Wie die Menschen Krebs entdeckten

Schon im Alten Ägypten versuchten die Menschen, Krebs zu behandeln – Millionen Jahre, nachdem die ersten Tumore Mensch und Tier krank machten. Wie alt Krebs ist und wie die Krankheit erforscht wurde.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 2. Feb. 2024, 08:41 MEZ
Aquarell: Eine Frau blickt hinab auf ihre Brust und sieht dort einen Tumor, der sich durch ...

Aquarell aus dem Jahr 1828. Eine Frau blickt auf einen Tumor in ihrer Brust. Das Bild ist Teil einer Gemäldesammlung, in der hochrangige Menschen aus Leeds, England mit schweren Krankheiten dargestellt sind.

Foto von Wellcome Collection / Public Domain

Krebs ist eine der wohl gefürchtetsten Krankheiten auf der Welt. Etwa 10 Millionen Menschen sterben laut WHO weltweit jährlich an einer der unzähligen Krebsformen. In Deutschland sind es etwa 200.000 pro Jahr, während etwa 500.000 Deutsche jährlich neu daran erkranken.

Heute weiß man: Die Krankheit ist älter als die Menschheit selbst und begleitet unsere Spezies vermutlich seit ihrer Entstehung. Das können seltene fossile Funde von Krebstumoren belegen, die weit in die Urgeschichte zurückreichen.

Wie lange gibt es Krebstumore schon?

Der bislang älteste Fund eines bösartigen Tumors stammt aus Deutschland und wurde 2019 von einem Forschungsteam, an dem auch Forschende des Berliner Naturkundemuseums und der Berliner Charite beteiligt waren, identifiziert: In den fossilen Überresten eines Wirbeltieres, das vor etwa 240 Millionen Jahren gestorben war, fanden sie ein sogenanntes Osteosarkom, einen bösartigen Knochentumor.

Der bislang älteste menschliche Krebspatient mit einem bösartigen Tumor ist ein früher Verwandter des Menschen, der vor etwa 1,7 Millionen Jahren lebte. An seinen Knochen konnten Forschende im Jahr 2016 ebenfalls ein Osteosarkom feststellen. Der erste bislang nachgewiesene gutartige Tumor – also ein Tumor, der nicht mit einer Krebserkrankung im Zusammenhang steht – ist sogar noch älter: An einem Menschenaffen, der vor 1,98 Millionen Jahren lebte, konnte ein sogenanntes Neoplasma nachgewiesen werden, ein in diesem Fall gutartiges Gewebegeschwulst.

Erste Aufzeichnungen über die Krankheit

Erste Hinweise darauf, ab wann Menschen von Tumoren wussten, gibt es aus dem Alten Ägypten. Laut einem Paper im Journal of the American Cancer Society findet sich die weltweit erste Erwähnung der Krankheit im Papyrus Edwin Smith, einer altägyptischen medizinischen Schrift. In dem etwa 4.500 - 5.000 Jahre alten Text beschreibt der Autor einen Tumor in der Brust einer Patientin und äußert die Vermutung, dass die Krankheit tödlich und unheilbar ist.

Ein Auszug aus dem Papyrus Edwin Smith, einem der ältesten medizinischen Texte der Welt. Schon in dieser Schrift wird ein Brusttumor beschrieben, dessen Ursache man zur Zeit der Entstehung des Textes allerdings noch nicht kannte.

Foto von Wikimedia Commons

Deshalb versuchten auch die Alten Äygpter schon, Tumore operativ zu entfernen – mit Messern oder durch das Abbrennen der Haut – oder die betroffene Stelle mit heilenden Kräutern oder Pasten zu behandeln. Aufzeichnungen darüber finden sich im Papyrus Ebers, einer etwa 3.600 Jahre alten altägyptischen medizinischen Schrift. Dort befinden sich auch schon Beschreibungen verschiedener Krebsformen – ein Hinweis darauf, dass die Alten Ägypter schon über ein bemerkenswertes medizinisches Know-How verfügten.

Woher kommt die Bezeichnung Krebs?

Als konkrete Krankheit wurde Krebs dann aber vermutlich erst von den Alten Griechen identifiziert. Im Corpus Hippocraticum des bekannten griechischen Arztes Hippokrates beschreibt dieser die Tumore als Geschwülste, die in ihrer Form an Krabben erinnern. Es wird vermutet, dass diese Beschreibung – auf griechisch Karkinos – zu der uns heute bekannten Bezeichnung Krebs geführt hat. 

In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden Tumore sowohl im Alten Griechenland als auch im Alten Rom und im Mittelalter hauptsächlich operativ entfernt. Standardisiert wurden diese chirurgischen Eingriffe aber erst im 19. und 20. Jahrhundert.

Aquarell einer Zeichnung, die vermutlich von einem Studenten erstellt wurde, der im Jahr 1817 bei einer Tumoroperation in einem Dubliner Salon anwesend war. Entfernt wurde bei der Operation ein Tumor in der Brust und Achselhöhle eines Patienten. 

Foto von CC BY 4.0 / Wellcome Collection

Auch die Krebsforschung kam erst zu dieser Zeit in Fahrt. „Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine unübersichtliche Zahl an Publikationen und die unterschiedlichsten Theorien zur Entstehung tumoröser Erkrankungen“, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) auf ihrer Website. Als konkretes Forschungsfeld habe sich die Onkologie dann erst im frühen 20. Jahrhundert entwickelt, beispielsweise mit dem Erscheinen der ersten Fachzeitschrift rund um die Krankheit Krebs im Jahr 1903: das bis heute bekannte Journal of Cancer Research and Clinical Oncology.

Nach einigen Jahrzehnten der Forschung begann man in den 1940er Jahren schließlich erstmals Patient*innen mit der Chemotherapie zu behandeln. Bis heute gilt die Therapieform in vielen Fällen als die vielversprechendste Behandlung und wurde über Jahrzehnte stetig weiterentwickelt.

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