Seychellen kündigen Meeresschutzgebiet von Größe Großbritanniens an

Das neue Schutzgebiet soll den Inselstaat vor illegaler Fischerei schützen und die Ökosysteme erhalten.

Veröffentlicht am 26. Feb. 2018, 14:26 MEZ
Ein Taucher des Pristine Seas Project wird bei einer wissenschaftlichen Expedition in den Outer Islands der ...
Ein Taucher des Pristine Seas Project wird bei einer wissenschaftlichen Expedition in den Outer Islands der Seychellen von einem Gefleckten Riesenzackenbarsch begleitet.
Bild Manu San Félix, National Geographic Pristine Seas

Die Regierung der Seychellen hat zwei neue Meeresschutzgebiete angekündigt, die insgesamt eine Fläche von etwa 210.000 Quadratkilometern abdecken – nur etwas weniger als die Insel Großbritannien.

Die Etablierung der Schutzgebiete soll in zwei Phasen erfolgen: Die erste Phase wird um die 75.000 Quadratkilometer im Bereich der Aldabra-Gruppe umfassen, die zu den Outer Islands der Republik gehören. Die zweite Phase wird dann weitere 135.000 Quadratkilometer mit einbeziehen. Insgesamt macht die so geschützte Fläche dann etwa 16 Prozent der Hoheitsgewässer des Landes aus. Das Vorhaben ist Teil eines ambitionierten Projekts, dessen Ziel es ist, bis zum Jahr 2022 insgesamt fast 415.000 Quadratkilometer des Landes unter Schutz zu stellen.

„Die Gewässer der Seychellen zählen zu den besten der Erde und es ist absolut großartig, dass die Regierung sie unter Schutz gestellt hat“, sagt Paul Rose, ein National Geographic Explorer, der 2015 eine Expedition zu den Seychellen geleitet hat.

Die Ergebnisse der Studie des Projekts Pristine Seas haben der Regierung die wissenschaftlichen Belege geliefert, die nötig waren, um den Schutz der Meeresgebiete zu beschließen. Die gemeinnützige Naturschutzorganisation The Nature Conservancy hat sich mit der Leonardo DiCaprio Foundation und privaten Spendern zusammengetan, um die Schulden des Landes zu refinanzieren und so die Etablierung der Meeresschutzgebiete zu ermöglichen.

Ein Rochen gleitet vor der größten Seychellen-Insel Mahé durch einen Schwarm Schnapper.
Bild Manu San Félix, National Geographic Pristine Seas

DIE RETTUNG DER SEYCHELLEN

Das blühende Ökosystem der Seychellen, die etwa 115 Inseln umfassen, befindet sich ungefähr 1.600 Kilometer von der Ostküste Afrikas entfernt. In der artenreichen Region lebt eine große Vielzahl verschiedener Tiere, von gefährdeten Gabelschwanzseekühen und Meeresschildkröten bis hin zu 100.000 seltenen Riesenschildkröten, die in keiner anderen Region der Welt vorkommen. In den Gewässern tummeln sich Thunfische und Haie, und zahlreiche seltene Zugvögel haben hier ihre Brutplätze.

Die neuen Schutzgebiete werden einige der am stärksten bedrohten Meereslebewesen des ganzen Planeten schützen und gleichzeitig zu einem nachhaltigen Tourismus und Fischereimanagement beitragen. Da 99 Prozent des Landes aus Meer bestehen, sind seine 100.000 menschlichen Bewohner wirtschaftlich stark von den Ressourcen des Meeres abhängig.

Ein Schwarzspitzen-Riffhai schwimmt bei den Outer Islands durch ein gesundes Korallenriff.
Bild Manu San Félix, National Geographic Pristine Seas

Mit den weißen Stränden und dem kristallklaren Wasser wirken die Seychellen vielleicht wie ein unberührtes Inselparadies, aber das vielfältige Ökosystem sieht sich einigen Gefahren gegenüber.  Oft wagen sich ausländische Fischerboote in die Gewässer der Seychellen, um dort illegal Haie und Thunfische zu wildern und sie auf ausländischen Märkten zu verkaufen.

Zudem wird die Inselnation auch durch die Klimaerwärmung und den steigenden Meeresspiegel bedroht. Ein gesundes Riffökosystem kann sich positiv auf die Umwelt auswirken und dabei helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Auf lange Sicht werden die Seychellen also von den Meeresschutzgebieten profitieren.

Der Große Barrakuda ist eines der zahlreichen Meereslebewesen, die in den Gewässern der Aldabra-Gruppe leben.
Bild Manu San Félix, National Geographic Pristine Seas

Auf insgesamt 260 Tauchgängen in den Seychellen untersuchten Paul Rose und das Expeditionsteam von Pristine Seas die versteckten Gefahren für das Ökosystem der Inseln. Im Anschluss reichten sie einen Kurzfilm und einen wissenschaftlichen Bericht ein, der auf den Ergebnissen ihrer Feldarbeit basierte und ihre Behauptung untermauerte, dass das Meeresgebiet geschützt werden muss.

„Das muss wissenschaftlich fundiert sein“, sagte Paul Rose letzte Woche. „Deshalb haben wir uns bereit erklärt, diese Lücken zu schließen und diese fehlenden Puzzleteile beizusteuern. Das hat der Regierung der Seychellen dabei geholfen, die heutige Entscheidung zu treffen.“

Man hofft, dass die Republik Seychellen dadurch auch in Zukunft noch das paradiesische, makellose Touristenziel sein wird, als das viele Menschen sie heutzutage betrachten.

„Das festigt das Bild, das die Leute von den Seychellen haben“, so Rose. „Viele von ihnen werden vermutlich überrascht sein, dass dieser [Schutz] überhaupt nötig ist.“

Elaina Zachos auf Twitter folgen.

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