Wissenschaft

Lösen Hunde die nächste Grippe-Pandemie aus?

Ein neuer Erregerstamm sorgt für Aufregung. Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe und das Gefahrenpotenzial der Viren. Montag, 11 Juni

Von Theresa Machemer

In den letzten Tagen herrschte ein wenig Aufregung um eine neue Studie, der zufolge Hunde potenziell für den nächsten Ausbruch einer Grippepandemie verantwortlich sein könnten.

Am 5. Juni berichteten Forscher, dass sie einen neuen Stamm von H1N1-Viren bei Hunden aus dem Süden Chinas identifiziert haben. Falls einem die Bezeichnung nicht ganz unbekannt vorkommt, liegt das wahrscheinlich daran, dass der gleiche Subtyp des Influenzavirus auch für die Schweinegrippe-Pandemie 2009 verantwortlich war, die weltweit Tausende Todesopfer forderte.

Was also, wenn Fido jetzt die Grippe bekommt? Wir haben die wichtigsten Fragen beantwortet.

Was ist die Hundegrippe?

Bei der Erkrankung handelt es sich um Subtypen des Influenza-A-Virus, die auch Hunde befallen können. Im Gegensatz zur menschlichen Grippe, deren Beschreibungen Jahrtausende zurückreichen, trat die Hundegrippe vor nicht mal 20 Jahren erstmals auf den Plan.

2004 wurde ein Windhund auf einer Rennbahn in Texas positiv auf den Virus H3N8 getestet, der bis dato nur bei Pferden beobachtet worden war. Die Rennstrecke wurde sowohl für Pferde- als auch für Hunderennen genutzt. Es scheint also so, als hätte der Virus ein Pferd infiziert, sei dann mutiert und auf eine andere Art übergesprungen.  Einen weiteren Ausbruch der H3N2-Grippe gab es 2015 in Chicago, als der Virus von Vögeln auf Hunde übertragen wurde. Dieser Virenstamm breitet sich aktuell auch bei Hunden in New York City aus.

Ein Hund mit Grippe hat vermutlich eine laufende Nase, zeigt Appetitsverlust und Lethargie und hat Fieber – im Grunde die gleichen Symptome, an denen auch ein Mensch leiden würde.

Kann man sich bei Hunden mit Grippe anstecken?

Bisher gibt es dafür keinen bekannten Präzedenzfall. Der Studie zufolge sollte die Situation aufgrund der Mutationsrate des Virus und dem engen Kontakt zwischen Menschen und Hunden jedoch aufmerksam beobachtet werden. Viren funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip und müssen in ihrem Wirt passende komplementäre Strukturen vorfinden, um dort „andocken“ zu können. Damit ein Virus von Hunden auf Menschen übergehen kann, müsste es eine entsprechen große Mutation durchlaufen, um in das Schloss einer menschlichen Zelle zu passen.

Im Jahr 2016 führte das US-amerikanische Center for Disease Control (CDC) eine Risikoanalyse der Hundegrippe durch. Dabei wurden Merkmale wie der bevorzugte Wirt, die Anfälligkeit für virenhemmende Medikamente, die Schwere des Krankheitsverlaufs und die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung von Mensch zu Mensch berücksichtigt. Das Ergebnis war eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine potenzielle Pandemie.

Was bedeutet die neue Studie?

Die aktuelle Studie, die im Fachmagazin „mBio“ der American Society for Microbiology erschien, identifizierte einen neuen Erregerstamm der Hundegrippe, der mit dem Schweinegrippen-Virus von 2009 verwandt ist, vielleicht besser als H1N1 bekannt.

So wie ein Menschen 23 Chromosomenpaare besitzt, verteilt sich das Genom der Viren auf acht Segmente. Diese Segmente können sich mit den Segmenten aus anderen Erregerstämmen neu kombinieren und so neue Subtypen erzeugen, die beispielsweise von Schweinen auf Menschen übertragbar sind. Gerade solche Übertragungen sind recht häufig, da die Schlösser der menschlichen Zellen denen von Schweinezellen sehr ähneln. Der Sprung von Schweinen auf Hunde war jedoch eine Überraschung, da sich deren Schlösser deutlich voneinander unterscheiden.

Aber nur drei der neuen Segmente der Hundegrippe stammen vom 2009er-Erreger des H1N1-Virus. Die Studienautoren verweisen außerdem darauf, dass gewisse Faktoren in dieser chinesischen Region – darunter die weit verbreiteten Streuner und Hundefleischmärkte – eine Übertragung von Hunden auf Menschen wahrscheinlicher machen.

Allerdings handelt es sich nicht um eine dringende Handlungsaufforderung. Tierärzte sammelten die Proben, die das H1N1-Virus enthielten, schon zwischen 2013 und 2015. Bisher wurde die Hundegrippe nur von Hunden auf Katzen übertragen.

Was tun, wenn der eigene Hund die Grippe hat?

Es sind Impfungen gegen Hundegrippe verfügbar. Wenn Fido zu husten anfängt, sollte man zunächst einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann dann feststellen, ob er wirklich an der Grippe erkrankt ist oder an einer anderen Krankheit leidet. Lautet die Diagnose Grippe, sollte man sein Tier von Artgenossen fernhalten, damit diese sich nicht anstecken.

Die Behandlung hält keine Überraschungen bereit: Der Hund benötigt viel Ruhe und sollte ausreichend trinken, bis er wieder genesen ist, was bis zu vier Wochen dauern kann. Und da keine akute Ansteckungsgefahr besteht, darf man ihn währenddessen ruhig weiterhin mit Streicheleinheiten verwöhnen.

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