Erst Vulkane, dann Asteroid? Aussterben der Dinosaurier war vielleicht komplexer als gedacht

Diverse Arten starben schon vor dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren aus – womöglich durch vermehrte Vulkanausbrüche und den daraus resultierenden Klimawandel.Donnerstag, 8. Februar 2018

Weshalb starben die Dinosaurier aus? Nur wenige Fragen der Wissenschaft wurden in den letzten 100 Jahren so kontrovers und langwierig diskutiert. Heutzutage kann man in den meisten Büchern zu dem Thema lesen, dass die nicht flugfähigen Dinosaurier zusammen mit drei Vierteln aller Tierarten der Erde vor etwa 66 Millionen verschwanden, als ein gewaltiger Asteroid in der Yucatán-Halbinsel einschlug.

Eine neue Studie, die in „Geology“ veröffentlicht wurde, zeigt nun aber, dass eine Periode der verstärkten vulkanischen Aktivität im heutigen Indien diverse Arten schon vor diesem Einschlag ausgelöscht hatte.

Diese Erkenntnis bestärkt manche Forscher in ihrer Überzeugung, dass Vulkanausbrüche und der Einschlag gemeinsam für den Untergang der Dinosaurier verantwortlich waren. Der Vulkanismus leistete die Vorarbeit und beeinflusste das Klima in einem solchen Maße, dass der Asteroid das Schicksal des Tyrannosaurus rex und seiner spätkreidezeitlichen Mitlebewesen schließlich besiegelte.

Der Großteil der geologischen Befunde zu diesem Massensterben wurde in Nordamerika gesammelt. Laiming Zhang von der Chinesischen Universität für Geowissenschaften und seine Kollegen sahen sich hingegen den Norden Chinas genauer an. Diese Region, so argumentieren sie, ist weit vom Einschlagkrater in Mexiko und von den uralten Lavaströmen des Dekkan-Trapp in Indien entfernt. Daher ist es ein idealer Bereich, um die weitreichenden klimatischen Auswirkungen beider Ereignisse zu untersuchen.

Das Team analysierte alte Sedimente am Boden eines Seenbeckens und fand heraus, dass die Temperatur des Sees schon Hunderttausende Jahre vor dem Einschlag angestiegen war. Die Erwärmung fällt zeitlich mit den Vulkanausbrüchen in Indien zusammen, durch die wahrscheinlich gewaltige Mengen CO2 in die Atmosphäre geschleudert wurden. (Jüngste Forschungen deuten auch darauf hin, dass der Asteroid genau die richtige Stelle traf, um ein Massenaussterben auszulösen.) (Lesenswert: Asteroid schlug genau an der richtigen Stelle ein, um Dinosauriersterben auszulösen)

Obwohl sich die Erkenntnis mit vorherigen Daten deckt, die weltweite Temperaturschwankungen vor dem Einschlag zeigten, machte das Team noch eine beunruhigendere Entdeckung. Zhang und seine Kollegen fanden heraus, dass viele Fossilien in den alten Sedimenten etwa zur Zeit dieser Erwärmung verschwanden. Zwei Drittel der ausgestorbenen Arten verschwanden nach dem Beginn des Vulkanismus, aber vor dem Asteroideneinschlag.

Daher würde die Studie belegen, dass Vulkanausbrüche das Klima destabilisieren und die Welt auf eine Katastrophe vorbereiten könnten, sagt der Co-Autor der Studie Paul Wignall, ein Paläontologe der Universität von Leeds.

„Unsere Studie lässt das Pendel ein wenig mehr in Richtung Vulkanismus zurückschwingen“, sagt er.

KLIMAKATASTROPHE

Die Klimaerwärmung half zweifelsfrei dabei, den nicht flugfähigen Sauriern ein vorzeitiges Ende zu bereiten, sagt Paul Renne. Der Geochronologe der Universität von Kalifornien, Berkeley war an der Studie nicht beteiligt. Das liegt daran, dass auf den Temperaturanstieg direkt ein Kälteeinbruch folgte. Diese drastische Veränderung bereitete vermutlich die Bühne für eine weltweite Katastrophe.

Man stelle sich vor, dass sich einige Lebensformen an die Erwärmung angepasst haben, indem sie näher an die Pole gewandert sind, erklärt Renne. „Wenn darauf dann eine große Abkühlung folgt, ist eine Anpassung schwieriger, besonders, wenn sie wirklich schnell passiert“, sagt er.

In diesem Szenario hat der Vulkanismus die Welt wahrscheinlich ins Chaos gestürzt und für das Aussterben vieler Arten gesorgt. Die restlichen Überlebenden konnten dann einfach nicht mehr mit den weiteren Veränderungen umgehen, die eintraten, als der Asteroid die Erde traf.

„Die Dinosaurier hatten riesiges Pech“, sagt Wignall.

Es wird aber schwer sein, Sean Gulick von dieser Theorie zu überzeugen. Der Geophysiker der Universität von Texas in Austin war der Co-Leiter eines Forschungsunterfangens, bei dem Bohrungen im Herzen des Einschlagkraters vorgenommen wurden. Er verweist auf diverse Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass die Ökosysteme bis zum Moment des Einschlags größtenteils intakt waren.

Er gibt zwar zu, dass die neue Studie auf ökologische Probleme zur Zeit der Vulkanausbrüche in Indien hindeutet, würde dafür aber gern auch Belege von anderen Orten als nur China sehen.

„Nichts an diesem einzelnen Becken lässt auf ein weltweites Phänomen schließen“, sagt er.

Zudem könnte eine anstehende Studie weitere Beweise dafür liefern, dass der Asteroideneinschlag der entscheidende Faktor für das Massenaussterben war, sagt Jay Melosh. Der Geophysiker der Purdue Universität hat an den ersten Ergebnissen des Bohrprojekts gearbeitet. Es sieht so aus, als würde die Debatte um diese Ereignisse auch in den kommenden Jahren noch keinen endgültigen Abschluss finden.

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