3 Tage Québec – Ein Insiderguide

Nur wenig Zeit? Ein Kurztrip in diese historische kanadische Stadt lässt keine Wünsche offen.

Von Heather Greenwood Davis
Québec erstrahlt im Sonnenuntergang. Die Stadt wurde neben dem Sankt-Lorenz-Strom auf zwei Ebenen errichtet und besteht aus der Oberstadt (Haute-Ville) und der Unterstadt (Basse-Ville). Die gut erhaltenen historischen Befestigungsanlagen Québecs, darunter auch die alte Stadtmauer, sind einer der Gründe dafür, dass die UNESCO der Stadt im Jahr 1985 den Welterbestatus verlieh.

Fantasievoll, modern und zukunftsweisend sind normalerweise wohl keine Worte, die man mit einem Ort in Verbindung bringen würde, der mehr als 400 Jahre alt ist. Dennoch sind sie die perfekte Beschreibung für das heutige Québec. Wer einen Einheimischen nach seinen Lieblingsplätzen in der Stadt fragt, wird eine Aufzählung hören, die ebenso vertraut wie verblüffend wirkt. Neben berühmten Sehenswürdigkeiten, die auf keinen Fall fehlen dürfen, enthält sie auch Orte, mit denen nur echte Insider vertraut sind – bis jetzt. Die folgende Reiseroute für einen dreitägigen Kurztrip nach Québec verspricht ein vielfältiges Programm, bei dem jeder diese ebenso moderne wie geschichtsträchtige Stadt in vollen Zügen genießen kann.

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TAG EINS 

Geschichte und Kunst 

Wer wollte nicht schon mal in einem Schloss im Himmel aufwachen? Hoch über der Stadt bildet das Fairmont Le Château Frontenac das berühmte Herzstück der historischen Altstadt von Québec – auch Vieux-Québec genannt –, die UNESCO-Welterbestatus genießt. Schon seit 125 Jahren beherbergt das Hotel hochkarätige Gäste, von Charles Lindbergh bis zu Céline Dion. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten verbirgt sich hinter der klassischen Fassade nun eine moderne Inneneinrichtung mit Marmorbädern und Art-déco-Elementen. Einmal schlafen wie ein Staatsoberhaupt? Die Trudeau Suite ist dem ehemaligen kanadischen Premierminister Pierre Elliot Trudeau und seinem aktuell amtierenden Sohn Justin Trudeau gewidmet. Auch ohne Übernachtung im Hotel ist das Restaurant Place Dufferin einen Besuch wert, ganz besonders wegen seines berühmten Bacons, der über Ahornholz geräuchert wird. 

Quasi fast vor der Tür, nur vorbei an der großen Statue von Samuel de Champlain, befindet sich der Eingang zur Funiculaire du Vieux-Québec. Die Standseilbahn kutschiert seit 1879 Passagiere zwischen Petit-Champlain in Lower Town und der Dufferin Terrace auf dem Felsenplateau Cap Diamand in der Oberstadt.

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Dank der Pflastersteinstraßen und der steilen Hügel der Unterstadt erfahren Besucher recht schnell, ob sie sich für geeignetes Schuhwerk entschieden haben. Zunächst geht es zum Place Royale, wo der Forschungsreisende Samuel de Champlain seine erste Bleibe aufschlug, aus der später die Stadt entstand. Eile ist dabei aber nicht geboten. Ein Spaziergang zwischen den Steingebäuden, die die Straßen seit dem 18. Jahrhundert säumen, ist keine verschwendete Zeit. 

Im Anschluss führt der Weg zum Wasser. Québecs alter Hafen ist bei Tag und Nacht eine echte Schönheit. Unterwegs bieten Stationen zum Fahrradverleih die Möglichkeit, es den zahlreichen Passanten gleichzutun, die den Weg am Hafenbecken entlangradeln. Oder soll es lieber zu Fuß weitergehen? Die charmante Rue Saint-Pierre bietet lokale Ladengeschäfte, historische Wohnhäuser, Skulpturen und vieles mehr. Darüber hinaus führt sie auf direktem Weg zum Musée de la civilisation, in dem Besucher in interaktiven Ausstellungen moderne Themen ergründen können. 

Die Porte St. Louis, die Zitadelle und die Stadtmauern wurden zum Schutz der Stadt errichtet. Sie sind die ältesten noch erhaltenen Befestigungsanlagen Nordamerikas und wurden von der UNESCO als Welterbe ausgewiesen.

Wenn es Zeit zum Mittagessen wird, müssen sich die Gäste der Qual der Wahl stellen. Einen Blick auf den Hafen bietet beispielsweise Le Café du Monde, La Serre hält ein breites Angebot an gesunden Speisen parat, die sich auch perfekt für ein Picknick eignen.

Mit vollem Magen und neuer Energie können Besucher dann in die Militärgeschichte der Region eintauchen. Dazu müssen sie eine der ältesten befestigten Mauern Nordamerikas durchschreiten – das mehr als 400 Jahre Bauwerk markiert die Grenzen der historischen Altstadt von Québec. Auf der anderen Seite befindet sich der etwa 100 Hektar große Battlefields Park, der einen Blick auf die Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms bietet. Allerdings ist das kein gewöhnlicher Stadtpark. Die Fläche, auf der sich auch die sternförmige Zitadelle von Québec und die Abraham-Ebene befinden, ist der Schauplatz einer Schlacht zwischen britischen und französischen Truppen, die dort 1759 stattfand. Im Sommer können Besucher an dieser Stelle Zeremonien wie Changing of the Guard und Beating Retreat mit ansehen. 

Luftaufnahme der Abraham-Ebene.
Die Abraham-Ebene (oder Plains of Abraham) ist Kanadas ältester National Historic Park.

Allerdings gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um die Geschichte dieser Stadt zu entdecken. Im Musée national des beaux-arts du Québec können Besucher in den Pavillons und Gartenanlagen Kunstwerke auf sich wirken lassen. Quebec History X Tours bietet die Möglichkeit, einmal eine Geschichtsstunde aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Die Tour, die vom einheimischen Rapper Webster (dessen Name eigentlich Aly Ndiaye lautet) geleitet wird, führt durch die Geschichte der Stadt – allerdings aus der Perspektive der farbigen Menschen, die ab 1629 als Sklaven in die Provinz gebracht wurden. 

Wenn die Sonne am Abend hinter dem Horizont verschwindet, ist das noch lange kein Grund, schon ins Bett zu gehen, denn auch nachts hat die Stadt einiges zu bieten. Für das Abendessen sollten Besucher die Grande Allée ansteuern, wo schon seit dem 19. Jahrhundert Restaurants mit Außensitzplätzen direkt auf dem Gehweg zum Verweilen einladen. Dort können Gäste auf einen Bissen vorbeischauen oder zu späterer Stunde wiederkommen, wenn die Szenerie von Livemusik und dem nächtlichen Treiben der Clubs dominiert wird. Nach dem Abendessen bietet sich ein Spaziergang vorbei am Parlamentsgebäude an, der National Assembly. Das Gebäude wurde zwischen 1877 und 1886 im Stil des Second Empire erbaut und kann über kostenlose Führungen besichtigt werden – womöglich muss eine Tour aber bis zum nächsten Besuch warten. Der kunstvolle Springbrunnen Fontaine de Tourny vor dem Gebäude fällt sofort ins Auge. Er war ein Geschenk der französischen Partnerstadt Bordeaux anlässlich des 400. Geburtstags von Québec im Jahr 2008. 

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Für einen kleinen Schlummertrunk können sich die Gäste zurück ins Hotel begeben und in der Bar 1608 vorbeischauen, wo geschickte Barkeeper mit einer Reihe fantasievoller Cocktails bereitstehen. Der Weg zurück aufs Zimmer führt durch die Hotelgänge, die mit historischen Fotografien und Artefakten gesäumt sind. 

TAG EINS Insidertipp 

Die in Québec wohnhafte Pamela MacNaughtan ist die Gründerin von Urban Guides Canada. Sie empfiehlt, der Cuisine LaLa in der Rue Saint-Paul einen Besuch abzustatten. Dort wird traditionelle Kost angeboten, darunter auch Québecer Klassiker wie Tourtière und Chômeur. „Die Eigentümer sind jung, das Essen ist vorzüglich und einige der Rezepte sind 50 bis 100 Jahre alt!“ 

TAG ZWEI 

Québecs ländliche Seite 

Am Morgen führt der Weg aus dem Hotel hinaus, durch den Park Place d’Armes und die Rue du Trésor hinunter. Es lohnt sich, der Straße zu späterer Stunde noch einen Besuch abzustatten, wenn die Gaslichtlampen leuchten und Künstler ihre Bilder malen. Nach einem Frühstück im Café La Maison Smith können Besucher die Notre-Dame de Québec Basilica-Cathedral im goldenen Morgenlicht bestaunen. 

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Mit einem Leihwagen geht es dann in zehn Minuten zu den 83 Meter hohen Montmorency Falls. Eine Seilbahn bringt Besucher auf das Plateau hinauf, wo sie den Fluss auf einer atemberaubenden Hängebrücke überqueren können. Weiter geht es mit dem Auto zur Île d’Orléans. Dort lautet der erste Zwischenstopp: Cassis Monna & Filles. Die besondere Beziehung der Familie Monna zu Johannisbeeren begann vor mehreren Generationen im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Heutzutage betreiben Anne Monna Lamarre und ihre Schwester Catherine das Familiengeschäft in der fünften Generation. Ihre berühmte Kombination aus schwarzen Johannisbeeren und Vanille sorgt für ein unvergessliches Geschmackserlebnis. Nach diesem kulinarischen Besuch wartet der Rest der Insel nur darauf, erkundet zu werden. An einigen Orten sollte dabei kein Weg vorbeiführen: Im La Roulotte du Coin warten Enten-Burger mit einem Gänsestopfleber-Topping, das Tigidou ist für seine hausgemachten Marmeladen und seinen dunklen Ahornsirup bekannt, während La Boulange frisch gebackenes Schokoladenbrot anbietet. 

Bevor die Besucher die Insel wieder verlassen, sollten sie der einzigartigen Skulptur des beliebten französisch-kanadischen Dichters und Musikers Félix Leclerc einen Besuch abstatten. 

Der Vignoble Isle de Bacchus in der Nähe des Dorfes Saint-Pierre auf der Île d’Orléans ist einer der größten Weinberge. Auf mehr als zehn Hektar wird dort genug Wein für etwa 40.000 Flaschen pro Jahr angebaut.
Die Verkostung der Weine im französischen Stile erfolgt direkt auf den Weinbergen der Île d'Orléans.

Zurück auf dem Festland geht es über den Highway Richtung Anse du Cap-Rouge. Die meisten Touristen kommen nie so weit hinaus, doch es lockt in jedem Fall das herausragenden Thunfisch-Tatar im Quai 1635 inmitten der ruhigen, grünen Landschaft. Ein Spaziergang am Wasser eröffnet den Blick auf idyllische Häuser, bevor es wieder zurück in die Altstadt von Québec geht. 

Die Straßenkünstler der Stadt sind legendär. Ein simples Abendessen lässt noch genügend Zeit für eine der Vorführungen auf den öffentlichen Plätzen der Innenstadt. Ein echter Klassiker Québecs sind Pommes frites mit Käsebruch und Sauce, die man fast überall erhält, von Fast-Food-Filialen wie Chez Ashton bis zu schicken Hotel-Restaurants, die das Gericht mit ihrem eigenen kulinarischen Kniff servieren. Im Le Chic Snack können Gäste ihren Milchshake mit Hochprozentigem wie Kahlúa oder Whisky versehen. 

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An Bord der Fähre von Québec nach Lévis lässt sich die Skyline der Stadt bei Sonnenuntergang bewundern. Die Fahrt nach Lévis bietet einen spektakulären Blick auf Québec und kostet nur ein paar Dollar. 

Wer dann noch immer nicht müde ist, kann sich zu einem kleinen Abendspaziergang auf die Promenade des Gouverneurs direkt neben dem Hotel begeben und das Quartier Petit Champlain im Schein der Straßenlaternen erkunden. 

Blick auf die charmante Sous Le Fort Street in Petit Champlain am Abend.

TAG ZWEI Insidertipp 

Der einheimische Outdoor-Abenteurer Gabriel Gakwaya empfiehlt, in der Stadt vier Räder gegen zwei zu tauschen. Es gibt in der ganzen Stadt Fahrradverleih-Stationen, die entweder auf Stunden- oder Tagesbasis abrechnen. Mit dem geliehenen Gefährt können Besucher dann an geführten Fahrradtouren um die Montmorency Falls teilnehmen oder weniger anstrengende Fahrten auf der Samuel-De Champlain Promenade genießen.  

TAG DREI 

Szeneviertel und Shoppingeskapaden 

Nach dem Aufstehen geht es für einen Blick auf das alte und neue Québec an die ehemalige Stadtmauer. Am letzten Tag warten die Szeneviertel direkt jenseits der Mauer auf einen Besuch: Saint-Jean-Baptiste und Saint-Roch. Die Straßen der Viertel sind ein bunter Mix aus den Läden kreativer Einheimischer, Besucher sollten in jedem Fall Zeit für einen ausgedehnten Schaufensterbummel mitbringen! Musikliebhaber verbringen ihre Zeit im Plattenladen Le Knock-Out. Alternativ vergeht der Nachmittag auch in der MacFly Bar Arcade zwischen Flippern und Videospielen wie im Flug. 

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Zum Mittagessen bietet sich Nina Pizza an. Das Restaurant verdankt seine Eröffnung einem Crowdfunding-Projekt und hat sich mittlerweile zu einem lokalen Favoriten entwickelt, der vielfältige Pizzen zum Mitnehmen oder zum Verzehr vor Ort anbietet. Gut getarnt hat sich hingegen das Lokal Deux 22. Von außen wirkt es wie ein Bekleidungsgeschäft, aber nach dem Eintreten entpuppt es sich dann als Tequila-Bar mit einem mexikanischen Restaurant inklusive Terrasse. 

Nach dem Essen wartet der Rest der Stadt. Mit einem Taxi geht es rüber nach Limoilou. Das bunte Viertel wird von einer Mischung aus neuen Einwanderern, aufstrebenden Unternehmern und jungen Familien geprägt. Die berühmte Wandmalerin Marie-Claude Grou, auch bekannt als „MC Grou“, ist hier aufgewachsen. Eines ihrer ersten Wandbilder („Heart Limoilou“) ist eine perfekte Kulisse für ein Erinnerungsfoto. Nebenan befindet sich das Article 721, das als eine der besten Anlaufstellen für lokale Designermode und andere Designprodukte gilt. Weiter geht es zur ausgefallenen „BH-Terrasse“, wo Besucher unter einem Dach aus BHs (Spenden zufriedener Gäste) vor dem Soup & Cie speisen und vielleicht auch etwas im Gemeinschaftskühlschrank für Bedürftige hinterlegen können. 

Im Soup & Cie können Gäste in gemütlicher Atmosphäre ihre Suppe genießen.
Das Soup & Cie ist ein echtes Paradies für Suppenfreunde und hat Gerichte aus aller Welt auf der Karte.

Wer zwei bis drei Monate im Voraus reserviert, könnte sich ein Abendessen in einem der besten Restaurants der Stadt gönnen. Das Battuto ist ein kleines italienisches Restaurant, das ganz oben auf der Favoritenliste vieler Einheimischer und Besucher steht.  Preisgünstiger können Gäste im Bureau de Poste speisen, das für seine leckeren Tapas bekannt ist. Im Le Clocher Penché kommen die Zutaten direkt von der Farm auf den Tisch, während das Chez Muffy etwas reichhaltigere Kost zu bieten hat. 

Nach dem Ausflug in die äußeren Stadtbezirke sollten Besucher einen Rückweg in die Altstadt wählen, der sich vom Hinweg unterscheidet, um noch mehr von der Stadt zu sehen. Eventuell führt er ja nicht ganz zufällig an der Maison de la Litterature vorbei. Die Bibliothek befindet sich in der ehemaligen Wesley Church und ist ein Meisterwerk des Québecer Erfindungsreichtums. 

TAG DREI – Insidertipp  

Das Coeur de Loup bietet maßgeschneiderte Mode, während die Unternehmerin Anne Monna Lamarre das Jupon Pressé für schicke Ware von der Stange empfiehlt. 

Die frisch zubereiteten Donuts (inklusive veganer Varianten) vom Café Saint-Henri in Saint-Roch sind die beste Art, einen Shoppingtrip durch Québec zu beginnen.  

Québec und der Sankt-Lorenz-Strom bei Sonnenuntergang.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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