Ameisen können Krebs
 riechen

Die kleinen Insekten könnten für die künftige Krebsdiagnostik eine ernstzunehmende Alternative zu anderen Methoden darstellen, sagt eine neue Studie.

Veröffentlicht am 21. März 2022, 09:58 MEZ, Aktualisiert am 21. März 2022, 11:32 MEZ
Symbolbild Krebszellen-Experiment: Petrischale im Labor, gehalten von einer Laborkraft.

Ameisen bevorzugten im Experiment Krebszellen.

Foto von Drew Hays / Unsplash

Tiere werden schon länger zum Erkennen von Krankheiten beim Menschen eingesetzt: Ratten erkennen beispielsweise Tuberkulose und Hunde erschnüffeln Krebs. Dass Ameisen einen hochsensiblen Geruchssinn haben und blitzschnell lernen, ist schon länger bekannt. Dass sie aber nicht nur Krebszellen riechen können, sondern auch unterschiedliche Arten von Brustkrebs identifizieren können, haben nun französische Wissenschaftler um Baptiste Piqueret an der Sorbonne-Universität in Paris herausgefunden.

Laut aktueller Studie brauchen die Ameisen der Art Formica fusca nur wenige Minuten Training – schon nach 30 Minuten konnten die Insekten, die im Experiment eingesetzt wurden, erkennen, in welchen Proben sich Krebszellen befanden.

Ameisen suchten Krebszellen

Für die Versuche stellten die Forscherinnen und Forscher unterschiedliche Riechproben her. Sie wurden mit verschiedenen Arten von Krebszellen sowie mit gesunden Vergleichszellen zu Probematerial umgewandelt. Innerhalb einer überraschend kurzen Trainingsphase schienen die Ameisen die Geruchsmerkmale der Krebs-Proben zu „bevorzugen”: Bei der Wahl zwischen den gesüßten Krebszell-Lösungen und den ebenfalls gesüßten Kontrollzell-Lösungen liefen die Krabbler durchgehend auf das Geruchsmuster mit den Krebszellen zu.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Ameisen als lebende Werkzeuge zum Nachweis von Biomarkern für menschlichen Krebs eignen“, heißt es in der Studie. Wie weitere Experimente zeigten, konnten die Insekten sogar verschiedene Krebsformen unterscheiden. Die Forscher trainierten die Ameisen dazu auf die Erkennung von zwei Arten von Brustkrebs – und auch hier wurden die feinen Unterschiede im Geruch der unterschiedlichen Zelltypen durch die Tiere erfasst.

Ameisen opfern sich selbst, statt ihre Verletzungen behandeln zu lassen

Günstige Alternative zu Hunden

Auch Hunde können zwischen Krebszellen und gesundem Gewebe unterscheiden. Bestimmte Krebsformen können Hunde sogar am Geruch von Körperflüssigkeiten erkennen. Mutierte Zellen wie Krebszellen setzen hier flüchtige Substanzen frei, die Ausdünstungen ähneln und somit durch das hochsensible Sinnessystem der Tiere als solche erkannt werden kann. Hierzu hat sich der Einsatz von Hunden in der Krebsdiagnostik bereits bewährt.

Der Kostenfaktor, den die Vierbeiner mit sich bringen, ist allerdings zu hoch. Die Insekten lassen sich im Vergleich zu Hunden viel leichter züchten und brauchen keine monatelange Ausbildung oder aufwendige Betreuung. Mit der Ameise, betonen die Wissenschaftler in ihrer Studie, habe man nun einen viel günstigeren, noch effizienteren und lebendigen Biomarker gefunden, der eine langfristige Alternative für die Krebsdiagnostik werden könnte.

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