Tipps vom National Geographic-Profi: So gelingt das perfekte Foto

National Geographic-Fotograf Joel Sartore erklärt, wie man perfekte Fotos schießt, egal ob mit dem Smartphone oder einer DSLR-Kamera.

Veröffentlicht am 22. Okt. 2020, 12:54 MESZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 05:58 MEZ

Tipps für das perfekte Haustierfoto

Haustiere sind einfach toll, aber gute Fotos von ihnen zu machen, ist gar nicht so einfach – selbst wenn sie gut trainiert sind. Am besten lässt man sich von einer Person helfen, die das Tier kennt – und die mit seinem Lieblingsleckerli bewaffnet ist, um seine Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, wo man sie braucht. Fotoshootings mit Tieren sollten nie zu lange dauern – und nach getaner Arbeit darf natürlich auch eine Belohnung nicht fehlen.

Eigenheiten einfangen

Wenn man das eigene Haustier fotografiert, sollte man versuchen, seine Eigenheiten einzufangen. Wenn er seine Leine sieht, stellt Ihr Hund die Ohren auf? Wenn Sie mit den Zehen wackeln stürzt sich Ihre Katze darauf? Das sind die Momente, in denen man die Kamera parat haben sollte!

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Auf Augenhöhe begeben

Am besten begibt man sich auf die Augenhöhe des Tiers, um es zu fotografieren, etwa indem man sich ins Gras setzt, während der Hund einem Stock hinterherjagt, oder sich auf den Wohnzimmerteppich legt, während sich die Katze darauf ausstreckt. Einerseits entstehen durch direkten Augenkontakt besonders intime Porträts, andererseits bekommt der Betrachter, indem man sich auf die Höhe des Tiers begibt, ein Gefühl für seine Perspektive.

Der geneigte Kopf

Es ist immer das Gleiche: Die Katze hört eine bekannte Stimme, der Hund erkennt sein Lieblingsspielzeug – und, zack, schon neigt sich das Köpfchen zur Seite. So drücken die Tiere Neugier und Spielfreude, aber auch Zuneigung und Loyalität aus – und für einen kurzen Moment kann man auch einen Blick auf die Persönlichkeit des Tiers erhaschen. Das ist der perfekte Moment für ein einzigartiges Porträt, in dem Sie Ihr Haustier auf den ersten Blick wiedererkennen.

Im Grunde gelten für Tierporträts die gleichen Regeln wie für jene von Menschen. Das Licht sollte weich und schmeichelnd sein, wichtige Details sollten gut erkennbar sein, und das Foto sollte eine Geschichte erzählen.  Man kann auch versuchen einzufangen, wie ein Tier mit anderen Tieren oder einem Familienmitglied interagiert. Denn genau wie wir Menschen haben auch Tiere eine eigene Persönlichkeit – und diese einzufangen, ist der Schlüssel zu einem perfekten Porträt.

Ein Braunsteißdiuca auf einem Kaktus. Durch eine geringe Tiefenschärfe verschwimmt der Hintergrund und das Hauptmotiv, der Vogel, ist ganz eindeutig der Schwerpunkt. Die Kakteen sorgen für eine tolle Rahmung.

Bild Joel Sartore

Tipps für das perfekte Wildtierfoto

Professionelle Wildtierfotografen geben sich meist viel Mühe, um sich zu tarnen, denn nur wenn sich Tiere unbeobachtet fühlen, verhalten sie sich ganz natürlich. Diese Tarntechniken können Sie auch zu Hause  ausprobieren: Für ein „Tarnzelt“ ein großes Stück Stoff mit einem Schlitz für das Objektiv vor ein offenes Fenster hängen. Die Kamera auf den gewünschten Bildausschnitt richten, einstellen – und warten. Am besten baut man das „Tarnzelt“ schon vor Sonnenaufgang auf, damit man bereit ist, wenn die ersten Vögel zum Vorschein kommen. n Für eine improvisierte Kamerafalle die Kamera auf einem Stativ in der Nähe des Vogelhäuschens oder vor dem Baum, auf dem sich das Eichhörnchen am liebsten versteckt, positionieren. Dann schnell zurück ins Haus, die Situation vom Fenster aus beobachten und mithilfe eines Fernauslösers abdrücken!

Die perfekte Tarnung

Drei Dinge sind grundlegend, um Tiere in freier Wildbahn zu fotografieren: Wissen, Zoomobjektiv und Geduld. Und dazu kommt natürlich all das, was ein gutes Foto ausmacht: Recherche, Planung, die richtige Technik, vorausschauendes Denken und noch mehr Geduld – sehr viel Geduld.

Verhalten beobachten

Ein Pferd bei Sonnenuntergang auf einer Koppel in Howes, South Dakota.

Bild Joel Sartore

Bevor man Tiere fotografiert, sollte man sich viel Zeit nehmen, um sie zu beobachten. Dabei lernt man, Muster und Hinweise zu erkennen, mit deren Hilfe sich ihr Verhalten antizipieren lässt. Um dann auch möglichst unauffällig zu fotografieren, sollte man die Kamera bereits im Vorhinein einstellen: Eine weite Blende eignet sich für Porträts, eine kurze Verschlusszeit für ein Tier in Bewegung. Am besten beginnt man zu fotografieren, sobald man das Tier sieht, und bewegt sich dann langsam auf es zu. So hat man auf jeden Fall ein paar Fotos, falls es sich doch aus dem Staub macht, weil man sich zu nahe heranwagt. Dabei sollte immer die eigene und die Sicherheit des Tiers im Vordergrund stehen: Man sollte es nie riskieren, ein wildes Tier zu verschrecken oder zu verärgern, und immer eine Rückzugsmöglichkeit haben.

Safari im Garten

Der eigene Garten ist ein toller Ort, um das Fotografieren von „wilden“ Tieren – Vögel an der Vogeltränke oder ein Eichhörnchen auf einem Ast – zu üben. Um die Tiere nicht zu verschrecken, sucht man sich am besten einen guten Standort, baut die Kamera auf und wartet dann einfach, was passiert. Ein Zoomobjektiv eignet sich für Tierfotos besonders gut, denn so kann man sie ganz nahe „heranholen“, ohne sich tatsächlich bewegen zu müssen. Wie bei Porträts gilt auch hier, dass die Augen des Tieres immer im Fokus sein sollten – so lässt sich eine Verbindung zwischen Betrachter und Motiv herstellen.

Informiert sein

Wenn man wilde Tiere in fremden Ländern fotografieren möchte, sollte man sich vorher gut informieren. Von örtlichen Naturorganisationen und Tierexperten kann man mehr über das Verhalten und die Wandermuster sowie eventuelle Einschränkungen beim Fotografieren erfahren. Und Fotografen, die in diesem Bereich bereits Erfahrung haben, können hilfreiche Tipps geben. Am besten fotografiert man Tiere in natürlichen Situationen ohne Stress – beim Schlafen, Essen oder Spielen. Außerdem sollte man beachten, dass es in einigen Ländern Gesetze gibt, die es unter Strafe stellen, Wildtiere zu stören oder sie dazu zu bringen, ihr Nest oder ihre Jungen zu verlassen. Das Fotografieren von Tieren in freier Wildbahn ist ein Marathon und kein Sprint. Manchmal dauert es Jahre, bis man die Möglichkeit hat, ein ganz bestimmtes Tier zu fotografieren. Um wirklich gute Wildtierfotografien zu machen, braucht man eben viel Übung – und noch mehr Geduld.

Tipps für das perfekte Reisefoto

Auf dieser Luftaufnahme des Pantanal in Brasilien während der Regenzeit wirkt die geflutete Ebene wie ein abstraktes Kunstwerk.

Bild Joel Sartore

Die Essenz eines Ortes einfangen

Als Fotograf fühlt man sich oft zu Orten hingezogen, an denen man noch nie war. Um einzigartige Fotos zu machen, sollte man versuchen, die Essenz eines unbekannten Ortes einzufangen. Jeder Ort hat etwas, das ihn besonders macht, sogar die eigene Stadt oder das Dorf, in dem man lebt – auch wenn einem das selbst oft nicht wirklich bewusst ist. Versuchen Sie, Ihren Heimatort mit den Augen eines Touristen zu betrachten: Was ist besonders oder einzigartig? Welche Traditionen oder Ereignisse machen die Geschichte des Ortes aus? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt, das ist eine gute Übung, um zu lernen, wie man die Essenz eines Ortes erspürt.

Bekanntes neu interpretieren

Versuchen Sie, bekannte Sehenswürdigkeiten auf neue und spannende Art und Weise zu betrachten. FotografierenSie die Touristen vor dem Opernhaus in Sydney oder dem Kolosseum in Rom, um dem Betrachter ein Gefühl für die Größe dieser Wahrzeichen zu vermitteln. Verwenden Sie für Fotos des Mount Rushmore oder der Pyramiden ein Objektiv mit einer großen Brennweite, um die Struktur des Gesteins abzubilden. Werden Sie abstrakt: Fotografieren Sie die Rückseite eines berühmten Denkmals oder nur ein kleines Detail. Oder drehen Sie sich um und fotografieren Sie weg von der Sehenswürdigkeit, um die Begeisterung auf den Gesichtern der staunenden Touristen einzufangen – oder die Reflexion des Wahrzeichens in einer Sonnenbrille. Nutzen Sie die ganze Umgebung, um eine bekannte Sehenswürdigkeit auf ganz neue Art und Weise darzustellen.

Foodstyling

Mit diesen einfachen Tipps sorgen Sie dafür, dass jedes Gericht noch appetitlicher aussieht:

- Sauberer Tisch Räumen Sie alles weg, was auf dem Tisch nichts verloren hat oder unappetitlich wirken könnte, wie Handys, Autoschlüssel und benutzte Servietten. Besteck, Gläser und auch Hände dürfen bleiben, sie sorgen für Kontext und vermitteln dem Betrachter ein Gefühl für die Größenverhältnisse.

- Perfekte Komposition Im Idealfall fotografiert man Essen immer vor einem schlichten, sauberen Hintergrund entweder von oben oder von der Seite, um etwa alle Schichten eines Burgers einzufangen.

- Texturen Fotografieren Sie eine tropfende Eiswaffel oder den geschmolzenen Käse, der aus einem Sandwich herausquillt – Texturen lassen das Foto für den Betrachter greifbarer erscheinen.

Foto Basics: Der ultimative Einsteigerguide für digitale Fotografie

Joel Sartore ist Fotograf, Journalist, Autor und Naturschützer. Seit über 25 Jahren veröffentlicht er seine Bilder in der Zeitschrift National Geographic. Ferner arbeitet er seit mehr als 10 Jahren an dem Projekt »PhotoArc«: der fotografischen Dokumentation der Artenvielfalt unseres Planeten. Er ist Mitglied der International League of Conservation Photographers und der National Geographic Society.

In dem reich bebilderten Ratgeber „Foto Basics“ erklärt er, wie man perfekte Fotos schießt, egal ob mit dem Smartphone oder einer DSLR-Kamera. Dabei geht er auf die Grundlagen wie die Auswahl der Kamera und Ausrüstung ein, erklärt Belichtung, Komposition und Beleuchtung sowie Bildbearbeitung und Archivierung. Darüberhinaus erläutert er die verschiedenen Sujets, angefangen bei Porträt- & Tierfotografie über Natur & Landschaften bis hin zu Reisefotografie. Hier geht’s zum Buch!

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