Umwelt

Eure alten Handys können helfen, den Regenwald zu retten

Der National Geographic Explorer Topher White hat eine clevere Methode entwickelt, um nach Geräuschen illegaler Rodung zu lauschen. Donnerstag, 2 November

Von Christina Nunez

Topher White verbringt viel Zeit damit, durch den Wald zu laufen und darüber nachzudenken, wie schnell wir ihn verlieren. Mitunter ist er so in Gedanken versunken, dass er sich ein blaues Auge durch herabfallende Äste einfängt.

Das ist aber nur ein kleines Beispiel dessen, was er zu ertragen gewillt ist, um die globale Waldzerstörung zu stoppen. White ist der Gründer der gemeinnützigen Rainforest Connection mit Sitz in San Francisco – und er hat eine einfache, aber geniale Strategie entwickelt. Er benutzt alte Handys, um nach Geräuschen der Zerstörung zu horchen.

Weltweit verschwinden die Wälder mit großer Geschwindigkeit: Jedes Jahr gehen Abschnitte von der Größe halb Englands verloren. In den letzten 40 Jahren hat der Amazonas fast ein Fünftel seines Regewalds eingebüßt.

Der Verlust des Waldes schadet nicht nur den Tieren, inklusive vieler Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Er trägt auch zu den Treibhausgas-Emissionen bei, die den Klimawandel vorantreiben. Insgesamt entfallen 17 Prozent der jährlichen Emissionen auf die Rodung der Wälder.

 „Ich wusste das alles nicht, als ich angefangen habe“, sagt White. Er begann seine Reise 2011, als er auf der indonesischen Insel Borneo den aussterbenden Gibbons helfen wollte.

 „Ich dachte einfach nur, dass es darum ging, diese kleinen Gebiete und die Tiere zu beschützen“, erzählte er National Geographic vor Kurzem. „Aber nein, [Entwaldung ist] tatsächlich einer der größten Faktoren, die zum Klimawandel beitragen.“

Zwischen 50 und 90 Prozent der Abholzung in den Regenwäldern geschieht laut White illegal. Kettensägen und andere Geräusche der Rodung lassen sich mitunter auch nur schwer ausmachen, da die Luft erfüllt ist von der Kakophonie der Natur.

Also hat er ein System entwickelt, bei dem er ein Handy so manipuliert, dass es über Solarzellen konstant mit Strom versorgt wird. Dann baut er ein zusätzliches Mikrofon an das Handy und lauscht. Das Gerät kann die Geräusche von Kettensägen im Umkreis von etwa anderthalb Kilometern wahrnehmen. (Hier findet ihr Informationen darüber, wie ihr eure alten Handys an das Projekt spenden könnt.)

Tatsächlich ist der Empfang im Regenwald oft auch gar nicht so schlecht, wie man vermuten könnte. Oben in den Baumwipfeln „kann man Signale von ziemlich weit weg empfangen“, sagt White, der seit 2015 auch ein National Geographic Explorer ist.

ERFOLG VON ANFANG AN

Da es nicht machbar ist, die Telefone durchgängig von Leuten abhören zu lassen, hat er ein bisschen „Datenanalyse der alten Schule“ mit eingebracht. So kann der interne Computer des Handys das Geräusch von Kettensägen von anderen Geräuschen des Waldes unterscheiden.

Auf diese Art kann das Gerät Holzfällarbeiten automatisch entdecken und schickt eine Textnachricht an Behörden. Diese können dann feststellen, ob es sich um illegale Abholzung handelt, und sie gegebenenfalls unterbinden.

Als White und einige Förster die Idee auf Sumatra in Indonesien testeten, fingen sie schon am zweiten Tag die Geräusche von Kettensägen im Regenwald ein. Sie begaben sich zur Quelle des Lärms und erwischten illegale Holzfäller bei der Arbeit. Sie überzeugten die Männer, ihre Aktivitäten besser nicht fortzusetzen.

White verweist darauf, dass er in diesem Kampf nicht allein ist: Viele Menschen und Organisationen arbeiten unermüdlich daran, das Verschwinden der Wälder zu stoppen.

Eingeborene Gruppen seien beispielsweise ganz besonders aktiv an den Bemühungen zum Schutz des Waldes beteiligt, sagt White.

„Wenn man ihnen dabei helfen kann, ihre Arbeit effektiver zu verrichten, dann kann man schon einen richtigen Einschnitt in die Gleichung des Klimawandels erzielen. Das könnte der billigste und schnellste Weg sein, ihn zu stoppen.“

AUF NEUEN KANÄLEN

In den letzten zwei Jahren wurde die Nutzung von Überwachungsgeräten weltweit ausgebaut, sagt White. Bisher kamen sie in Kamerun, Ecuador, Peru und Brasilien zum Einsatz und sollen bald auch in Bolivien angewendet werden.

Dabei geht es nicht nur darum, Baumfällarbeiten zu entdecken. Dieselbe Technologie kann auch die Laute ganz bestimmter Vögel ausmachen. Daher betrachtet White die Waldaufnahmen auch als ein potenzielles Werkzeug für die Wissenschaft. Er drängt Biologen und Ökologen dazu, sein Überwachungssystem überall einzusetzen, ob nun in einem abgelegenen Wald oder einem Londoner Park.

„Je mehr wir über diese Orte lernen“, sagt er, „desto einfacher wird es sein, sie zu schützen.“

Christina Nunez auf Twitter folgen.

Wei­ter­le­sen