Prähistorische Eiersuche: 9 spektakuläre Funde fossiler Eier

Vom ältesten Dinosaurierei bis zum ungeschlüpften „Drachenembryo” – in den vergangenen Jahrzehnten haben Paläontologen auf der ganzen Welt Zehntausende fossile Eier gefunden. National Geographic hat die spannendsten Entdeckungen gesammelt.

Die Gruppe der Oviraptosauria wies einige Vogelmerkmale auf. Wie in dieser Illustration dargestellt brüteten manche ihre Eier in Nestern aus, wie es moderne Vögel heutzutage tun.

Foto von Masato Hattori
Von Nina Piatscheck
Veröffentlicht am 5. Apr. 2023, 09:04 MESZ

Die neun Funde im Überblick

Wenn es um Funde von Dinosauriern geht, denken wir schnell an gigantische Knochen und Skelette. Doch die Tiere haben noch andere Spuren hinterlassen, die für die Wissenschaft sehr wertvoll sind: ihre Eier. Diese waren im Verhältnis zur Körpergröße ihrer Eltern meist ziemlich klein. So wog eine vier Tonnen schwere Dino-Mama 2.500 Mal so viel wie ihr frisch geschlüpftes Junges. 

Im Laufe der Jahrzehnte wurden weltweit Zehntausende Überreste von Dinosauriereiern gefunden. Allein in der chinesischen Stadt Heyuan gruben Paläontologinnen und Paläontologen über 17.000 von ihnen aus. Wir geben einen Überblick über die spannendsten fossilen Funde – von Dinosauriern und anderen Spezies.

1. Einer der besterhaltenen Dino-Embryos der Welt

Das Fossil, das den Namen Baby Yingliang trägt, ist einer der besterhaltenen Dinosaurierembryos der Welt. Diese Illustration des Baby-Dinos ging um die Welt. 

Foto von Lida Xing

Das Bild von „Baby Yingliang“ ging um die Welt: Ein Oviraptorosauria-Baby, eingerollt in seinem Ei. Es ist eines der vollständigsten Fossilien dieser Art, die je gefunden wurden. Besonders interessant an dem Fund ist, wie sehr der uralte Embryo modernen Küken vor dem Schlupf ähnelt. 

Entdeckt wurde das Ei im Jahr 2000 bei Bauarbeiten in der Provinz Jiangxi im Süden Chinas. Doch erst viel später wurde sein Inhalt untersucht und im Jahr 2021 in einer Studie vorgestellt. Mit seinem Alter von etwa 70 Millionen Jahren ist der kleine Oviraptorosaurier aber bei Weitem nicht der älteste bekannte Dinosaurierembryo: 2005 entdeckten Forschende in Südafrika ein 190 Millionen Jahre altes ungeschlüpftes Dinosaurierbaby. 

2. Der seltenste aller seltenen Funde 

Lange war unklar, ob Dinosaurier gebrütet haben oder nicht. Dann entdeckte ein Forschungsteam der Yunnan-Universität in China ein fossiles Nest mit ungeschlüpften Eiern. Darauf: das Skelett eines ausgewachsenen Oviraptorosauriers. Laut einer im Fachmagazin Science Bulletin erschienenen Studie handelt es sich bei dem rund 70 Millionen Jahre alten Nest aus der späten Kreidezeit um den ersten fossilen Beweis dafür, dass es Dinosaurier gab, die auf ihren Eiern saßen, um sie zu wärmen. „Unter allen seltenen Dinosaurierfunden ist dies der seltenste – er zeigt fossilisiertes Verhalten“, sagt Co-Autor ​​Matthew Lamanna vom Carnegie Museum of Natural History.

3. Meilenstein der Paläontologie

Der Fund in Südafrika und die dazugehörige Studie aus dem Jahr 2012 waren historisch: Eine Reihe von Nestern, die von Dinosauriern der Gattung Massospondylus stammten, waren so angeordnet, dass  Forschende daraus schlossen, dass die Tiere ihre Eier gemeinsam legten und die Jungtiere in Gruppen versorgten. Dass auch Überreste von größeren Jungtieren gefunden wurden, ist den Forschenden zufolge ein Hinweis darauf, dass die Dinobabys nicht nur an dem Ort schlüpften, sondern auch aufwuchsen. Dinosaurier lebten demnach in sozialen Strukturen – eine Erkenntnis, die man als Meilenstein der Forschung betrachten kann. 

4. Die ältesten Dinosauriernester der Welt

Die ältesten Dinosauriernester der Welt wurden im Jahr 2021 in Argentinien gefunden. Sie sind über 193 Millionen Jahre alt – und damit mindestens drei Millionen Jahre älter als der vorherige Rekordhalter aus Südafrika. Die über einhundert fossilen Eier und 80 Skelette der Gattung Mussaurus, die an der Fundstelle entdeckt wurden, liefern außerdem den derzeit ältesten Beweis für Herdenbildung bei Dinosauriern. 

5. Die blauen Eier von Heyuannia huangi

Lange nahm man an, dass farbige Eierschalen sich erst nach dem Aussterben der an Land lebenden Dinosaurier entwickelt haben. Diese Annahme mussten Forschende korrigieren, als sie im Jahr 2017 versteinerte Eierschalen aus China einer genaueren Untersuchung unterzogen. Das versteinerte Gelege eines straußenähnlichen Oviraptors namens Heyuannia huangi war blau-grün. „Alle dachten, Dinosauriereier waren weiß“, sagt Jasmina Wiemann von der Yale-Universität, Co-Autorin der Studie. „Aber das waren sie nicht immer.“

Galerie: Spektakuläre Funde fossiler Eier 

6. Das Ei des „Babydrachen“

1993 wurde im chinesischen Henan ein Ei gefunden. Sein Inhalt war extrem gut erhalten – und so schaffte es ein Bild des Babyfossils 1996 auf die Titelseite des National Geographic Magazins in den USA. „Baby Louie“ wurde nach dem Fotografen des damaligen Artikels, Louis Psihoyas, benannt. Das Bild wurde weltweit bekannt.

Erst 24 Jahre später ordneten Forschende im Rahmen einer Studie den Mini-Oviraptor einer Gattung zu: Beibeilong sinensis – was so viel heißt wie „Babydrache aus China“. Vertreter der Oviraptoren sind meist recht klein. Nicht so der „Babydrache“: Ausgewachsene Tiere erreichten eine Körperlänge von über sieben Metern und wogen mehr als drei Tonnen. Auch die Eier waren mit bis zu 45 Zentimetern außergewöhnlich lang.

7. Das teuerste fossile Ei der Welt

Dinosauriereier sind wertvoll, doch das teuerste Ei der Welt stammt von einem Vogel. Gelegt wurde es von einem Elefantenvogel (Aepyornis maximus) – einer einst auf Madagaskar lebenden, straußenähnlichen Art, die bis zu drei Meter groß wurde und im 17. Jahrhundert ausstarb. Bei einer Auktion im Jahr 2013 erzielte das „teilweise fossilierte“ Riesenei den Rekordpreis von über 100.000 US-Dollar. 

Weltweit soll es weniger als 40 noch erhaltene Elefantenvogel-Eier geben. Doch sie sind nicht nur selten, sondern auch besonders groß: Eines hat das Gewicht von rund 190 Hühnereiern und ist bis zu 30 Zentimeter lang. Bewundern kann man eines dieser Eier der Superlative im Buffalo Museum of Science im US-Bundesstaat New York. 

8. Embryo einer prähistorischen Riesenschildkröte

Erst dachte man, bei dem billardkugelgroßen Ei, das im Jahr 2018 im chinesischen Neixiang entdeckt wurde, handele sich um ein Dinosaurierei. Dann aber fand man darin den versteinerten Embryo einer riesigen prähistorischen Schildkröte. Das Tier, das das Ei gelegt hat, war Schätzungen der Forschenden zufolge so lang wie ein durchschnittlich großer ausgewachsener Mensch. Die heute ausgestorbenen Landschildkröten bevölkerten die Erde in der Kreidezeit – zur selben Zeit wie die Dinosaurier. 

9. Vom Müll zum historischen Beleg

Nicht nur die Eier ausgestorbener Arten sind für die Wissenschaft spannend. Die millimetergroßen Splitter eines 2.400 Jahre alten Hühnereis, die Archäologen bei Nördlingen fanden, waren für die Forschung Gold wert. Das älteste bekannte Hühnerei nördlich der Alpen gibt Einblicke in die Ernährungsweise der Menschen in der späten Eisenzeit. Da es zwischen Speiseresten gefunden wurde, beweist es: Schon damals hielten Menschen Hühner und aßen ihre Eier. 

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