Faszinierende Vintage-Karten aus 130 Jahren National Geographic

Mehr als 6.000 Karten aus der Geschichte des Magazins wurden digitalisiert und erstmals in einer eigenen Sammlung organisiert. Montag, 6. Januar 2020

Von Anfang an war die Kartografie ein wichtiger Bestandteil von National Geographic. Im Laufe der 130-jährigen Geschichte des Magazins erwiesen sich Karten als integraler Bestandteiler seiner Mission. Zum ersten Mal hat National Geographic nun ein digitales Archiv seiner gesamten Kartografiesammlung erstellt – jede Karte, die seit der ersten Ausgabe des Magazins im Oktober 1888 erschien, ist darin zu finden.

Insgesamt umfasst die Sammlung mehr als 6.000 Karten – Tendenz steigend. Ein paar der Highlights haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.

Galerie: Faszinierende Vintage-Karten aus 130 Jahren National Geographic

„Es ist inspirierend“, sagt Martin Gamache, der Kartografiedirektor von National Geographic. „Da steckt massenhaft Zeug drin, das mir ins Auge fiel, weil es so innovativ und spannend ist.“

Die obige Galerie zeigt einige dieser Funde, darunter die erste Farbaufnahme der USA aus dem Weltall und eine clevere Umgehung von Moskaus Verbot von Luftaufnahmen.

130 Jahre National Geographic

Die allererste Karte, die im Jahr 1888 von National Geographic veröffentlicht wurde, zeigt einen der stärksten Blizzards, der die USA je getroffen hat (unten). Er wurde als Great White Hurricane bekannt und brachte binnen drei Tagen das Leben an der Atlantikküste zum Erliegen, von der Chesapeake Bay bis hoch nach Kanada. Mancherorts fielen anderthalb Meter Schnee, der vom Wind teilweise zu mehr als 15 Meter hohen Schneewehen aufgetürmt wurde. Auf vier Karten dokumentierte National Geographic die Temperatur, den Luftdruck und die Windmuster an aufeinanderfolgenden Tagen, als der Sturm in der Küstenregion wütete.

Die Karten ergänzen eine Beschreibung der Wetterbedingungen, aus denen sich der Sturm speiste. Sie stammt aus der Feder von Edward Everett Hayden, einem Meteorologen und Gründungsmitglied der National Geographic Society. Zu Haydens Artikel gehört auch ein fesselnder Bericht vom Kampf eines Schiffes gegen den Blizzard. „Kurz vor Mitternacht schlug die stürmische See auf dem Schiff ein und warf es auf die Seite“, schrieb er. „Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde leerwärts geräumt, und das Wasser rauschte die vordere Luke herab. Aber sie richtete sich wieder auf und der Kampf ging weiter.“

Es war der Beginn einer langen Tradition des National Geographic-Magazins, Geschichten mit Karten zu ergänzen. Die Sturmkarten wurden wahrscheinlich vom U.S. Navy Hydrographic Office erstellt. Das Magazin arbeitete auch in den folgenden Jahren weiter mit externen Kartografen, bis es 1915 seine eigene Abteilung für diesen Zweck eröffnete. Im nachfolgenden Jahrhundert fertigte die National Geographic-Kartografieabteilung tausende Karten für die Magazinausgaben und hunderte Karten im Posterformat an.

Das Ziel des Kartografieteams ist es laut Gamache, die Vorstellungskraft der Leser zu fesseln, indem ein Gefühl für einen bestimmten Ort geschaffen wird. Der Leser soll sich vorstellen können, wie ein Ort aussehen und sich anfühlen könnte. „Ich glaube, wenn wir damit Erfolg haben, dann bewegt das in den Leuten etwas“, erzählt er.

Es hat Monate gedauert, bis alle Karten aus dem digitalen Katalog extrahiert und in einer eigenen Sammlung organisiert waren. Gamache zufolge wird der so entstandene Schatz den aktuellen National Geographic-Kartografen dabei helfen, das Erbe des Magazins weiterzuführen, während sie fortwährend Neues erproben. „Es ist immer gut, sich anzusehen, was wir in der Vergangenheit zu einem beliebigen Thema gemacht haben“, sagt er. „Das liefert uns neue Ideen.“

Was die Kartografie des National Geographic-Magazins seit jeher definiert, ist die Art und Weise, wie sie in das redaktionelle Konzept eingebunden ist. Jede Karte erzählt ihre ganz eigene Geschichte, ergänzt aber auch die Texte und Fotografien, um dem Artikel eine zusätzliche Dimension zu verleihen, erklärt Gamache.

„Eine Karte kann jemanden auf ganz andere Weise berühren als ein Text oder ein Foto“, sagt er. „Sie sprechen einen anderen Teil unserer Psyche oder unseres Gehirns an.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

Wei­ter­le­sen