500 Millionen Jahre altes Fossil gibt Hinweise auf tierische Evolutionsgeschichte

Das ungewöhnlich gut erhaltene Fossil vermittelt Forschern ein besseres Verständnis für die Entwicklung einiger der ersten Würmer der Erde.Mittwoch, 24. Januar 2018

Künstlerische Darstellung eines Kootenayscolex barbarensis.
Künstlerische Darstellung eines Kootenayscolex barbarensis.
bild Royal Ontario Museum

Vor über 500 Millionen Jahren wurde ein kleiner Wurm auf dem Gebiet des heutigen Kootenay-Nationalparks in British Columbia von einer Unterwasser-Schlammlawine eingeschlossen und begraben.

So zumindest lautet eine Theorie des Forschers Karma Nanglu von der Universität von Toronto, der das entdeckte Fossil des Wurms als schockierend gut erhalten beschrieb.

Es gehört einer neu entdeckten Art der Vielborster an, einer Klasse von Ringelwürmern, und wurde im Februar im Fachmagazin „Current Biology“ unter dem offiziellen Namen Kootenayscolex barbarensis beschrieben. Das Tierchen ist mit zwei Zentimetern recht klein und hat Hunderte winziger Borsten, die man als Chaetae bezeichnet.

An seinem Kopf befinden sich außerdem zwei schlauchartige Auswüchse, die Nanglu zufolge zum Abtasten des Bodens gedient haben könnten. Während des Präkambriums kroch dieser Wurm über den Meeresboden und fraß organisches Material, das der Nahrungskette wieder zugeführt wurde, wenn der Wurm als Mahlzeit im Magen anderer Tiere landete. Damit erfüllte er wohl eine ähnliche Funktion wie heutigen Regenwürmer und Blutegel – zwei Arten, die schließlich aus diesem Vielborster hervorgingen.

Kootenayscolex barbarensis zählt zu den Ringelwürmern. An seinem Kopf befanden sich zwei lange Sinnesorgane mit einer kleinen Antenne dazwischen. Aus seinen Körpersegmente traten zahlreiche Stummelfüße (Parapodien) hervor, die mit Borsten (Chaetae) versetzt waren.
Kootenayscolex barbarensis zählt zu den Ringelwürmern. An seinem Kopf befanden sich zwei lange Sinnesorgane mit einer kleinen Antenne dazwischen. Aus seinen Körpersegmente traten zahlreiche Stummelfüße (Parapodien) hervor, die mit Borsten (Chaetae) versetzt waren.
bild Dr. Jean-Bernard Caron/Royal Ontario Museum

SELTENER FUND

Der Vielborster ist ein seltenes Fundstück. Das weiche Gewebe seines Körpers verrottet im Normalfall sehr schnell. Da dieses Exemplar aber so gut erhalten ist, können sich Forscher ein besseres Bild davon machen, wie sich der Kopf der Ringelwürmer evolutionär herausgebildet hat.

Frühere Studien, die auf Ringelwurmfossilien aus Grönland basierten, hatten vermutet, dass die Köpfe dieser Tiere optisch nicht vom restlichen Körper zu unterscheiden waren. Aber diese Fossilien waren laut Nanglu nicht annähernd so gut erhalten wie der Fund aus Kanada. Bei Kootenayscolex barbarensis kann man den Körper deutlich besser erkennen.

„Wir vermuten, dass der Kopf der Ringelwürmer – anders als in der bisherigen Theorie – schon zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Evolution wie ein Kopf aussah“, sagt er. „Das war das Ergebnis einer einzigartigen Entwicklungsbiologie.“

FUNDORT

Vor Hunderten Millionen Jahren hätte es in der Region, in der das Fossil entdeckt wurde, nur so vor kleinen Ringelwürmern gewimmelt, sagen die Forscher.

Ihre Ausgrabungen konzentrierten sich größtenteils auf einen bestimmten Teil des Nationalparks namens Marble Canyon, der Teil des Burgess-Schiefers ist, einer bekannten Fossillagerstätte. Seit der Entdeckung des Canyons als Fossilfundstätte im Jahr 2012 wurden dort bereits 500 Wurmfossilien entdeckt.

Laut Nanglu besteht der nächste Schritt darin, ihre Rolle in der präkambrischen Tiergemeinschaft zu untersuchen. Zu Lebzeiten teilten sich die Würmer ihren Lebensraum mit Gliederfüßern – ein Stamm, zu dem heutzutage auch Tiere wie Krabben, Spinnentiere und Insekten zählen.

Aus diesen frühen Lebensformen entwickelten sich schlussendlich ungefähr 80 Prozent aller heute lebenden Tierarten. Nanglu hofft, dass ein tieferes Verständnis ihrer Merkmale Wissenschaftlern dabei helfen kann, die Evolutionsgeschichte der Erde noch besser zu verstehen.

„Wir haben jetzt ein viel deutlicheres Bild“, sagt er über den Fund des Wurmfossils. „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.“

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