Umwelt

795.000 Liter Öl aus Keystone Pipeline ausgetreten

Die Angst vor Vorfällen wie diesem hat im vergangenen Jahr zu monatelangen Protesten gegen das Projekt geführt. Freitag, 17 November

Von Sarah Gibbens, Craig Welch

Aus der Keystone Pipeline im US-Bundesstaat South Dakota – das kontroverse Bauvorhaben, das zu den Standing-Rock-Protesten führte – sind etwa 795.000 Liter Öl ausgetreten.

Aus der Keystone Pipeline im US-Bundesstaat South Dakota – das kontroverse Bauvorhaben, das zu den Standing-Rock-Protesten führte – sind etwa 795.000 Liter Öl ausgetreten.

In einer Mitteilung sagte das kanadische Ölunternehmen TransCanada, welches die Pipeline verwaltet, dass ein Druckverlust in der Leitung das Leck verursacht hat. Arbeiter entdeckten es am Donnerstagmorgen gegen 7:00 Uhr Ortszeit. Der Abschnitt mit dem Leck befindet sich etwa 56 Kilometer südlich einer Pumpstation im ländlichen Marshall County in South Dakota.

Laut TransCanada wurde das Leck innerhalb von 15 Minuten versiegelt. Das Ministerium für Umwelt und Rohstoffe von South Dakota wurde laut einem Interview mit dem Grundwasserspezialisten Brian Walsh erst um 11:30 Uhr über das Leck informiert – mehr als vier Stunden nach dem Bekanntwerden des Vorfalls.

Bisher wurde keine Grundwasserverunreinigung gemeldet, und sowohl der Katastrophenschutz als auch speziell beauftragte Firmen wurden gebeten, das Gebiet zu reinigen.

Die Keystone Pipeline transportiert Rohöl über 1.828 Kilometer von Alberta in Kanada bis zum Golf von Mexiko nach Texas. 2008 plante TransCanada eine Erweiterung der Pipeline namens Keystone XL. Dafür sollte eine zusätzliche Abzweigung das Öl aus den Ölsanden von Alberta bis nach Nebraska bringen. Diese Erweiterung hat eine nationale Debatte über ihren möglichen wirtschaftlichen Nutzen und die Umweltschäden, die sie verursachen könnte, befeuert.

Die Pipeline-Demonstranten, die sich im Reservat Standing Rock versammelten, welches sich über Teile von North und South Dakota erstreckt, verwiesen auf das Risiko für das Trinkwasser des Reservats. (Lesenswert: Amerikanische Ureinwohner verklagen Fracking-Unternehmen wegen Erdbeben)

David Flute, der Vorsitzende des Stammes der Sisseton Wahpeton Oyate, sagte, dass sich der Vorfall etwa 48 Kilometer westlich des Lake-Traverse-Reservats seines Stammes ereignete. Die Region besteht aus zahlreichen Feuchtgebieten, die teils auch von außerhalb des Reservats gespeist werden. Kein anderes Gebiet amerikanischer Ureinwohner liegt näher.

Laut Flute hat ein offizieller Vertreter des Unternehmens den Stamm und dessen Katastrophenschutzteam früher am Tag über den Vorfall informiert, wofür er dankbar ist. Dennoch sind die Stammesvertreter und viele seiner Mitglieder besorgt.

„Es gibt viele Seen und Flüsse und unterirdische Grundwasserleiter in der Nähe unseres Reservats und auch auf dessen Gebiet. Aber ich weiß nicht genau, wo das Öl ausgelaufen ist“, sagte Flute. „Ich weiß nicht, ob es auf Ackerland oder Weideflächen ausgelaufen ist, aber ich weiß, dass wir hier viel guten, fruchtbaren Boden haben, und dass der Stamm und der Stammesrat sehr besorgt sind.“

Laut Flute ist es noch zu früh, um mit Sicherheit zu sagen, welches Ausmaß an Schaden der Vorfall angerichtet hat.

„Ich glaube, man kann noch nicht sagen, ob das Wasser betroffen sein wird“, sagte er. „Wir versuchen, zuversichtlich zu bleiben, und wollen sehen, ob wir irgendwas tun können, um zu helfen.“

Douglas Yankton, der Vize-Stellvertreter des Spirit Lake Tribe in North Dakota, war frustriert, als er von dem Vorfall erfuhr.

„Genau deshalb waren wir als amerikanische Ureinwohner gegen diese Pipelines“, sagte er. „Genau aus diesem Grund.“

Ihm zufolge machen sich die Stämme in der Region besonders große Sorgen um potenzielle Lecks in der Nähe von Wasserquellen. Aber solche Unfälle müssen nicht erst Teiche, Flüsse oder Grundwasserleiter verschmutzen, um problematisch zu sein.

„Selbst, wenn das nicht in der Nähe von Wasser passiert, schädigt es immer noch das Land“, sagte er. „Das Land ist genauso heilig wie das Wasser.“

Yankton sagte, er mache sich Sorgen, weil man nicht darauf vertrauen könne, dass die Trump-Regierung das Land oder Wasser in der Nähe der Pipeline schützen wird. 

„Sie halten sich nicht mal an ihre eigenen Vorschriften“, sagte er. „Die machen einfach, was sie wollen.“

„Fracking, Teersande und aus Pipelines austretendes Rohöl, radioaktiver Fracking-Abfall und die damit verbundenen Chemikalien werden im größten öffentlichen Gesundheitsexperiment der Welt in unsere Flüsse und Grundwasserleiter gekippt“, äußerte sich die Standing-Rock-Demonstrantin Sara Jumping Eagle gegenüber National Geographic im vergangenen Januar. „Wie lang werden wir das noch tatenlos mit ansehen?“

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