Wie ein Bluttest zu einem längeren Leben verhelfen könnte

Unser biologisches Alter muss nicht unserem tatsächlichen Alter entsprechen: Unsere Organe können viel älter sein und das Risiko von Erkrankungen erhöhen. Forschende aus den USA haben nun eine Möglichkeit gefunden, diese Gefahr zu umgehen.

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 14. Dez. 2023, 08:36 MEZ
Mehrere Röhrchen mit Blutproben in einem gelben Ständer.

Anhand eines Bluttests könnte schon bald das Alter unserer Organe bestimmt werden. Der Schlüssel zu einem längeren Leben?

Foto von National Cancer Institute / Unsplash

Wie alt wir sind, lässt sich nicht nur auf unserem Ausweis ablesen. Auch unser Gesundheitszustand spricht Bände – und offenbart unser sogenanntes biologisches Alter. Dieses sagt aus, wie gut es unseren Organen, Zellen und unserem Gewebe geht. Vor allem das Organalter kann dabei ein wichtiger Marker für künftige Krankheiten oder lebensbedrohliche Zustände sein: Je mehr das biologische Alter eines Organs von den anderen abweicht, desto gefährlicher wird es für den Gesundheitszustand einer Person. 

Bislang ließ sich das Organalter nur sehr umständlich durch Gewebeproben ermitteln. Doch das könnte sich bald ändern: Ein Forschungsteam der Stanford University in Kalifornien hat eine einfache und günstige Methode entwickelt, die in Zukunft viele Menschenleben retten und verlängern könnte. 

Mithilfe eines Bluttests sollen bald bestimmte Proteine oder Proteingruppen im Blut von Patient*innen analysiert werden können, die Hinweise auf das Alter der elf wichtigsten Organe geben – darunter Herz, Leber, Niere, Lunge und Gehirn

Schnell alternde Organe führen zu schweren Krankheiten

Wie wichtig dieser Test vor allem für Menschen mittleren Alters sein könnte, zeigt die neue Studie der Forschenden aus den USA, die in der Zeitschrift Nature erschien und in deren Rahmen der Test entwickelt wurde. Laut dieser hat eine von fünf äußerlich gesund erscheinenden Personen über 50 Jahren bereits ein Organ, das älter ist, als es sein sollte. „Wir haben festgestellt, dass diese Personen ein erhöhtes Risiko haben, in den nächsten 15 Jahren an diesem bestimmten Organ zu erkranken“, sagt Professor Tony Wyss-Coray, Neurologe und Co-Autor der Studie. 

Wer beispielsweise eine schnell alternde Niere besitzt, bekommt häufiger Bluthochdruck und Diabetes. Ein stark gealtertes Gehirn führt zu einem 1,8-mal höheren Risiko, in den kommenden fünf Jahren an Demenz zu erkranken. Und Menschen mit einem schnell alternden Herzen haben ein 2,5-mal höheres Risiko an Herzversagen zu sterben als Gleichaltrige mit normal alternden Herzen. 

Bis zu 50 Prozent höheres Sterberisiko 

Um das Alter der jeweiligen Organe zuverlässig vorhersagen zu können, untersuchten die Forschenden das Blut von circa 1.400 gesunden Menschen zwischen 20 und 90 Jahren auf organspezifische Proteine. Daraufhin trainierten sie einen Algorithmus mit maschinellem Lernen darauf, anhand der Proteinwerte im Blut das Alter des jeweiligen Menschen und seiner elf wichtigsten Organe zu bestimmen. Anschließend testeten sie die Genauigkeit des Algorithmus mithilfe von Daten von 4.000 weiteren gesund erscheinenden Testpersonen. 

Dabei konnten die Forschenden neben dem erhöhten Krankheitsrisiko auch herausfinden, dass schon ein einziges Organ mit beschleunigter Alterung mit einem 15 bis 50 Prozent höheren Sterberisiko in den kommenden 15 Jahren einhergeht. 

Neuer Bluttest: Der Krankheit zuvorkommen

Die gute Nachricht: Mit dem neuen Bluttest wird es künftig schnell, einfach und günstig möglich sein, rasch alternde Organe ausfindig zu machen und frühzeitig mit einer medizinischen Behandlung zu beginnen. Zusätzlich könnte die Identifizierung der organspezifischen Proteine auch zur Herstellung neuer Arzneimittel führen, die gezielt auf das betroffene Organ einwirken. „Wir könnten Personen möglicherweise schon behandeln, bevor sie überhaupt richtig erkranken“, sagt Wyss-Coray. 

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