Fotografie

So fotografieren Sie am besten bei wenig Licht

Schwierige Lichtverhältnisse sind immer eine fotografische Herausforderung. Wie man damit umgeht, erklärt Jim Richardson.

Von Jim Richardson
Bilder Von Jim Richardson
So fotografieren Sie am besten bei wenig Licht

Jim Richardson, fotografiert seit fast 30 Jahren für NATIONAL GEOGRAPHIC, besonders gern das ländliche Leben in den USA und in England, von wo seine Familie stammt.

Es gibt einen Witz über einen Mann, der stundenlang unter einer Straßenlaterne nach seinen verlorenen Schlüsseln sucht. Die unbeleuchtete Seitenstraße meidet er jedoch, obwohl die Chance dort wahrscheinlich größer wäre, sie zu finden. Natürlich sucht er unter der Laterne, „weil das Licht dort besser ist.“

Tatsächlich machen wir Fotografen aber genau das Gleiche, wenn wir mit wenig Licht arbeiten müssen: Wir suchen eine interessante Lichtquelle und überlegen dann, wie wir sie nutzen können, um ein gutes Bild zu machen.

Bevor ich richtig loslege, muss ich ein Geständnis ablegen: Ich habe einen kleinen Trick angewandt, um das Mädchen in dem Einkaufsladen in Mexico zu fotografieren. Ich habe nicht wirklich geschummelt, aber es wäre nicht vollkommen ehrlich zu behaupten, dass ich bloß mit verfügbarem Licht gearbeitet habe. Ich werde Ihnen gleich erklären, warum.

Aber vorab ein paar konkrete Hinweise:

 

  • Folgen Sie dem Licht. Der Mann, der seine Schlüssel unter der Straßenlaterne sucht, wäre als Fotograf auf dem richtigen Weg. Finden Sie das Licht und Sie finden Ihr Foto.
  • Erkennen Sie die Lichtquellen. Kontraste sind Ihr größter Feind. Trainieren Sie Ihre Augen darauf, den Ort zu erkennen, an dem die Beleuchtung am ausgeglichensten ist.
  • Benutzen Sie ein Objektiv mit großer Blende. Die geringe Tiefenschärfe und die schwache Ausleuchtung Ihres Motivs erschweren eine scharfe Aufnahme. Sobald Sie f/2.8-Objektive nutzen, werden Sie jedoch eine gute optische Qualität sowie ausreichend Tiefenschärfe erreichen.
  • Überlegen Sie, ein Objektiv mit fester Brennweite einzusetzen. Ein 24mm f/2.8 oder ein 50mm f/1.8 Objektiv sind für Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen gut geeignet. Zudem sind sie handlicher, und Sie werden kaum Probleme mit Blendenflecken und Linsenreflexion haben.
  • Arbeiten Sie mit hoher Filmempfindlichkeit. Die meisten Kameras erzeugen heutzutage tolle Fotos bei einem ISO-Wert von 3200. Das Rauschen erhöht sich mit dem ISO-Wert. Lassen Sie sich davon nicht ärgern. Glauben Sie mir, ein gutes Bild zählt mehr als ein bisschen Rauschen.
  • Warten Sie darauf, bis ihr Motiv sich dem Licht zuwendet. Dann müssen Sie schnell sein. Dies ist ein alter Trick. Denken Sie nur an die beeindruckenden Fotos von den ersten Jazzmusikern. Die Musiker schauen immer nach oben - zum Licht.
  • Bleiben Sie ruhig! Eine zittrige Hand ist Ihr größter Feind. Nehmen Sie sich einen Moment, um Luft zu holen und sich zu konzentrieren. Lernen Sie, eine stabile Position zu finden und drücken Sie sanft den Auslöser - nicht ruckartig.
  • Warten Sie auf einen bewegungsfreien Moment. Achten Sie auf Ihr Motiv. Sie werden feststellen, dass es immer Momente gibt, die fast frei von Bewegung sind. Lernen Sie diese Momente vorherzusagen, und seien Sie für den nächsten bereit.
  • Arbeiten Sie mit Serienaufnahmen – auch „das Stativ des armen Mannes“ genannt. Wenn Sie fünf Aufnahmen in einem kurzen Zeitraum machen, sollte eine schärfer sein als der Rest.
  • Lieben Sie die Unschärfe. Unschärfe ist nur ein anderes Wort für Bewegung – und Bewegung in einem Foto kann fantastisch sein.

 

Aber welchen Trick habe ich selbst genutzt, als ich das Mädchen in dem Mexikanischen Einkaufsladen fotografierte? Ich habe gewartet, bis sie sich der Tür näherte und das letzte Sonnenlicht ihr Gesicht aufhellte. Ich bin ihr nicht gefolgt, sondern habe zuerst das schöne Licht gefunden und dann auf mein Motiv gewartet. Genau wie der Mann unter der Straßenlaterne – wo das Licht am besten war, habe ich nach meinen Schlüsseln gesucht.

Mehr zum NATIONAL GEOGRAPHIC-Fotograf Jim Richardson finden Sie auf seiner Homepage!

Jim Richardson, fotografiert seit fast 30 Jahren für NATIONAL GEOGRAPHIC, besonders gern das ländliche Leben in den USA und in England, von wo seine Familie stammt.
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