Biene, Käfer, Ameise: Wie überwintern Insekten?

Das Summen der Bienen verstummt, kleine Krabbler machen sich rar: Im Winter wird es auch in der Insektenwelt ruhiger. Doch wohin verschwinden die Sechsbeiner in der kalten Jahreszeit?

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 14. Nov. 2022, 09:30 MEZ
Ein schneebedeckter Ameisenhaufen.

Im Winter ziehen sich Insekten wie Ameisen vor Kälte und Schnee zurück. Doch wo verstecken sie sich während wir frieren?

Foto von Sergei / Adobe Stock

Obwohl sie im Winter viel seltener zu sehen sind als in den warmen Monaten des Jahres, sind sie da: Viele Insekten bleiben trotz niedriger Temperaturen in unseren Gefilden und harren aus, bis es im Frühling wieder wärmer wird. Wo verstecken sich die Sechsbeiner und mit welchen Tricks überstehen sie die Winterzeit? 

Schmetterlinge

Nicht alle Schmetterlingsarten verbringen die kalten Monate bei uns. Der Admiral legt zum Beispiel im Herbst eine Strecke von mehreren tausend Kilometern bis nach Südeuropa oder Nordafrika zurück und auch der Distelfalter bevorzugt ein wärmeres Klima. Sein Winterquartier liegt in Westafrika.

Doch einige Spezies bleiben bei uns und trotzen dem deutschen Winter tapfer. Der Zitronenfalter kann beispielsweise Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celcius nahezu unbeschadet überstehen. Ermöglicht wird ihm das durch ein körpereigenes Frostschutzmittel – das Glycerin –, das den Gefrierpunkt von Wasser senkt. So auch im Körper des Schmetterlings. Zusätzlich lässt der Falter, sobald es kalt wird, einen großen Teil dieses im Körper eingelagerten Wassers ab und sucht sich einen sicheren Unterschlupf. Auf diese Weise erfriert er selbst bei Minusgraden nicht.

Schmetterlinge überstehen den Winter entweder, indem sie gen Süden reisen oder indem sie sich einen geeigneten Unterschlupf suchen. Sobald es im Frühling wärmer wird, erwachen sie dann entweder aus der Winterstarre oder reisen zurück in unsere Gefilde.

Foto von maestrovideo / Adobe Stock

Auch andere Falter wie das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs suchen Unterschlupf in Höhlen, auf Dachböden, in Kellern und Garagen. Dort halten sie Winterruhe und bleiben, bis sie im Frühjahr wieder erwachen und auf Nektarsuche gehen können.

Honig- und Wildbienen

Obwohl Honigbienen nicht besonders alt werden, bilden sie mehrjährige Völker, die gemeinsam über den Winter kommen. Dabei helfen die sogenannten Winterbienen, die im Gegensatz zu den Sommerbienen nicht nur einige Wochen, sondern ganze sechs Monate alt werden können. Dadurch, dass sie eine längere Lebensdauer haben, entfällt im Winter die Notwendigkeit, neue Brut heranzuziehen. Das spart Ressourcen und Energie. 

Um die Königin vor der Kälte zu schützen, formen alle Bienen eines Volkes eine Art Traube, in deren Mitte es besonders warm ist. Die Temperatur von mindestens 25 Grad Celsius erreichen die Bienen, indem die Arbeiterinnen durch Kontraktionen ihrer Muskeln ihre Körpertemperatur hochhalten. Wird den äußeren Bienen zu kalt, tauschen sie einfach mit Bienen aus dem Inneren den Platz. 

Wildbienen, die keinen eigenen Staat haben, haben es schwerer: Sie überwintern als Biene oder Bienenpuppe in einem Kokon. Unterschlupf finden sie in Asthöhlen, Büschen, Trockenmauern oder Steinhaufen. Um ihnen durch die kalte Jahreszeit zu helfen, sollte man Gehölz oder offene Bodenstellen im Garten für sie bereithalten. Auch Insektenhotels können Wildbienen ein geeignetes Winterquartier bieten.

Ameisen

In tropischen Gefilden sind Ameisen meist das ganze Jahr über aktiv. Die in Deutschland heimischen Arten ziehen sich ab Anfang November in ihren unterirdischen Bau einige Meter unter der Erdoberfläche und unter dem sichtbaren, oberirdischen Teil des Baus zurück. Sie verschließen alle Ausgänge, um ihren Unterschlupf vor Schnee zu schützen und verfallen dann in eine Starre, in der der Stoffwechsel stark heruntergefahren wird – die Winterruhe. 

Zuvor futtern sich vor allem die jungen Arbeiterinnen genug Reserven an, um im nächsten Frühjahr die ab Oktober ausgesetzte Fütterung der Larven wieder aufnehmen zu können. Sie sind die ersten, die nach dem Winter aus der Starre erwachen, und sich im oberirdischen Teil des Baus von der Frühlingssonne wärmen lassen.

Marienkäfer

Marienkäfer haben ebenfalls das Frostschutzmittel Glycerin im Körper und können so, ähnlich wie der Zitronenfalter, auch niedrige Temperaturen überleben. Unterschlupf suchen auch sie mit Eintreten des Herbsts oft in Kellern, auf Dachböden oder in Laubhaufen im Garten. Dabei bilden sie Gruppen von bis zu hundert Tieren und verfallen bis zum Frühling in eine Winterstarre. Nach dem Erwachen begeben sie sich sofort auf Futtersuche. Dabei haben vor allem die Tiere, die im Freien überwintert haben, einen Vorteil: Ihre Leibspeise, die Blattlaus, ist hier nicht weit.

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