Isle of Wight: Neue Dinosaurierart bestimmt

Nach 142 Jahren beschreiben Forschende erstmals wieder eine neue Art auf der englischen „Dinosaurier-Insel“. Vectipelta barretti war etwa 5 Meter lang und von Kopf bis Fuß mit spitzen Stacheln bedeckt.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 23. Juni 2023, 16:28 MESZ
Grafische Rekonstruktion des Dinosauriers Vectipelta barretti.

Stachelpanzer, breiter Körperbau und kurze Gliedmaßen: Kaum verwunderlich, dass Vectipelta barretti zunächst mit dem sehr ähnlich ausschauenden Polacanthus foxii verwechselt wurde. 

Foto von Stuart Pond

Auf der Isle of Wight vor der Südküste Englands herrschte während der frühen Kreidezeit ein Klima, das mit den heutigen Mittelmeerregionen vergleichbar ist. Eine vielfältige Fauna streifte hier einst umher. Heutzutage gilt die sogenannte „Dinosaurier-Insel“ unter Paläontologen als wahre Goldgrube. Denn hier wurden so viele und diverse Fossilien von Dinosauriern nachgewiesen, wie an kaum einem anderen Ort in Europa. 

Nach 142 Jahren wurde anhand einiger dieser Überreste nun erstmals wieder eine neue gepanzerte Dinosaurierart entdeckt und beschrieben: Vectipelta barretti. Die Studie zu der Entdeckung erschien in der Fachzeitschrift Journal of Systematic Palaeontology – und stellt die Zuordnung einiger bisheriger Funde der Insel in Frage.

Neue gepanzerte Art offenbart vergangene Irrtümer

Auf den ersten Blick ist nicht viel übrig geblieben von dem rund 5 Meter langen Tier, das vor etwa 140 Millionen Jahren die Landschaft des heutigen Englands durchstreifte. Lediglich mehrere einzelne Knochenfunde, die im Laufe der letzten Jahrzehnte gemacht wurden und bislang fälschlicherweise dem bereits von der Isle of Wight bekannten Dinosaurier Polacanthus foxii zugeordnet wurden, führten zu der Neuentdeckung.

Gemacht wurde sie von Stuart Pond, einem unabhängigen Forscher auf dem Gebiet der Wirbeltierpaläontologie vom Natural History Museum in London, der die Wirbelknochen, Hüftknochen und Panzerstacheln gemeinsam mit seinem Team erneut untersuchte. Mithilfe von phylogenetischen Analysen stellte sich dabei heraus, dass die Funde nicht zu der bereits bekannten Art passen – und auch nicht sehr eng mit ihr verwandt sind.  

Vielmehr kristallisierte sich heraus, dass die Überreste einer neuen, bisher unbeschriebenen Art von sogenannten Ankylosauriern, also Vogelbeckensauriern, angehören.

Vectipelta barretti – Stachelpanzler von Kopf bis Schwanzspitze

Südengland weist damit eine höhere Vielfalt der Ankylosaurier auf als bisher angenommen. Zudem ist der „neue“ Ankylosaurier V. barretti bis zu 8 Millionen Jahre älter als Polacanthus foxii. Er zeichnet sich ebenso wie andere gepanzerte Vogelbeckensaurier vor allem durch einen auffällig breiten Körper, kurze Gliedmaßen und massive Panzerungen von Kopf bis Schwanzspitze aus. 

Die verschiedenen Ansichten der bisherigen Skelettrekonstruktion von Vectipelta barretti, einmal mit und einmal ohne Stachelpanzer. Maßstab = 1m.

Foto von Pond, Strachan et al., 2023

Verwandt ist die Art laut Pond und seinem Team am ehesten mit Ankylosauriern aus dem heutigen chinesischen Raum. Die Studie geht deshalb davon aus, dass die Tiere sich zur damaligen Zeit frei und ohne große Hindernisse von Asien nach Europa ausbreiten konnten. Sie zeigt zudem, dass die pflanzenfressenden Saurier vor allem ab der frühen Kreidezeit zu einem bedeutenden Bestandteil des Ökosystems zählten. Die Tatsache, dass nur wenige fossile Überreste aus dieser Zeit vorhanden sind, könnte mit einem Massensterben im späten Jura zusammenhängen. 

Benannt wurde V. barretti nach Prof. Paul Barrett – seinerseits seit 20 Jahren am Natural History Museum tätig und für die Förderung einer neuen Generation an Paläontolog*innen verantwortlich. Die Überreste des neuen Dinosauriers sind Teil der Sammlung des Dinosaur Isle Museums – seinem Namensgeber zufolge dem zweitwichtigsten Museum des Vereinigten Königreiches. 

Die jüngsten Erkenntnisse zur neu beschriebenen Art stellen nun auch die korrekte Bestimmung von anderen Funden der letzten Jahrzehnte in Frage. Sämtliche Zuordnungen des Polacanthus foxii müssten laut den Autor*innen jetzt neu begutachtet und überprüft werden. Für die Zukunft zeigen sich die Beteiligten zuversichtlich, dass dies nicht die letzte neue Art war, die die Isle of Wight hervorgebracht hat.

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