Aussterben der Dinosaurier: Neue Erkenntnisse durch Fund in Bayern

Ein Asteroideneinschlag vor etwa 66 Millionen Jahren sorgte vermutlich für ein Massensterben der Dinosaurier. Nun stützt ein geologischer Fund in Deutschland die Hypothese, dass Vulkanismus die Effekte des Himmelskörpers verstärkte.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 14. Juni 2022, 11:42 MESZ
Geologen entnehmen Proben der weiß-beigen Gesteinsschicht im Lattengebirge bei Bad Reichenhall.

Experten des Landesamt für Umwelt, Roland Eichhorn und Thomas Viertler, entnehmen im Lattengebirge bei Bad Reichenhall Proben der Gesteinsschicht. In den Schichten sind Stäube aus einem Asteroideneinschlag sowie darüber Asche aus massiven Vulkanausbrüchen konserviert.

Foto von Ulrich Teipel/Lfu/dpa

Viele Jahre Kälte und Dunkelheit folgten auf den Asteroideneinschlag, der vor 66 Millionen Jahren vermutlich die Dinosaurier für immer auslöschte. Doch die Annahme, dass dieser nicht der alleinige Grund für das weitreichende Massensterben war, wird nun von einem weiteren geologischen Fund bekräftigt – und das nicht in Lateinamerika, wo der Asteroid auf die Erde prallte, sondern in Bayern.

Entlang einer beinahe senkrechten Gesteinswand im Wasserfallgraben des Lattengebirges bei Bad Reichenhall stießen Geologen des Landesamts für Umwelt (LfU) auf eine dünne Schicht von weiß-beigen Ablagerungen. Laut Roland Eichhorn, Leiter des LfU, stützt dieser Fund die Hypothese, dass die Erde vor 66 Millionen Jahren gleich von zwei zusammenhängenden und einschneidenden Ereignissen erschüttert wurde: Dem Asteroideneinschlag mit extremen Druckwellen, die über die Erde fegten, sowie einen enormen Vulkanismus.

Asteroid und Vulkanismus sorgten wohl gemeinsam für Massensterben

Dank neuester Untersuchungsmethoden stellt sich heraus: Spuren des auf der Erde sehr selten vorkommenden Iridiums sind darin enthalten. Bei dieser 1980 erstmals wissenschaftlich beschriebenen Iridium-Anomalie handelt es sich um eine global auftretende erhöhte Konzentration des Metalls in Gesteinsschichten – und ein Indiz für den Einschlag im Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Noch interessanter für die Forscherinnen und Forscher: Erstmals in Deutschland wurde nun direkt über der Sedimentschicht aus dem Weltall eine weitere Ebene von besonderer Bedeutung ausgemacht. Sie besteht hauptsächlich aus Quecksilber und Tellur aus Vulkanstaub und -asche. Laut Eichhorn lässt dieser Fund auf einen dramatischen Zusammenhang schließen. Die Hypothese: Die gewaltigen Druckwellen vom Einschlagspunkt des Asteroiden im heutigen Mexiko breiteten sich durch den Erdkern hindurch aus – und sorgten dadurch für Ausbrüche des massiven indischen Vulkansystems Dekkan-Trapp auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs.

Folglich wirbelte nicht nur der vom Einschlag ausgehende Staub Kilometer hoch durch die Atmosphäre, auch diverse Vulkanausbrüche verdunkelten durch aufsteigende Aschewolken den Himmel – und das über mehrere Monate hinweg. Gemeinsam sorgten die beiden Naturphänomene für eine Reihe an geologischen und biologischen Veränderungen. Die darauf folgendenen klimatischen Veränderungen sorgten für einen einschneidenden Wandel in der Flora und Fauna.

Ein Fund für die Geschichtsbücher

Die Entdeckung in Bayern kommt nicht komplett überraschend. Bereits in den Sechziger Jahren wurde im Lattengebirge eine Schicht aus Mikrofossilien entdeckt, die sich auf den Zeitpunkt des Asteroideneinschlags datieren lies. Auch eine weiß-beige Ebene aus Kalk- und Mergelsteinen aus der selben Zeit war in dem Gebiet schon nachgewiesen worden. Seit dem Jahr 2015 wurde die Gesteinsformation gezielt nach neuen Erkenntnissen abgesucht.

Die neuen Erkenntnisse helfen den Geologen nun dabei, die Hintergründe der einschneidenden Ereignisse vor rund 66 Millionen Jahren detaillierter zu rekonstruieren. Der Fund könne ein wichtiges Kapitel in den Geschichtsbüchern schreiben, so Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. „Im Alpenraum wird die Geschichte der Dinos und unserer Erde um eine spannende Facette reicher.“

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