Warum Namibia jetzt Elefanten versteigert

Namibia fängt wildlebende Dickhäuter ein und verkauft sie bis nach Dubai. Aus guten Gründen – sagt die Regierung. Tierschützer schlagen Alarm.

Veröffentlicht am 17. März 2022, 12:28 MEZ
Elefant vor einem Gebirgszug, umgeben von toten Bäumen.

Schätzungsweise bis zu 25.000 Elefanten teilen sich die weiten Landschaften des dünn besiedelten Wüstenstaats mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern. 100 wildlebende Elefanten pro Kopf erscheinen der namibischen Regierung jedoch zu viel.

Foto von Jonathan Irish, Nat Geo Image Collection

Eigentlich ist es ein Grund zur Freude: Innerhalb der letzten 30 Jahre ist der Bestand der Afrikanischen Elefanten in Namibia um stolze 60 Prozent gestiegen. Zu verdanken sind diese Erfolge nicht zuletzt den außerordentlichen Leistungen der Länder des Kontinents für den Schutz der Tiere.

Doch nun werden diese Zahlen von der örtlichen Regierung als zu hoch empfunden. So ordnete Namibia jüngst, trotz internationaler Kritik, den Fang von 35 Elefanten an – um sie zu versteigern. Mit weiteren Wildfängen in naher Zukunft ist zu rechnen. Richtlinien und Abkommen zum Trotz genehmigt die Regierung mit Sitz in Windhoek nun zusätzlich den Export der Tiere, beispielsweise in die Arabischen Emirate.

Der Wert eines Elefantenlebens

Für das Vorgehen des Landes gibt es verschiedene Gründe. Grund eins: Tier- und Naturschutz kostet Geld, und die Versteigerung bringt solches ein. Bis zu 10.000 Dollar werden für einen Afrikanischen Elefanten geboten. Bei der jüngsten Versteigerung des Landes kamen 22 wildgefangene Exemplare „unter den Hammer” – und damit in den Besitz eines in Namibia ansässigen Wildtierzüchters. Zumindest vorübergehend.

Fragwürdige und lukrative Weiterverkäufe an den Al Ain Zoo in Abu Dhabi und einen Safaripark nahe Dubai besiegeln nun das Ende eines freien Lebens der Dickhäuter. Laut der Tierschutzorganisation Pro Wildlife e.V. waren unter ihnen auch neugeborene Jungtiere. Auskunft über deren Gesundheitszustand und über eine gesundheitlich angeschlagene Elefantenkuh liegen nicht vor. Tierschützer sind alarmiert.

„Der Fang wilder Elefanten für die lebenslange Gefangenschaft in Vergnügungsparks und Zoos ist nicht nur grausam, die Ausfuhr verstößt auch gegen internationale Artenschutzbestimmungen“, äußert sich die Biologin Daniela Freyer von Pro Wildlife. Zum Beispiel gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Dessen Richtlinien sehen vor, dass namibische Elefanten ausschließlich in andere afrikanische Länder und lediglich zum Zwecke des Artenschutzes exportiert werden dürfen.

Doch Exporte aus dem Jahr 2021 belegen, dass es dabei eben nicht bleibt: Lediglich 15 von 57 wild gefangenen und privat ersteigerten Elefanten verblieben im Land. Unter starker Kritik genehmigt das CITES-Sekretariat Auslieferungen also unter Umständen nichtsdestotrotz.

Galerie: Einblicke in die Welt der Schmuggelware (Triggerwarnung)

Die Frage nach dem Warum

Warum wendet sich die Namibische Regierung nun gegen den Afrikanischen Elefanten? Grund dafür sind laut ihr die anhaltenden Dürreperioden, mit denen das Land zu kämpfen hat. Diese machen sowohl den Menschen als auch der Tierwelt zu schaffen. Auf der Suche nach Wasser kommt es durch die größten Landsäugetiere der Welt scheinbar immer wieder zu Schäden in bewohnten Gebieten und Konflikten mit Einwohnern. Laut des namibischen Ministeriums für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT) kam es in den letzten drei Jahren in 923 Fällen zu landwirtschaftlichen Schäden durch die Tiere und zu vier Todesfällen.

Das Reduzieren der Bestände durch den Verkauf der Tiere soll diesen unter Umständen gefährlichen Situationen entgegenwirken. Zusätzlich argumentiert die Regierung Namibias, dass die Erlöse wiederum für den Naturschutz benötigt werden.

Laut der Schweizer Franz-Weber-Stiftung begründet das Land seine Entscheidung jedoch mit einer umstrittenen juristischen Auslegung und vorsätzlichen Fehlinterpretationen der geltenden Bestimmungen. Das südwestafrikanische Land bestreitet jegliche Verstöße gegen das internationale Tierschutzabkommen.

Gegensätzliche Argumente und lukrative Geschäfte

Der namibische Jagdverband (NAPHA) teilt mit, dass die Tierschutzorganisationen keinerlei Rücksicht auf die Rechte der Gemeinschaften vor Ort nehmen würden und unterstützt das Vorgehen der Regierung. Tierschützern zufolge gibt es in der Region von Kamanjab hauptsächlich kommerzielle Landwirtschaft und eine sehr niedrige Bevölkerungsdichte. In offiziellen Daten finden sich in der Region kaum verzeichnete Konflikte zwischen Elefanten und Menschen.

Im Gegenteil: Die Population von Wüstenelefanten in dem von Trockenheit geplagten Gebiet im Nordwesten des Landes ist äußerst gering. Und ist von derartigen Eingriffen stark gefährdet. „Die Begründung für diesen Deal, von dem nur einige Geschäftsleute profitieren, ist mehr als fadenscheinig. Für die Menschen und Tiere in Namibia ist diese Geschichte eindeutig ein Verlustgeschäft“, so Freyer von Pro Wildlife.

Die Regierung Namibias verweist unterdessen auf ihre Erfolge im Naturschutz und die Bemühungen, das Zusammenleben mit wilden Tieren für alle Parteien bestmöglich zu gestalten. Zudem fordert sie dazu auf, Vorschläge für alternative Lösungen gegen die zunehmenden Konflikte und für eine bessere Koexistenz zwischen Menschen und Wildtieren zu finden.

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