Mikroplastik im Auge: Kontaktlinsen setzen winzige Partikel frei

Praktisch, aber gefährlich? Eine aktuelle Studie zeigt, dass Kunststofflinsen beim Tragen winzige Plastikfragmente abwerfen. Manche Linsenarten schneiden besonders schlecht ab.

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 12. Juli 2023, 08:47 MESZ
Eine Frau ist im Begriff, sich eine Kontaktlinse ins Auge einzusetzen.

Für viele Menschen gehört das Einsetzen von Kontaktlinsen zur täglichen Routine. Doch die praktischen Sehhilfen hinterlassen in unseren Augen offenbar Spuren.

Foto von kulikovan / adobe Stock

Ohne Sehhilfen wären die meisten Deutschen aufgeschmissen: Das hat der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen in seiner Brillenstudie im Jahr 2019 ermittelt. Ihr zufolge sind 67 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre auf Unterstützung angewiesen, wenn es ums Sehen geht – fast 18 Millionen Menschen gelegentlich, über 23 Millionen ständig. Die Tendenz ist steigend.

Während die meisten sich für eine Brille entscheiden, bevorzugen 5,5 Millionen Deutsche Kontaktlinsen. Sie haben viele Vorteile: Im Gegensatz zur Brille sind sie nie verschmiert, rutschen nicht von der Nase und behindern nicht beim Sport oder anderen Aktivitäten. Ob die praktischen Sehhilfen in Form von wiederverwendbaren Wochen-, Monats- oder Tageslinsen zum Einsatz kommen, ist eine Frage der persönlichen Präferenz.

Von der Linse ins Auge

Eigentlich sollten Kontaktlinsen bei richtiger Pflege und dem Einhalten der Hygieneregeln beim Einsetzen und Herausnehmen unbedenklich sein. Eine Studie von Forschenden der chinesischen Nanjing Universität, die in der Zeitschrift Environmental Science & Technology der American Chemical Society erschienen ist, zeigt nun aber, dass die Linsen gegenüber Brillen einen schwerwiegenden Nachteil haben könnten: Der Kunststoff, aus dem sie bestehen, setzt im Auge Mikroplastikpartikel frei.  

Wissen kompakt: Plastik
Schon früh in der Menschheitsgeschichte kamen Biopolymere zum Einsatz. Heutzutage wird Kunststoff fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Erfahrt, wie genau Plastik produziert wird und was wir tun können, um die schädlichen Auswirkungen von Kunststoffen auf unseren Planeten und unser Leben zu verringern.

Untersucht hat das Forschungsteam unter der Leitung des Umweltwissenschaftlers Bing Wu sechs Arten von Kontaktlinsen verschiedener Hersteller und mit unterschiedlicher Lebensdauer. Den alltäglichen Gebrauch simulierten die Forschenden, indem sie die Linsen unter einer Sonnenlichtlampe in Wasser lagerten und alle zehn Stunden mit Wasser abspülten.

Nach 30 sowie 90 Tagen wurde das Wasser, in dem die Linsen lagerten, auf Mikroplastikpartikel untersucht. Zur Bestimmung der Partikelmengen hatte das Team zuvor ein automatisches Verfahren entwickelt, das mikroskopische Bilder der Proben erstellt und anhand der Aufnahmen den Anteil des vorhandenen Mikroplastiks errechnet.

Wie viel Mikroplastik werfen Kontaktlinsen ab?

Diese Analyse zeigte, dass Kunststofflinsen bei einer Tragedauer von täglich zehn Stunden bis zu 90.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr abwerfen. Diese gelangen über das Auge in den Körper des Trägers. Zum Vergleich: Eine frühere Studie der American Chemical Society aus dem Jahr 2019 hat ermittelt, dass Erwachsene und Kinder in den USA mit ihrer Nahrung und durch Luftverschmutzung jährlich zwischen 74.000 und 121.000 dieser Partikel in sich aufnehmen.  

Allerdings war die Mikropartikellast nicht bei allen Kontaktlinsen gleich. Je kürzer die vorgesehene Tragedauer, desto mehr Plastikfragmente wurden in den Proben festgestellt – Tageslinsen haben also eine höhere Partikellast als Monatslinsen. Das Freisetzen der Partikel wird offenbar durch Sonnenlicht verursacht, denn in den Proben von Kontaktlinsen, die nicht mit einer Lampe bestrahlt wurden, wurden keine Partikel gefunden.

Wie sich Mikroplastik allgemein auf den menschlichen Körper und seine Gesundheit auswirkt, ist derzeit noch unklar. Auch im Fall der aktuellen Studie können die Forschenden nicht sagen, welche konkreten Folgen der Kontakt mit den Partikeln für das Auge hat. Jedoch sei die Studie für weitere, dringend erforderliche Forschungen in diesem Bereich eine wichtige Basis. Sie hilft, zu verstehen, wo Mikroplastik vorkommt und wie wir damit in Kontakt kommen.

 

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