Tiere

Gericht verhindert umstrittene Jagd auf Yellowstone-Grizzlys

Seit 1975 gilt der Bestand rund um den Yellowstone als gefährdet. Die Behörden sind sich uneins, ob die Tiere nun wieder bejagt werden sollten.Dienstag, 2. Oktober 2018

Von Sarah Gibbens
Der Grizzlybär zählt zu den bekanntesten Arten des Yellowstone-Nationalparks.

Der Grizzlybär zählt zu den bekanntesten Arten des Yellowstone-Nationalparks. Als der U.S. Fish and Wildlife Service letztes Jahr Schritte unternahm, um die Bären im Umkreis des Parks von der Liste der gefährdeten Arten zu nehmen und die Jagd auf die Tiere im begrenzten Rahmen wieder erlaubte, waren Tierrechtsaktivisten empört. 

Dank des Urteils eines Bundesrichters werden die Grizzlys des Yellowstone nun wieder durch den Endangered Species Act geschützt. Der Richter Dana Christensen hatte sein Urteil im September verkündet. Darin hieß es, dass der Fish and Wildlife Service mit seiner Entscheidung willkürlich und rücksichtslos gehandelt und die langfristige Gesundheit der Grizzlypopulation vernachlässigt hätte. 

Warum galten die Yellowstone-Grizzlys als gefährdet? 

Die Grizzlybären des Yellowstone wurden erstmals 1975 auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt. Einst belief sich der Bestand auf mehr als 50.000 Tiere, aber die intensive Bejagung zu Beginn des 20. Jahrhunderts sorgte für einen Populationseinbruch. 

Mittlerweile ist der Bestand wieder ungefähr um das Fünffache gewachsen und viele Menschen betrachten die Rückkehr der Bären als eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. 

Die Behörden versuchten erstmals 2007, den Gefährdungsstatus der Tiere herunterzustufen, und beurteilten den Zustand der Grizzlypopulation als gesund und stabil. Dieser Beschluss wurde 2009 von einem Gericht zurückgenommen, nachdem eine Untersuchung ergeben hatte, dass eine der Hauptnahrungsquellen für die Bären – die Samen der Weißstämmigen Kiefer – aufgrund der Klimaerwärmung abnahm. 

Warum versuchte der Fish and Wildlife Service es noch mal? 

Im vergangenen Juni kündigte der Innensekretär Ryan Zinke an, dass man von Seiten der Behörden erneut versuchen würde, den Yellowstone-Grizzlys den Schutz durch den Endangered Species Act abzuerkennen, der beispielsweise die Jagd auf die Tiere verhindert. Der Fish and Wildlife Service unterstützte das Vorgehen und argumentierte, dass die Bärenpopulation eine Bejagung im kleinen Rahmen verkraften würde und das Problem mit den Weißstämmigen Kiefern angegangen worden sei. 

„Als jemand, der als Kind in Montana aufgewachsen ist, kann ich Ihnen sagen, dass das schon lange zu erwarten war und dass das wirklich gute Neuigkeiten für viele Gemeinden und Befürworter [der Jagd] in der Yellowstone-Region sind“, sagte Zinke in einer Mitteilung. 

Die Entscheidung wurde außerdem von Gruppen wie der National Rifle Association unterstützt, die die Jagd befürworten, sowie von einigen Einheimischen, die erzählten, dass die Bären sich ihrem Land näherten, ihr Vieh rissen und manchmal auch Menschen in Gefahr brachten. 

„Das ist ein extrem voreiliger Beschluss, der die Erholung des Grizzlybestands in der Region Yellowstone um Jahrzehnte zurückwerfen könnte“, sagte Bonnie Rice vom Grizzlyprogramm des Sierra Clubs 2017 in einem Interview mit National Geographic. 

Damals kündigten sowohl der Sierra Club als auch das Center for Biological Diversity rechtliche Schritte an. 

Wie begründete der Richter seine Entscheidung? 

Die genannten Wildtierorganisationen taten sich mit einer Reihe von indigenen Stämmen zusammen, um gegen den Beschluss zu klagen. 

„Fish and Wildlife hat auf staatlichen Druck hin diesen Weg eingeschlagen“, erzählt Tim Preso von EarthJustice. Der Anwalt vertritt die Kläger. 

Die Population der Grizzlybären, die im Yellowstone-Nationalpark und in dessen Umkreis leben, vermischt sich derzeit nicht mit anderen Population, die näher an der Grenze zu Kanada leben. Diese geografische Trennung bedeutet, dass die Yellowstone-Population anders eingestuft werden kann als die nördlicheren Bestände. Die Populationen in Alaska galten unter dem Endangered Species Act beispielsweise nie als gefährdet.

Im Rahmen seines Urteils erklärte Richter Christensen, dass der Staat die genetische Gesundheit der Yellowstone-Population nicht langfristig berücksichtigt hätte. Der fehlende Anschluss an andere Bärengruppen würde die Yellowstone-Grizzlys von einem genetischen Standpunkt her gefährden. 

Jetzt besteht Preso zufolge „eine Möglichkeit, die Grizzlypopulation [des Yellowstone] an die nördliche Population anzuschließen und es den Bären so zu ermöglichen, sich wieder im zentralen Idaho anzusiedeln, einem Teil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes“. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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