Auch Katzen sind Links- oder Rechtshänder

Die Pfotenpräferenz lässt womöglich auch auf Charaktereigenschaften der Vierbeiner schließen.Mittwoch, 14. Februar 2018

Katzen haben das gesamte Internet um ihre samtigen kleinen Pfoten gewickelt.

Aber welche Pfote sie benutzen, um uns vor den Bildschirm zu locken, an dem wir uns stundenlang Katzenvideos ansehen und im Anschluss ihre Futterdose öffnen, ist einer neuen Studie zufolge kein Zufall.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass viele Hauskatzen eine ausgeprägte Vorliebe für entweder die linke oder die rechte Pfote zeigen, wenn es darum geht, Treppen runterzulaufen, über Gegenstände zu steigen oder nach Nahrung zu tasten. Diese Vorlieben unterscheiden sich auch nach Geschlecht: Männchen präferieren ihre linken Pfoten, bei Weibchen sind es die rechten.

Damit weisen sie eine Parallele zu Menschen auf, da Männer häufiger Linkshänder sind als Frauen. „Wir glauben, dass dieser Unterschied mit den Sexualhormonen zusammenhängt“, sagt die Hauptautorin Deborah Wells, eine Psychologin von der Queen‘s Universität in Belfast. Allerdings wissen die Forscher noch nicht, wie genau oder warum das zustande kommt.

Die Ergebnisse könnten auch Hinweise darauf liefern, wie domestizierte Katzen mit Stress umgehen. Frühere Forschung an Menschen hat Zusammenhänge zwischen Linkshändigkeit und Krankheiten wie Schizophrenie aufgedeckt.

Links oder rechts?

Schon seit Jahrhunderten sind sich Gelehrte einer menschlichen Präferenz für die linke oder rechte Hand bewusst. Fast neun von zehn Menschen benutzen ihre rechte Hand für Aufgaben wie das Zähneputzen oder Schreiben.

In den späten Siebzigern begannen Forscher dann auch damit, Belege für eine solche Präferenz bei anderen Tieren zu sammeln, beispielsweise bei Walen, Kängurus, Primaten und sogar dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans.

Wissenschaftler wie Wells untersuchen die Hand-, Pfoten oder Flossenpräferenz, um besser zu verstehen, wie sie sich entwickelt und welche Faktoren im Gehirn dafür ausschlaggebend sein könnten.

Um zu bestimmen, ob und welche Präferenz Katzen zeigen, beobachtete Wells 44 Hauskatzen – 20 davon Weibchen – in ihrem Zuhause in Nordirland.

Während der dreimonatigen Beobachtungsphase achteten Wells und seine Kollegen auf drei Verhaltensweisen: mit welcher Pfote die Katze den ersten Schritt in das Katzenklo tat, mit welcher Pfote sie den ersten Schritt eine Treppe hinauf oder hinab tat und auf welcher Seite sie gern lag. Außerdem notierten sie, welche Pfote die Katze nutzte, um durch eine kleine Öffnung Nahrung aus einem Futterspender zu holen.

Wells betonte, dass das alles spontane Verhaltensweisen in der natürlichen Umgebung der Katzen waren, was für die Feststellung wichtig ist.

Fast drei Viertel der Katzen zeigten eine Präferenz für eine bestimmte Pfote, und die Weibchen zogen ihre rechte Pfote eindeutig vor. Die Männchen hingegen waren Linkshänder, wie die Ergebnisse zeigen, die im Januar in „Animal Behaviour“ erschienen sind.

Ein Maine-Coon-Kater aus der Studie benutzte seine linke Pfote, um seinen Besitzern die Tür vor der Nase zu schließen, sagt Wells.

„Der war definitiv Linkshänder“, sagt er.

Welche Pfote zieht eure Katze vor?

Die Pfotenpräferenz der eigenen Katze zu testen, ist recht einfach. Wells zufolge muss man sie einfach nur aufmerksam beobachten. (Lesenswert: Was denken Katzen über uns? Die Antwort ist überraschend)

Wenn eure Katze die Treppe hoch oder runter läuft oder in das Katzenklo geht, notiert die Pfote, die sie zuerst benutzt. Im Laufe mehrerer Tage oder Wochen solltet ihr genügend Daten gesammelt haben, um beurteilen zu können, ob eure Katze eine Vorliebe für eine bestimmte Pfote hat (das trifft nicht auf alle Katzen zu).

Ängstliche Linkshänder

Wells vorherige Studien zur Pfotenpräferenz bei Hunden haben gezeigt, dass „linkspfotige“ Hunde oder Hunde ohne Pfotenpräferenz gestresster und ängstlicher sind als ihre Artgenossen, die die rechte Pfote vorziehen.

Falls das auch auf Katzen zutrifft – und Wells glaubt, dass das der Fall ist –, könnte diese Erkenntnis Besitzern und Tierheimen dabei helfen, ihre Katze(n) besser zu verstehen und für sie zu sorgen.

„Es gibt ein großes Interesse an dieser [Pfotenpräferenz] als Biomarker für das Wohlbefinden der Tiere“, sagt Giorgio Vallortigara. Der Neurowissenschaftler der Universität von Trient war an der Studie nicht beteiligt.

Tierheime könnten zum Beispiel Schnelltests entwickeln, um die eventuelle Pfotenpräferenz einer Katze festzustellen. Falls sie Linkshänder ist, könnte man ihr dann bestimmte Situationen ersparen, die sie noch mehr ängstigen würden.

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