Tumor mit Zähnen in altägyptischer Leiche gefunden

Vor über 3.300 Jahren wurde im Alten Ägypten eine Frau beerdigt. In ihrem Uterus haben Forschende eine Zellmasse mit zwei Zähnen entdeckt: ein Teratom. Es ist der früheste Nachweis einer solchen Anomalie, der je entdeckt wurde.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 22. Nov. 2023, 09:40 MEZ
Das Tearoom mit den zwei erkennbaren Zähnen vor einem schwarzen Hintergrund.

Das Teratom mit den beiden unvollständig ausgebildeten, aber dennoch deutlich erkennbaren Zähnen.

Foto von A. Deblauwe, Amarna Project

Archäolog*innen haben im Körper einer Frau aus dem Alten Ägypten einen Zellhaufen mit zwei fast vollständig ausgebildeten Zähnen entdeckt. Bei der Anomalie handelt es sich um ein sogenanntes Teratom – so nennt man Tumore, die sich aus Keimzellen entwickeln und deshalb aus mehreren Zellschichten bestehen und Knochen, Haare und Zähne ausbilden können. 

Der nun entdeckte Fund ist der bislang früheste Nachweis eines solchen Tumors – und nur eines von fünf Teratomen, die bislang in archäologischen Stätten nachgewiesen werden konnten. Die Studie, in der ein internationales Forschungsteam um Gretchen Dabbs von der Southern Illinois University in den USA den Fund beschreibt, wurde in der Fachzeitschrift International Journal of Paleopathology veröffentlicht.

Antiker Tumor aus der Amarnazeit

Entdeckt haben Archäolog*innen das Teratom im Uterus einer bei ihrem Tod zwischen 18 und 21 Jahre alten Frau, die im 14. Jahrhundert v. Chr. auf einem Friedhof in Mittelägypten bestattet wurde. Der sogenannte North Desert Cemetery ist ein kleines Gräberfeld nahe der archäologischen Fundstätte Amarna, in der sich Überreste der altägyptischen Stadt Akhetaten aus der 18. Dynastie des Neuen Reichs befinden. Zwischen 2018 und 2022 fanden Ausgrabungen an drei mehrkammerigen Grabstätten des Friedhofs statt, bei denen auch die Frau mit dem Teratom im Uterus entdeckt wurde.

Die Grabungsstätte Tell el-Amarna, kurz Amarna, in Ägypten. Der Ort ist namensgebend für einen Zeitabschnitt des Neuen Reichs im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr., die die Regierungszeit der Pharaonen Echnaton und Semenchkare umfasst.

Foto von CC BY 3.0

Zunächst fiel den Forschenden vor Ort in der Beckenhöhle der Toten, in der Nähe des linken Eierstocks, nur eine kleine, amorphe, verkalkte Masse auf. „Diese Masse enthielt sowohl Knochengewebe als auch zwei unvollständige und missgebildete, aber noch identifizierbare Zähne“, heißt es in dem Newsletter der Amarna Projects, einem wissenschaftlichen Verein zur Förderung der Forschung in der altägyptischen Fundstätte. 

Die Forschenden hielten es anfangs auch für möglich, dass es sich bei dem Objekt um etwas anderes handeln könnte, beispielsweise um eine Zyste. Auch die Möglichkeit, dass das Objekt erst nach dem Tod der Frau mit ihr in dem Grab platziert wurde, stand im Raum. Die neu veröffentlichte Studie zeigt allerdings: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem Zellwuchs tatsächlich um ein Teratom, das sich sich im Körper der Frau bildete, als diese noch lebte.

Tod durch Teratom 

Teratome sind selten bösartig und können heute meist im Rahmen einer Operation aus dem Körper entfernt werden. Dabei treten sie meist am Steißbein, in den Hoden oder – wie bei der Frau, die vor 3.300 Jahren in Akhetaten lebte – in den Eierstöcken auf. Selten findet man sie am Hals oder im Gehirn. Tödlich sind die Tumore heute meist nicht mehr.

Anders vor 3.300 Jahren. Die Forschenden vermuten aufgrund des frühen Todes der Frau, dass das Teratom eine Infektion verursacht haben könnte, die letztendlich tödlich endete. Die Forschenden halten es außerdem für möglich, dass die Frau vor ihrem Tod bereits unter Schmerzen gelitten haben könnte – denn medizinisch behandelt wurden solche Tumoren damals nicht.

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