Sensationsfund: Urzeit-Krokodil fraß kompletten Dinosaurier

Im Magen des Fossils einer neu bestimmten Krokodilart aus der Kreidezeit haben Forscher ein halb verdautes Exemplar der Gattung Ornithopoda entdeckt. Der Fund liefert neue Aufschlüsse über die damalige Nahrungskette.

Veröffentlicht am 21. Feb. 2022, 16:19 MEZ, Aktualisiert am 22. Feb. 2022, 09:39 MEZ
Urzeit-Krokodil frisst Dinosaurier

Illustration des Krokodils Confractosuchus sauroktonos während seiner letzten Mahlzeit. Der Mageninhalt mit Knochen eines jungen Dinosauriers wurde rein zufällig bei der Untersuchung des rund 95 Millionen Jahre alten Fossils entdeckt.

Foto von Illustration: Julius Csotonyi / White et al., Gondwana Research 2022

In Australien haben Forschende der Universität of New England eine brisante Entdeckung veröffentlicht: Im Magen eines versteinerten Krokodils aus der Kreidezeit wurden teilweise verdaute Überreste eines Dinosauriers entdeckt. Bei der Beute handelt es sich um ein ehemals rund 1,7 Kilogramm schweres Jungtier der Gattung Ornithopoda, etwa in der Größe eines Huhnes.

Das Team um Forschungsleiter Dr. Matt White wies Indizien an den Knochen des Dinosauriers nach, die bestärken, dass das Krokodil seine letzte Beute entweder selbst tötete oder sie kurz nach deren Tod fraß. Weltweit sind nur wenige andere Beispiele für Prädatoren bekannt, die Jagd auf Dinosaurier machten. Der Fund aus Winston im australischen West-Queensland liefere nicht nur den ersten Beweis dafür, dass diese auch Krokodilen zum Opfer fielen - er gibt auch einen weiteren Grund zur Annahme, dass „Dinosaurier eine wichtige Ressource im ökologischen Nahrungsnetz der Kreidezeit darstellten“, so White.

Eine neue Art und Gattung von Krokodilen

Das Urzeit-Krokodil wurde bereits im Jahr 2010 von Wissenschaftlern des Australian Age of Dinosaurs Museum aus einer rund 95 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht ausgegraben. Und es war schon damals, auch ohne Kenntnis seines Mageninhaltes, ein spannender Fund, denn es handelt sich um eine bis dahin unbekannte Krokodilart. Sie trägt nun den Namen Confractosuchus sauroktonos.

Um das Tier genauer zu untersuchen, wurden in Zusammenarbeit mit der Australischen Nuklearwissenschafts- und Nukleartechnikorganisation (ANSTO) spezielle Techniken angewendet. Für herkömmliche Präparationsmethoden, bei denen das dazwischenliegende Gestein mechanisch entfernt wird, waren die Knochen zu zerbrechlich. Deshalb wurden die winzigen, dicht an dicht gedrängten Knochenfragmente mit Hilfe von Röntgen- und Mikro-CT Scanning-Technologien erfasst. Rund zehn Monate dauerte die anschließende 3D-Rekonstruktion am Computer.

Diese brachte ein gut erhaltenes Skelett zum Vorschein, dem jedoch Hinterbeine und der Schwanz fehlen. „Zum Zeitpunkt seines Todes war dieses Süßwasserkrokodil etwa 2,5 Meter lang und noch nicht ausgewachsen”, erklärt Dr. White. Vor allem der Schädel ist nahezu komplett erhalten. Gestorben sei das Tier wohl an einer plötzlich auftretenden Flut, die es mit Schlamm verschüttete.

Neben dem nahezu vollständigen Schädel mit Gebiss und dem halb-postkranialen Skelett fehlen offensichtlich der Schwanz und die Hinterbeine des Krokodils. Die rot markierten Knochenteile entsprechen dem Mageninhalt - also den Knochen des jungen Dinosauriers.

Foto von White et al, Gondwana Research 2022

Krokodile machten Jagd auf Dinosaurier

Die letzte Mahlzeit des Krokodils wurde unterdessen rein zufällig entdeckt, als die Proben der Durchdringungskraft von Neutronen ausgesetzt wurden. Bereits im Jahr 2015 schlussfolgerte Dr. Joseph Bevitt, Leitender Instrumentenwissenschaftler der ANSTO,  aufgrund der Knochenstruktur, dass es sich um einen Dinosaurier handeln müsste. Und er behielt recht.

Sicher ist, dass er zur Gattung der Ornithopoda gehörte. Eine exakte Zuordnung gelang aufgrund von fehlendem Vergleichsmaterial jedoch bis heute nicht. Durch die Analyse von geologischen Merkmalen, die sich in den Zwischenräumen des Skeletts erkennen ließen, konnte aber zweifelsfrei belegt werden, dass der Dinosaurier tatsächlich von dem Krokodil verschlungen wurde und sich die beiden Fossile nicht zufällig zusammen dort befanden. 

Begutachten kann man das herausragende Exemplar nun im Australian Age of Dinosaurs Museum, dass nur rund 25 Kilometer vom Fundort entfernt liegt. 

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