Spektakuläre Balzrituale: Moonwalk, Todesspirale und wundersamer Wasserlauf

Manchen Vögeln ist Gesang nicht genug – sie haben äußerst kunstvolle Merkmale und Rituale entwickelt, die ihnen bei der Partnersuche helfen.

Veröffentlicht am 26. Feb. 2018, 16:17 MEZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
Renntaucher laufen bei ihrem Balzritual auf dem Wasser.
Renntaucher laufen bei ihrem Balzritual auf dem Wasser.
Bild Tammy Wolfe, Alamy

Vögel haben einige der komplexesten Balzrituale im gesamten Tierreich.

Dafür gibt es einen guten Grund: Die Männchen der meisten Arten müssen hart arbeiten, um die Weibchen zu beeindrucken – ob nun mit ausgefeilten Dance Moves, komplexen Nestern oder besonders spektakulärem Gefieder.

„Der Aufwand des Balzrituals geht Hand in Hand mit dem extremen sexuellen Selektionsdruck, der zu raffinierten männlichen Merkmalen führt“, sagt John Rowden, der Direktor für den Gemeindenaturschutz der National Audubon Society.

Das Weibchen trifft dann die Wahl und stellt so sicher, dass jene Merkmale, die es anziehend findet, weitervererbt werden.

Die spezifischen Balzrituale sind zwar vererbt, aber Übung macht den Meister. „Es gibt durchaus Fälle, in denen das Verhalten auftreten kann, ohne dass [der Vogel] es vorher beobachtet hat und darin unterrichtet wurde“, so Rowden. „Es ist rudimentär vorhanden, aber durch die Interaktion mit Weibchen und das Feedback verbessert er es.“

Hier stellen wir euch ein paar besonders bemerkenswerte Taktiken vor, mit denen Vögel potenzielle Partner beeindrucken. (Lesenswert: Tanzende Tiere mit echt coolen Moves)

YEAR OF THE BIRD – 1918 verabschiedete der US-Kongress den Migratory Bird Treaty Act, der das mutwillige Töten von Zugvögeln ohne Sondergenehmigung unter Strafe stellte. Das hundertjährige Jubiläum dieses Beschlusses feiert National Geographic zusammen mit der National Audubon Society, BirdLife International und dem Ornithologielabor der Cornell-Universität, indem sie 2018 zum Year of the Bird erklärt haben. Das ganze Jahr über erwarten euch weitere Artikel, Bücher, Events und Social Media Content zu den Themen rund um die Vögel unserer Welt.

GELBHOSENPIPRA

Es gibt über 50 Arten Pipras oder Schnurrvögel, und jede davon hat ein eigenes komplexes Balzritual. Aber der in Mittel- und Südamerika heimische Gelbhosenpipra hat ein paar besonders eindrucksvolle Moves auf Lager.

Während der Paarungssaison versammeln sich die Männchen in kleinen Gruppen, um ihre Beinarbeit zur Schau zu stellen. Jeder Vogel sucht sich einen Zweig ohne Blätter, der ihm als Bühne dient und eine optimale Sicht auf den Protagonisten garantiert. Für das menschliche Auge wirkte der Tanz dieses Vogels fast schon ulkig, und das Highlight ist zweifelsfrei ein Tanzschritt, der stark an Michael Jacksons berühmten Moonwalk erinnert. Die kleinen Vögel steuern sogar ihre eigenen Soundeffekte bei, indem sie mit den Flügeln schlagen, schnappen und surren. Ob sie mit dem Krach Weibchen beeindrucken oder Räuber abschrecken wollen, weiß man bisher nicht so genau.

RENNTAUCHER

Renntaucher sind für ihre überschwänglichen Balzrituale bekannt. 2017 machte ein Video eines Goldscheiteltaucher-Balztanzes im Internet die Runde. Die Darbietung wirkt ein wenig wie eine Mischung aus Heavy-Metal-Headbanging und Paartanz. Damit der Renntaucher einen Partner anlocken kann, muss er aber ein Wunder vollbringen: Sowohl Männchen als auch Weibchen müssen auf dem Wasser laufen.

Wie funktioniert das Ganze? Lappentaucher, zu denen die Renntaucher gehören, sind die größten Wirbeltiere der Welt, die auf Wasser laufen können – und bis vor ein paar Jahren hatte sich das niemand je genauer angesehen. Indem sie ihre Füße mit 14 bis 20 Schritten pro Sekunde strampeln (Menschen schaffen es gerade mal auf fünf Schritte pro Sekunde), können sie aus dem Wasser aufsteigen. In Gruppen von zwei oder mehr Tieren sprinten sie dann zusammen binnen weniger Sekunden bis zu 20 Meter weit über das Wasser.

LAUBENVÖGEL

Laubenvögel sind nicht gerade die auffälligsten Vögel – sie sind nicht besonders bunt und haben keine ausgefallenen Federformen. Stattdessen betört das Männchen das Weibchen mit ausgefeilten Bauwerken.

„Es gibt durchaus Arten, bei denen das Männchen das Nest baut. [...] Aber die Laube ist nur dazu da, damit das Männchen angeben kann“, sagt Rowden.

Sobald sie fertig ist, sammelt das Männchen alle möglichen Gegenstände von Muscheln bis zu toten Käfern, um sie zu dekorieren. Manche ziehen bestimmte Farben vor und verleihen ihren Lauben mit Beeren einen farbenfrohen Touch. (Lesenswert: 13 dramatische Aufnahmen zeigen die Schönheit und Wildheit von Vögeln)

Es ist aber alles andere als ein fairer Wettbewerb: Die Männchen bekämpfen sich oft, sabotieren die Lauben ihrer Rivalen und stehlen ihre Dekoration. Aber wenn alles fertig arrangiert ist, singen sie ihr Liedchen. Wenn sie ein Weibchen anlocken können, führen sie einen Paarungstanz auf und paaren sich. Damit endet die Romanze aber auch schon. Sobald sie fertig sind, fliegt das Weibchen weg und das Männchen versucht, eine weitere Partnerin anzulocken.

WAHNESPARADIESVOGEL

Mit ihren spektakulären Farben zählen Paradiesvögel zu den vielleicht schönsten Vögeln der Welt – ein unschlagbarer Vorteil bei ihrer Partnersuche, aber auch ein Merkmal, das sie lange Zeit zu beliebten Jagdtrophäen gemacht hat. Die Männchen haben oft ein protziges Federkleid – beispielsweise mit großen Hauben oder Brustschildern –, das bei der Balz zum Einsatz kommt.

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Aber der Wahnesparadiesvogel verlässt sich nicht allein auf sein gutes Aussehen. Zuerst wählt er sich am Boden eine Bühne aus, die ein Weibchen von weiter oben gut sehen kann. Dann räumt er die Blätter von seiner Bühne und beginnt seinen Tanz mit einer Verbeugung.

Er plustert sein Gefieder auf und bewegt seinen Kopf vor und zurück. Vom Boden aus wirkt der Vogel, als würde er ein Tutu tragen – aber von oben sieht die Darbietung ganz anders aus. Für ein Weibchen in den Zweigen eines Baumes ist das Männchen jetzt nur noch ein schwarzes Oval, auf dem sein schimmernder Brustschild besonders gut zur Geltung kommt.

WEISSKOPFSEEADLER

Wenn zwei Weißkopfseeadler einander verfallen, dann fallen sie wirklich. In einer spektakulären Darbietung steigt das Paar hoch auf, dann greifen die Klauen der beiden Vögel ineinander und sie stürzen in einer „Todesspirale“ gen Boden. Bevor sie den Boden erreichen, lassen sie wieder los – für gewöhnlich. Es gab schon Fälle, bei denen sich die Adler nicht rechtzeitig voneinander lösten und zu Tode stürzten.

Das riskante Ritual soll den Adlern darüber Aufschluss geben, wie körperlich fit ein potenzieller Partner ist. Sobald der „Test“ bestanden ist, bleibt das Paar ein Leben lang zusammen. Die beiden Vögel bauen zusammen ein Nest und kehren jedes Jahr zurück, um sich um ein neues Gelege zu kümmern.

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