Altägyptischer Herzensbrecher: So sah Ramses II. aus

Er gilt als einer der mächtigsten Pharaonen des Alten Ägyptens. Nun ist Forschenden eine vollständige Gesichtsrekonstruktion von Ramses II. gelungen – anhand seiner mehr als 3.000 Jahre alten Überreste.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 20. Jan. 2023, 15:04 MEZ
Frontalansicht des mittelalten Pharaos Ramses II.

Diese Gesichtsrekonstruktion von Ramses II. zeigt ihn zur Hochzeit seiner Herrschaft. Doch warum sind Rekonstruktionen wie diese für die Wissenschaft so wichtig?

Foto von Face Lab / Liverpool John Moores University

Er ist wohl einer der bis heute bekanntesten Herrscher des Alten Ägypten: Rames II. wurde ganze 93 Jahre alt, regierte das Neue Reich rund 66 Jahre lang und soll in dieser Zeit über 100 Kinder gezeugt haben. Nur einige der Gründe, warum ihm unzählige Steinstatuen gewidmet wurden. Eine Idee davon, wie der Pharao ausgesehen haben muss, gibt es dadurch schon länger.

Dank des Face Lab der Liverpool John Moores University in England und der Universität Kairo in Ägypten hat Ramses II. nun auch ein echtes Gesicht bekommen: in 3D und Farbe. „Die Visualisierung einer berühmten historischen Persönlichkeit kann ein tieferes Verständnis vermitteln und es uns ermöglichen, eine Verbindung zu ihr als Person und nicht als museales Artefakt herzustellen“, sagt Caroline Wilkinson, forensische Wissenschaftlerin und Leiterin des Teams, das gleich mehrere Bilder des Herrschers erstellte. Eins davon zeigt den älteren Ramses, ein anderes den mittelalten.

Gesichtsrekonstruktion einer Mumie

Um der 3.000 Jahre alten Mumie ein Gesicht zu geben, rekonstruierte das Team um Wilkinson zunächst das Aussehen des Pharaos kurz vor seinem Tod, als er 93 Jahre alt war. Dazu sahen sich die Forschenden die Überreste an und bestimmten die auffälligsten Merkmale. „Bei Ramses II. gibt es zum Beispiel ein sehr breites Nasenbein. Es ist zwischen den Augen sehr hoch und sehr ausgeprägt“, sagt sie. 

So muss Ramses II. kurz vor seinem Tod mit 93 Jahren ausgesehen haben. Haar- und Oberflächenstrukturen sowie Haut-, Augen- und Haarfarben wurden in Zusammenarbeit mit Ägyptologieexperten eingeschätzt.

Foto von Face Lab / Liverpool John Moores University

Zusätzlich nutzten sie eine Software, die auch in der Kriminologie zum Einsatz kommt, um die Position der Gesichtsmuskeln festzustellen. „Je stärker ein Muskel an der Stelle ist, an der er verankert ist, desto sichtbarer hinterlassen seine Ansätze Spuren auf der Oberfläche des Schädels“, sagt die Anthropologin. „Bei altägyptischen Mumien verfügen wir über zusätzliche Informationen wie Ohrform, Falten oder Haarmuster, die den Grad der Genauigkeit erhöhen.“ So verwandelt sich die Mumie nach und nach in eine erkennbare Person.

Mithilfe eines 3D-Computersystems rekonstruierten die Forschenden anschließend zusätzlich das Aussehen Ramses II., als er etwa 45 Jahre alt war – also zur Hochzeit seiner Herrschaft. „Wir wissen, wie Schädel und Gesichter altern, und es ist möglich, vorherzusagen, wie eine Person in jüngeren Jahren aussah, indem einige der mit dem Alter verbundenen Veränderungen des Skeletts und der Weichteile entfernt werden“, sagt Wilkinson. Dennoch sei die Verjüngung die größte Herausforderung in dem Prozess gewesen.

Warum das Äußere so wichtig ist

Laut Wilkinson sind derartige Rekonstruktionen einerseits wichtig, um die Person hinter der historischen Figur zu erkennen und andererseits, um die Rolle der Person zu Lebzeiten besser verstehen zu können. „Die Forschung zeigt, dass das Aussehen des menschlichen Gesichts entscheidend für Status und Erfolg ist“, so Wilkinson. Das gelte insbesondere für Führungspersönlichkeiten, deren Aussehen dabei helfen kann, ihre Macht, ihre Widerstandsfähigkeit und ihr Charisma zu verstehen.

Gerade Ramses II., der ein so mächtiger Herrscher war, bietet sich also für eine solche Rekonstruktion an. Sein Gesicht kann heute Aufschluss darüber geben, welche äußerlichen Eigenschaften im Alten Ägypten zu Ansehen verhalfen.

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