Umwelt

„Halbe Erde“ schützen, um die Artenvielfalt zu retten

Noch ist es möglich, die Tierarten der Welt vor einem Massenaussterben zu bewahren – aber es muss sofort gehandelt werden. Donnerstag, 9. November 2017

Die zahlreichen Arten unseres Planeten erleben zunehmend einen drastischen Rückgang, und 86 Prozent von ihnen sind uns womöglich noch nicht einmal bekannt. Laut Studien ist die Aussterberate aktuell so hoch, dass die Erde in das sechste große Massenaussterben eintritt. Aber eine Gruppe von Wissenschaftlern hat einen Plan, der verhindern soll, dass sich die Situation verschlimmert.

Der halbe Planet. Das ist das Ausmaß an Land- und Meeresschutzgebieten, das laut einigen Wissenschaftlern nötig ist, um mindestens 85 Prozent der weltweiten Arten zu retten.

Das Unterfangen zählt zu den ambitioniertesten Träumen der Umweltschützer. Eine ganze Weile war es dabei nicht viel mehr als eine Theorie. Aber jetzt hat eine Gruppe prominenter Wissenschaftler einen Plan entwickelt, um dieses Ziel zu erreichen. Gestern wurde das Projekt auf einer Veranstaltung namens „Half Earth Day“ (Tag der halben Erde) vorgestellt.

Das Konzept wurde ursprünglich 2016 von dem berühmten Biologen E.O. Wilson in seinem Buch „Half Earth“ (Die halbe Erde) vorgestellt. Wilson, der mittlerweile 88 Jahre alt ist, hat jahrzehntelang für die Biodiversität gekämpft (ein Begriff, zu dessen Popularität er ebenfalls beigetragen hat).

Eine frühe Ausgabe des National Geographic Magazins hatte ihn damals inspiriert, die Ökosysteme zu retten, die nun stark durch Bauprojekte und den Klimawandel bedroht sind.

Daher scheint es passend, dass seine Stiftung ihre Pläne gestern erstmals der Öffentlichkeit im Washingtoner Hauptquartier von National Geographic präsentierte. Die Veranstaltung wurde von E. O. Wilsons Stiftung für Biodiversität und National Geographic zusammen ausgerichtet.

Am Montagnachmittag gab es zwei große Events, an denen die Öffentlichkeit ebenfalls teilnehmen konnte. Das erste trug den Titel „Umweltschutz in Aktion“ und sprach über Modelle des Land- und Umweltschutzes im großen Stil. Beim zweiten, späteren Event waren E.O. Wilson selbst, der Musiker Paul Simon und der Autor Sean B. Carroll anwesend, um die praktischen Schritte zu besprechen, die nötig sind, um die Umwelt in einem so großen Ausmaß zu schützen. 

Ein weiterer Programmpunkt war ein Versuch von Wissenschaftlern, die Erde so aufzuteilen, dass etwa die Hälfte des Planeten dem Naturschutz vorbehalten ist.

Was genau aber will man damit erreichen?

In seinem Buch über dieses Konzept erklärt Wilson, dass 80 bis 90 Prozent aller Arten gerettet werden könnten, wenn 50 Prozent des weltweiten Lebensraums für die wilde Tierwelt reserviert wären.

Sandkatze, Felis margarita, Chattanooga Zoo, USA
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„Wir stellen uns ein Spektrum aus völlig wilden Orten vor“, sagte Paula Ehrlich, die Leiterin der Stiftung. Das reicht ihr zufolge von kleinen Schmetterlingsgärten im eigenen Hinterhof bis zu Biotopverbunden, also miteinander verbundenen Schutzgebieten, zwischen denen sich die Arten einfach bewegen können.

Wilsons Konzept basiert auf einer Theorie, die er in den 1960ern zusammen mit dem Ökologen Robert MacArthur entwickelte und Inselbiogeografie nannte. Sie besagt, dass größere und vielfältigere Lebensräume Tierarten eine größere Überlebenschance bieten.

Wilsons Stiftung möchte diese Theorie nun in praktischen Schritten umsetzen, indem sie aufzeigt, wo genau ihrer Meinung nach diese Schutzgebiete etabliert werden sollten. Laut Ehrlich wurden diese Karten basierend auf dem Verbreitungsgebiet und der Verteilung von Arten sowie dem Risiko für menschliche Einwirkungen erstellt. Sie hofft, dass die Menschen handeln werden, sobald sie erst einmal wissen, welche Gebiete geschützt werden müssen.

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