Deutschlands älteste Straßen

In Berlin haben Archäologen einen Bohlenweg aus dem Mittelalter ausgegraben. Er ist eine der ältesten Straßen der Hauptstadt – und eine wertvolle Entdeckung auf der Suche nach Deutschlands historischen Wegen.

Dieser Bohlendamm ist eine der ältesten Straßen Berlins: Das Landesdenkmalamt datiert ihn auf das 13. Jahrhundert. Er liegt unter mehreren späteren, ebenfalls mittelalterlichen Straßenschichten.

Foto von Landesdenkmalamt Berlin, Michael Malliaris
Von Nina Piatscheck
Veröffentlicht am 24. Jan. 2022, 13:54 MEZ, Aktualisiert am 25. Jan. 2022, 13:42 MEZ

Er ist rund 800 Jahre alt, aus Holz – und vermutlich Berlins älteste Straße: Wissenschaftler haben vergangene Woche mitten in der Hauptstadt die Überreste eines Bohlenwegs aus dem Mittelalter entdeckt. Nach Angaben der Archäologen des Landesdenkmalamtes Berlin stammt die Straße aus der Gründungszeit der Stadt im 13. Jahrhundert, und ist damit eine der ältesten bekannten Straßen der Hauptstadt.

In circa 2,50 Meter Tiefe unter der Stralauer Straße blieb sie über Hunderte Jahre unentdeckt und vor allem fast unversehrt: Ihr Zustand ist erstaunlich gut. Über den Bohlen fanden die Archäologen noch mehrere andere Straßenschichten, die ebenfalls aus dem Mittelalter stammen.

Der Bohlendamm ist circa 6 Meter breit und wurde aus Eichen-, Kiefer- und Birkenstämmen gebaut. „Die aufwändige hölzerne Befestigung der Straße ermöglichte hier nahe der Spree eine sichere Passage vom Mühlendamm in Richtung Stralauer Tor über den in Flussnähe sehr nassen Untergrund”, heißt es in einer Meldung des Landesdenkmalamtes.

Im vergangenen Jahr ist dieser Bohlenweg in Dortmund entdeckt worden. Er soll zukünftig im Museum ausgestellt werden.

Foto von Stadt Dortmund

Mittelalterlicher Bohlenweg mitten in Dortmund

Es ist ein seltener Fund, aber kein Einzelfall: Bereits 2017 fanden Archäologen in der Kleinstadt Jüterbog in Brandenburg mehrere Bohlenweg aus dem Mittelalter in „exzellentem Erhaltungszustand”, wohl aus dem 12. Jahrhundert. Und erst im April vergangenen Jahres ist in der Dortmunder Innenstadt ein rund 1000 Jahre alter Bohlenweg aus Eichenstämmen offengelegt worden. Die mittelalterliche Straße lag knapp zwei Meter unter der Erde und maß sechs Meter Breite. 

Nach Angaben der Stadt Dortmund wurde das Alter der Holzbohlen mit Hilfe von Radiokohlenstoffdatierung bestimmt. Die verwendeten Bäume seien wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1042 bis 1108 gefällt worden. Der Weg wurde komplett geborgen. Er soll aktuell im Museum für Archäologie Schloss Gottorf in Schleswig aushärten und anschließend rekonstruiert werden. 

Unter der Erde halten sich die alten Straßen aus Holz bei feuchtem Bodenmilieu lange. Erst, wenn Luft an das Material gelangt, wird es schwierig. Nach solchen Freilegungen müssen Archäologen also schnell handeln, um die wertvollen Funde zu erhalten.

Diese Überreste einer römischen Straße aus dem 2. Jh. n. Chr. wurden im Frankfurter Ortsteil Praunheim gefunden. 

Foto von Denkmalamt Stadt Frankfurt

Altes Pflaster in Frankfurt

In Frankfurt am Main konnte man sich unterdessen mehr Zeit lassen. Dort zählt eine römische Straße aus dem 2. Jahrhundert im Stadtteil Praunheim zu den wortwörtlichen Urgesteinen unter den Straßen: Hier fanden Archäologen bereits vor vielen Jahren einen Teil der alten Pflasterung. Aktuell graben Forschende im Frankfurter Ortsteil Heddernheim an einer weiteren römischen Straße, von der der Straßenkörper, aber kein Pflaster erhalten ist.

Als älteste archäologisch nachweisbare Straße Hamburgs gilt unterdessen die Steinstraße in der Hamburger Innenstadt. Sie ist, wie der Name verrät, die erste mit Steinen gepflasterte Straße der Hansestadt und liegt rund 2,3 Meter unter der heutigen Oberfläche. Nach Angaben des Archäologischen Museums Hamburg wurde sie mehrfach bei Ausgrabungen erfasst und wird auf das 10./11. Jahrhundert datiert.


Unterdessen sind hierzulande natürlich noch deutlich ältere Wege unserer Vorfahren bekannt. Die ältesten unter ihnen sind sogenannte Altstraßen, historische Wege des Landverkehrs. Ihre Entstehung lässt sich teilweise bis in die Antike verfolgen. Sie waren jedoch nicht befestigt – Holzbohlen oder Pflastersteine findet man hier also nicht.

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