Plastiktüte am tiefsten Punkt des Ozeans gefunden

Sogar einer der abgelegensten Orte der Welt kann sich der Geißel des Plastikmülls nicht entziehen.Montag, 14. Mai 2018

Von Sarah Gibbens
Eine Plastiktüte schwimmt vor den Philippinen durch die Manilabucht.

Der Marianengraben ist der tiefste Punkt des Ozeans. Er erstreckt sich in einem entlegenen Teil des Pazifiks in Tiefen von etwa  11.000 Metern. Man könnte davon ausgehen, dass der Tiefseegraben der weltweiten Epidemie von Plastikmüll dadurch entgeht, doch dem ist nicht so.

Untersuchungen im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie dokumentierten eine Plastiktüte, wie man sie in Supermärkten zum Einpacken bekommt. Dieses Plastikteil wurde an der bislang tiefsten Stelle gefunden: in 11.000 Metern Tiefe im Marianengraben. Die Forscher entdecken es bei der Durchforstung der Deep-Sea Debris Database, einer Datenbank für Abfälle im Meer, in der seit 30 Jahren Fotos und Videos aus 5.010 Tauchgängen gesammelt werden. Diese Datenbank wurde vor kurzem veröffentlicht.

SO VIEL PLASTIKMÜLL

Beim klassifizierbaren Abfall nahm Plastik in der Datenbank den  größten Teil ein. Insbesondere Plastiktüten stellen die größte Quelle des Plastikmülls dar. Andere Abfälle stammten von Materialien wir Gummi, Metall, Holz und Stoff. Einiges konnte noch nicht zugeordnet werden.

Das meiste Plastik – stolze 89 Prozent – konnte auf einmalig benutzte Gegenstände wie Wasserflaschen oder Einmalgeschirr zurückgeführt werden.

Der Marianengraben wirkt wie ein dunkles, ödes Loch, doch er beherbergt mehr Lebewesen, als man glauben mag. Im Jahr 2016 suchte die Okeanos Explorer, ein Forschungsschiff der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) die Tiefe ab und entdeckte dort etliche Lebensformen. Dazu gehörten neben Korallen und Quallen auch Oktopusse. Die neue Studie fand außerdem heraus, dass 17 Prozent der Datenbankfotos das Aufeinandertreffen von Plastik und marinen Lebewesen zeigten, zum Beispiel Tiere, die sich im Müll verfangen hatten.

WOHER KOMMT DAS GANZE PLASTIK?

Die neue Studie ist nur eine von vielen, die darlegen, wie verheerend die Verschmutzung durch Plastik auf der ganzen Welt bereits ist. Plastikgegenstände zum einmaligen Gebrauch gibt es quasi überall und sie brauchen vielleicht Hunderte von Jahren zum Verrotten, wenn sie erst einmal in die Umwelt gelangt sind.

Im vergangenen Februar zeigte eine andere Studie auf, dass der Marianengraben in manchen Bereichen stärker verschmutzt ist, als einige der am stärksten belasteten Flüsse in China. Die Autoren der Studie stellten die Theorie auf, dass die chemische Verschmutzung im Tiefseegraben teilweise vom sich zersetzenden Plastik in der Wassersäule herrühren könnte.

Plastik ist in der jüngsten Vergangenheit mehr in den Fokus der Umweltbewegung gerückt, so auch zum Beispiel im Rahmen des letzten Tags der Erde. Plastikmüll kann auf direktem Weg in den Ozean gelangen, wenn er vom Strand weggeweht oder von Schiffen abgeladen wird. Eine Studie aus dem Jahr 2017 belegt jedoch, dass das meiste Plastik von zehn Flüssen ins Meer eingebracht wird, die durch stark verschmutzte Regionen fließen.

Weggeworfene oder verloren gegangene Fischereiausrüstung ist ebenfalls eine große Quelle der Plastikverschmutzung. Eine Studie vom vergangenen März dokumentierte den Great Pacific Garbage Patch, eine komprimierte Müllansammlung mit einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland, die zwischen Hawaii und Kalifornien treibt.

Im Ozean schwimmt weit mehr Plastik als eine einzelne Tüte, aber diese ist inzwischen von einer Metapher für die Gleichgültigkeit gegenüber dem Umweltschutz zu einem Beispiel dafür geworden, wie stark der Einfluss des Menschen auf unseren Planeten sein kann.

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