berichtet. Seither gab es unzählige Theorien zur Entstehung und Behandlung von Migräneattacken – bis heute sind nicht alle Ursachen und Mechanismen der komplexen Krankheit geklärt.

Klar ist aber mittlerweile, dass es sich bei der Migräne um eine Erkrankung des Gehirns handelt, für die es höchstwahrscheinlich eine genetische Veranlagung gibt. „Dies bedeutet, dass das Gehirn des betroffenen Migränepatienten auf bestimmte Auslösefaktoren oder Überlastungen mit einer Migräneattacke reagieren kann“, schreibt die DMKG in einem Blogbeitrag. Kommt es dann zu einem Anfall, läuft dieser meist so ab: Durch verschiedene Auslöser kommt es zu einer Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren und zur Ausschüttung von schmerzvermittelnden Botenstoffen. Diese Botenstoffe, auch Neurotransmitter genannt, führen dazu, dass es „an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu einer sterilen Entzündungsreaktion kommt“, heißt es in einem Beitrag der DMKG. 

Die Auslöser eines solchen Anfalls sind vielfältig und ebenfalls noch nicht vollständig erforscht. Beispielsweise können Stress, falsche Ernährung, Alkohol, Hormone, bestimmte allergene Stoffe und viele weitere Faktoren Migräneattacken auslösen – das hängt aber ganz individuell von der betroffenen Person ab. Das DKMG rät deshalb, neben der Medikation auszuprobieren, ob Physiotherapeuten, stressmindernde Maßnahmen oder eine Ernährungsumstellung helfen können.

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