Stunde der Wintervögel: Viele Spatzen, wenig Meisen und ein grünes Sorgenkind

Welche Vögel sind die häufigsten Gäste in Deutschlands Gärten? Mehr als 185.000 Vogelfans wollten es wissen und haben sich an der diesjährigen Zählaktion des Nabu beteiligt – so viele wie noch nie.

Veröffentlicht am 13. Jan. 2021, 14:46 MEZ
Grünfink
Große Sorge um den Grünfink: Sein Bestandsrückgang alarmiert die Vogelschützer.
Bild Nabu/I. Ludwichowski.

Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling, Amsel und Blaumeise: Das sind die fünf häufigsten Wintervögel in Deutschlands Gärten. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt die diesjährige Vogelzählaktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu). Naturfans waren dazu aufgerufen, Vögel in Gärten und Parks zu zählen und zu melden. Noch bis zum 18. Januar können Beobachtungen an den Nabu nachgereicht werden.

Mehr Ringeltauben und Rotkehlchen

Zu den klaren Gewinnern zählt wie im Vorjahr der Haussperling. Mit knapp 900.000 Exemplaren wurden noch nie so viele Spatzen in Deutschlands Gärten gezählt wie in diesem Winter. Im Schnitt waren das rund sieben Hausperlinge pro Garten.

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Einen neuen Rekord erreicht auch die Ringeltaube, die mit rund 143.000 Sichtungen zum achthäufigsten Wintervogel in Deutschlands Gärten aufsteigt. Grund sei nicht nur die allgemeine Bestandszunahme der Art. Viele Tauben würden inzwischen im Winter nicht mehr in den Süden ziehen. Auch weitere sesshafte Arten wie das Rotkehlchen scheinen laut Nabu von den zunehmend milden Wintern zu profitieren.

Insgesamt weniger Gartenvögel

Andere Ergebnisse seien hingegen weniger erfreulich. „Die Gesamtzahl von derzeit 34,3 Vögeln pro Garten stellt den bisher niedrigsten Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 dar“, sagt Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Insgesamt sei das Ergebnis fast ein Spiegelbild des Winters 2017.

„Auch damals fehlten besonders die typischen Futterplatzbesucher wie Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer“, so Lachmann. Bei diesen Arten handele es sich um Vögel, deren Winterbestände auf Zuzügler aus dem Norden angewiesen seien. Ein solcher Zuzug sei allerdings „im kurz vor der Zählung europaweit sehr milden Winter wohl teilweise ausgeblieben“.

Galerie: Deutschlands Wintervögel

Grundsätzlich würden die winterlichen Vogelzahlen in den Gärten stark von der Witterung abhängen, unterstreicht der Nabu-Experte. In kalten und schneereichen Wintern kämen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. So wurden in diesem Jahr auch Blaumeisen seltener beobachtet. Ob das Meisensterben aus dem Frühjahr 2020 hier Spuren hinterlassen habe, müsse aber erst noch ausgewertet werden.

Grünfink im Sinkflug

Große Sorge bereitet den Naturschützern indes der Grünfink. Diesmal meldeten die Teilnehmer durchschnittlich weniger als ein Exemplar pro Garten und damit so wenige wie noch nie. Im Vergleich zum Jahr 2011 seien die Sichtungen um 75 Prozent zurückgegangen. Als Ursache nennt der Nabu unter anderem den einzelligen Parasiten Trichomonas gallinae, mit dem sich der Grünfink häufig an sommerlichen Vogelfutterstellen infiziere.

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