Tiere

Neuer Nashornnachwuchs entdeckt selbstbewusst die Welt

Die Rückkehr des Panzernashorns gilt als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Ende des 20. Jahrhunderts gab es nicht mal mehr 200 Exemplare. Sonntag, 27 Mai

Von Sarah Gibbens

Der Zoo der Stadt Chester im Vereinigten Königreich hat Nashornnachwuchs – und den Pflegern zufolge ist das Kalb schon eine kleine Persönlichkeit.

„Es zeigte sich schon sehr früh, dass er ein sehr selbstbewusstes junges Nashorn ist. Er ist sehr neugierig und abenteuerlustig, und ‚rotzfrech‘ scheint da eine angemessene Beschreibung zu sein“, sagt Tim Rowlands, der Säugetierkurator des Zoos.

Die weitere Persönlichkeitsentwicklung des Tieres wird auch beeinflussen, welchen Namen der Zoo dem Männchen geben wird.

Es wurde Anfang Mai von dem Weibchen Asha zur Welt gebracht und wog bei seiner Geburt schon stolze 60 Kilogramm. Als ausgewachsener Bulle wird das Tier es auf mehr als zwei Tonnen bringen. Der Neuzugang zählt zur Art der Panzernashörner, die sich unter anderem durch ihr einzelnes Horn auszeichnen, welches ihnen den wissenschaftlichen Namen Rhinoceros unicornis einbrachte. Die dicken Falten lassen ihre Haut zudem wie einen Plattenpanzer erscheinen.

Die ersten wackeligen Schritte des jungen Nashorns wurden von einer Kamera aufgezeichnet. Innerhalb eines Monats ist es rasant gewachsen. Mittlerweile zeigen Videos, wie das Jungtier verspielt bei seiner Mutter umherspringt. Asha wird sich noch anderthalb Jahre um ihren Nachwuchs kümmern, bevor das Weibchen wieder seinem einzelgängerischen Lebensstil frönen wird.

Die Pfleger des Zoos freuen sich schon auf den kommenden Bestandszuwachs der Art. Die Weltnaturschutzunion führt Panzernashörner als gefährdet auf, da sie unter anderem durch Wilderer bedroht werden, die mit dem Verkauf ihrer Hörner Profit machen. In der Wildnis kommt die Art nur noch an wenigen Orten im Nordosten Indiens und in Nepal vor. Der schwindende Lebensraum erschwert es der Art, sich in der Natur wieder zu erholen.

„Zwar ist es unwahrscheinlich, dass dieses Kalb in die Wildnis entlassen wird, aber es wir hoffentlich eine Schlüsselrolle im Zuchtprogramm für die gefährdete Art spielen“, sagt Rowlands. Der Zoo von Chester nimmt am European Endangered Species Program (EEP) teil, bei dem Zoos und Aquarien Exemplare bedrohter Arten zu Zuchtzwecken austauschen. Wenn das junge Männchen im Alter von neun Jahren die sexuelle Reife erreicht, wird es vermutlich an einen anderen europäischen Zoo überführt.

„Wenn die Probleme, die sie in freier Wildbahn bedrohen, angegangen werden und ein geeigneter Lebensraum abgesichert werden kann, ist es durchaus möglich, künftigere Generation [in die Wildnis] zu entlassen“, fügt Rowlands hinzu.

Trotz ihres Gefährdungsstatus gilt die Rückkehr der Panzernashörner als eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren nicht mal mehr 200 Exemplare übrig, die Art stand am Rande der Ausrottung. Laut dem WWF gibt es mittlerweile wieder knapp über 3.500 Tiere, was größtenteils den Schutzmaßnahmen der indischen und nepalesischen Regierungen zu verdanken ist.

Allerdings ist das Panzernashorn nicht die einzige Nashornart, die durch Wilderer und menschliche Ausbreitung bedroht ist. Vergangenen März verstarb das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn. Nun gibt es nur noch zwei Weibchen der Art, und Wissenschaftler versuchen mit allen Mitteln, eine Millionen Dollar teure Methode für die künstliche Befruchtung zu entwickeln, um ein neues Nördliches Breitmaulnashorn im Labor zu züchten.

Anfang Mai konnten Wissenschaftler am Zoo von San Diego ein Südliches Breitmaulnashorn künstlich befruchten, was zumindest vermuten lässt, dass ein Erfolg auf lange Sicht möglich wäre.

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